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Streit um Fangverbote: Wurster Nordseeküste wehrt sich gegen Pläne des Landes

Wegen EU-Vorgaben sollen große Teile der niedersächsischen Küstengewässer für die Fischerei gesperrt werden. Die Gemeinde Wurster Nordseeküste befürchtet das Aus für ihre Krabbenfischer und fordert Nachbesserungen.

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Ohne Krabben schmeckt das Brötchen eben nur halb so gut. — Rocky, Chefkolumnist
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Die Gemeinde Wurster Nordseeküste wehrt sich gegen die Pläne des Landes Niedersachsen, weite Teile der Küstengewässer für die Fischerei zu sperren. Hintergrund sind EU-Vorgaben zum Naturschutz, die eine erhebliche Reduzierung der Fanggebiete vorsehen. Vor dem niedersächsischen Fischereidialog in Hannover fordert die betroffene Gemeinde nun deutliche Korrekturen an den Entwürfen.

Ortstermine in Hannover gehören für Bürgermeister der Gemeinde Wurster Nordseeküste, Jörg-Andreas Sagemühl, zum politischen Alltag. Die Sitzung des niedersächsischen Fischereidialogs am 21. Juli ist für ihn jedoch mehr als Routine: „Wir werden als Gemeinde nicht einfach akzeptieren, dass bei uns vor der Wurster Küste rund 50 Prozent der Fanggebiete entfallen sollen.“ Genau das legt eine vorläufige Karte nahe, die das Land vor gut zwei Wochen veröffentlicht hat, wie die Nordsee-Zeitung berichtet.

Hintergrund sind EU-Vorgaben: Bis 2030 sollen nach der Biodiversitätsstrategie der Europäischen Union mindestens 30 Prozent der EU-Gewässer unter Schutz gestellt werden. Zehn Prozent dieser Meeresflächen sollen zudem streng geschützt werden – Fischerei ist dort nicht erlaubt. Als Anrainerland muss Niedersachsen diese Vorgaben umsetzen.

Existenzbedrohung für die Küstenfischerei

Für die Küstenfischerei an der Wurster Nordseeküste hätte der aktuelle Entwurf weitreichende Folgen. Das Tidebecken Westertill/Nordertill im Wattengebiet vor der Gemeinde ist mit knapp 19 Hektar die größte zusammenhängende Fläche vor der niedersächsischen Küste, die komplett fischereifrei werden soll. „Dann ist die Küstenfischerei bei uns tot“, war aus hiesigen Fischerkreisen als Reaktion auf den bisherigen Vorschlag des Landes zu hören.

Auch Sagemühl hält die Dimension der geplanten Einschnitte vor Ort für deutlich gravierender, als es zuletzt öffentlich klang. Während Umweltminister Christian Meyer (Bündnis 90/Die Grünen) bei einem Festakt zum 40-jährigen Bestehen des Nationalpark-Hauses Wurster Nordseeküste vor gut zwei Wochen pauschal von „zehn Prozent“ gesprochen habe, stehe die Gemeinde faktisch vor einem wesentlich größeren Verlust an Fangflächen. Hinzu kommen aus der Sicht Sagemühls bisher nicht absehbare Folgen für den Tourismus an der Wurster Küste.

„Wir haben die Rückendeckung der Bevölkerung, dass wir für die Fischer kämpfen sollen“, betont Sagemühl kurz vor der Abreise nach Hannover. „Die Bürger erwarten von uns, dass wir als Gemeinde nicht akzeptieren, dass bei uns rund 50 Prozent der Fanggebiete entfallen – das ist für unsere Fischer dramatisch.“

Hoffnung auf das parlamentarische Verfahren

Ob es auf Landesebene noch Spielraum für Änderungen gibt, beurteilt der Bürgermeister zurückhaltend. Zwar sei aus Gesprächen zu hören, dass man das Thema noch einmal aufgreifen wolle; große Erwartungen habe er jedoch nicht. In einem persönlichen Gespräch am Rande der Jubiläumsfeierlichkeiten für das Nationalpark-Haus in Dorum-Neufeld habe der Minister lediglich geringfügige Veränderungen in Aussicht gestellt – insbesondere dort, wo besondere Härten für die Fischerei entstünden.

Diese küstennahen Fangverbotszonen hat das Land in einer vor gut zwei Wochen veröffentlichten Karte vorgeschlagen. Die Wurster Nordseeküste wäre danach - insbesondere mit ihren Tidehäfen in Dorum-Neufeld und Spieka-Neufeld - besonders betroffen.

Sagemühl verweist darauf, dass es sich bislang um einen Verwaltungsvorschlag handele, auf den das parlamentarische Verfahren folge. Dann seien die Landtagsabgeordneten gefordert, eine „vernünftige Lösung“ für Fischerei und Bevölkerung zu erreichen. „Wenn der Landtag nicht einschreitet und den Ministerien zu verstehen gibt, dass das so nicht geht, dann hätte ich dafür kein Verständnis mehr“, so Sagemühl.

Zur fachlichen Einordnung des Verbots der Küstenfischerei mit Schleppnetzen in bestimmten Bereichen stützt sich der Bürgermeister auf ein Gutachten des Thünen-Instituts für Seefischerei, das 2023 im Rahmen des vierjährigen Forschungsprojekts CRANIMPACT veröffentlicht wurde. Demnach habe die bodenberührende Krabbenfischerei im Wattenmeer zwar einen messbaren, jedoch vergleichsweise geringen Einfluss auf Meeresboden und Artgemeinschaften.

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05.09., 04:12 Uhr