Rücktrittswelle im neuen Ü60-Beirat von St. Peter-Ording nach internen Konflikten
Nach schweren Vorwürfen über respektloses Verhalten sind drei von sieben Mitgliedern des neu gewählten Ü60-Beirats in St. Peter-Ording zurückgetreten. Trotz des Konflikts soll das Gremium in reduzierter Besetzung weiterarbeiten.
Ein bisschen weniger Drama täte dem Beirat im Norden ganz gut.
— Rocky, Chefkolumnist
Illustration: KI-generiert
Drei der sieben neu gewählten Mitglieder des Ü60-Beirates in St. Peter-Ording haben ihre Ämter niedergelegt. Als Gründe für diesen Schritt nennen die zurückgetretenen Frauen fehlenden Respekt und ein toxisches Verhalten innerhalb des Gremiums. Trotz der Rücktritte soll die Arbeit des Beirates in reduzierter Stärke fortgesetzt werden. In St. Peter-Ording haben die Interessen der Senioren ein enormes Gewicht, da mehr als 40 Prozent der 3800 Einwohner des Nordseeortes über 60 Jahre alt sind. Der Ü60-Beirat ist seit 2020 als feste Größe in der Kommunalpolitik installiert. „Unser Anliegen ist nicht die Kritik, sondern die konstruktive Mitgestaltung. Wir entwickeln Ideen, regen Lösungen an und unterstützen Projekte – gemeinsam mit Politik, Verwaltung, Vereinen und Bürgerinnen und Bürgern. Wir verstehen uns als Brücke zwischen den Generationen“, heißt es auf der Homepage des Beirates. Doch diese Brücke ist beschädigt. Nach der Neuwahl Ende April und der konstituierenden Sitzung am 7. Mai traten Vorsitzende Ingrid Brill, Beisitzerin Gerda Pappert und Schriftführerin Margret Burtard zurück. „Bereits bei der konstituierenden Sitzung erlebten wir fehlenden Respekt, undemokratisches Verhalten und grenzüberschreitendes Auftreten insbesondere eines Einzelnen sowie Ignoranz gegenüber unseren sachlichen Argumenten und der Satzung des Ü60-Beirates“, erklärte Pappert auf der jüngsten Sitzung der Gemeindevertretung. Auslöser des Konflikts war auch eine Anzeige in einer regionalen Publikation, in der sich der Beirat für das Vertrauen der Wähler bedanken und die Schwerpunkte seiner Arbeit definieren wollte. „Wir haben diese Anzeige deutlich abgelehnt“, betonte Ex-Vorsitzende Brill. Die Anzeige wurde dennoch veröffentlicht, unterzeichnet nur von den Beiratsmitgliedern Rudolf Apeldorn, Hans Halket Kraus sowie Thomas Paßvogel. „Da sich dieses toxisch männlich geprägte Verhalten, das uns massiv belastet hat, trotz Gesprächen und Bemühungen um eine konstruktive Zusammenarbeit nicht verändern ließ, ist die Beendigung des uns übertragenen Ehrenamtes eine notwendige Entscheidung“, erklärte Brill, wie die shz berichtet. Dies sei auch ein Schritt im Sinne des Eigenschutzes gewesen. „Mit unserem sozialen Engagement werden wir aber weitermachen“, betonte Brill.
Reaktionen auf die Vorwürfe
„Ich bin von den Vorwürfen entsetzt“, sagte Paßvogel auf Nachfrage. „Respektlosigkeit habe ich nie empfunden.“ Allerdings könnten einige Dinge von den drei zurückgetretenen Frauen „als schwierig verstanden worden sein“, räumte er ein. So sei es in einer langen Diskussion um den Umgang mit dem Gendern gegangen. Zudem seien Schärfe und Umfang von Mails an die Verwaltung kontrovers bewertet worden, und bei der Anzeige seien auch „Fehler passiert“. Stellvertretender Beiratsvorsitzender Kraus erklärte: „Ich habe ihnen in einem persönlichen Gespräch gesagt, dass es uns maximal leidtut“ und fügte hinzu: „Wir haben uns entschuldigt für fehlgeleitete Kommunikation.“ Mit dem Begriff toxisch könne er nichts anfangen. „Ich glaube, wir hätten noch einen Kompromiss gefunden, der im Sinne des Ortes gewesen wäre.“ Brill sah dies wiederum als „Kausalitätsumkehr“.
Rechtliche Situation und Ausblick
Rechtlich kann der Ü60-Beirat in der reduzierten Stärke weiterarbeiten. Mit Gisbert Raulf und Nachrückerin Margret Mai-Jeute verbleiben fünf Mitglieder im Gremium. „Wir haben es bei der Kommunalaufsicht abklären lassen, man kann so weitermachen“, sagte Bürgermeister Boris Pfau. Am Montag, 20. Juli, soll in einer öffentlichen Beiratssitzung der Vorsitz neu gewählt werden. Kraus ist sich bewusst, dass es „ein ganz schlechter Start“ für den neuen Beirat ist. Der Vertrauensverlust ist hoch, zumal das Verhältnis zu den Gemeindevertretern und der Verwaltung angespannt ist. Irritationen gibt es, weil einzelne Beiratsmitglieder zahlreiche Anfragen als Bürger einreichen, dann aber in Sitzungen als Ü60-Beiratssprecher auftreten. „Wir müssen aus dem Misstrauen rauskommen“, sagte Paßvogel.
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