Konzerte auf dem Friedhof in Melle-Wellingholzhausen etabliert
Mit Live-Musik und neuen Konzepten möchte eine Kirchengemeinde in Melle-Wellingholzhausen den Friedhof beleben. Die Veranstaltungen sollen helfen, Berührungsängste abzubauen und den Ort langfristig finanziell zu erhalten.
Der Friedhof in Melle-Wellingholzhausen wird im Sommer zur Konzert-Location, um einen neuen Umgang mit Tod und Trauer zu etablieren. Die Veranstaltungen sollen den Ort attraktiver machen und eine Perspektive für seinen langfristigen Erhalt bieten. Neben der Musik setzt das Friedhofsteam auf weitere moderne Angebote, um auf die veränderte Bestattungskultur zu reagieren. Die Idee zu den Friedhofskonzerten hatte Pfarrbeauftragter Michael Göcking. "Tod und Leben gehören zusammen", sagt er. Göcking hat selbst etliche Beerdigungen auf diesem Friedhof abgehalten und auch seine Angehörigen liegen hier. Es geht ihm darum, mit dem Tabuthema Trauer und Tod zu brechen und Trauernden wieder einen Weg ins Leben aufzuzeigen. Wie die Tagesschau berichtet, schwingt bei den Konzerten Folk-Musik über die Gräber, während eine kleine Combo mit Gitarren mitten auf dem Friedhof spielt. Die rund 100 Zuhörer sitzen auf mitgebrachten Klappstühlen, Campinghockern oder Decken, wippen mit den Füßen und singen ab und zu mit. Die meisten von ihnen kommen aus dem Ort.
Positive Resonanz in der Gemeinde
"Ich finde diesen Ort besonders", sagt eine der Besucherinnen. "Dass hier die Gemeinde zusammenkommt, dass auch die Verstorbenen hier liegen. Mein Bruder, an den ich mich erinnere. Das geht ans Herz." Auch andere Gäste schätzen das Angebot. "Es muss ja nicht immer ruhig und traurig auf dem Friedhof sein. Ich finde das eine tolle Idee", sagt eine weitere Zuhörerin. Eintritt kosten die Konzerte nicht, die Band wird von den Spenden der Besucher bezahlt.
Herausforderungen durch veränderte Bestattungskultur
Dem Initiator geht es auch darum, den Ort mitten im Dorf wieder attraktiver zu machen und moderner zu gestalten, da sich die Bestattungskultur verändert hat. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa wünscht sich nur noch ein Viertel der Menschen eine Bestattung mit einer klassischen Urnen- oder Sarggrabstätte auf einem Friedhof. Auf dem Friedhof in Wellingholzhausen gibt es aktuell gut 100 freie Gräber, was für die katholische Kirche als Träger auch ein finanzielles Problem darstellt. Um den Friedhof langfristig zu erhalten, hat das Friedhofsteam neben den Konzerten weitere Ideen umgesetzt. Es gibt ein regelmäßiges Gesprächsangebot, Ehrenamtliche kümmern sich um einen Teil der Pflege und es besteht die Möglichkeit, sich unter einem Obstbaum beerdigen zu lassen. Die Konzerte haben sich mittlerweile etabliert und sind im Sommer zu einem Treffpunkt geworden. Der Initiator sucht weiter nach neuen Impulsen: "Vielleicht fällt mir oder anderen Leuten etwas ein. Man muss es ja nur machen und ausprobieren", sagt Michael Göcking.
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