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Ehemaliger Fischer steuert Fahrradfähre auf der Flensburger Förde

Nach nur drei Wochen im Ruhestand kehrte ein dänischer Fischer zurück aufs Wasser. Heute verbindet er als Kapitän einer Fahrradfähre Deutschland und Dänemark.

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Drei Wochen ohne Meer? Da kriegt ja selbst der stärkste Hering einen Drehwurm. — Rocky, Chefkolumnist
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Ein dänischer Fischer hat seinen Ruhestand nach nur 21 Tagen beendet, um wieder zur See zu fahren. Heute steuert er eine Fahrradfähre auf der Flensburger Förde und verbindet dänische und deutsche Nachbarn. Das Projekt wird von einem dänisch-deutschen Verein getragen und erfreut sich großer Beliebtheit.
Drei Wochen hält Palle Heinrich es in seinem Ruhestand aus. „Dann war Schluss mit Nichtstun. Drei Wochen ohne Meer – das hält man im Kopf einfach nicht aus“, sagt der 61-jährige Däne. Er braucht wieder Wind um die Nase und ein Steuerrad in der Hand. 35 Jahre lang ist er zur See gefahren – als Fischer. „Die Schnauze voll vom Bootfahren? Das bekommt man doch nie!“, sagt er. Heinrich zückt sein Smartphone und scrollt durch eine endlose Galerie von Fotos. „Plötzlich hast du einen genialen Sonnenuntergang, Vögel im Nebel oder eine völlig spiegelglatte See. Hier passiert einfach immer was“, sagt er.
Doch Heinrich fährt kein Fischerboot mehr, sondern die Fahrradfähre, die in den Sommermonaten über die Flensburger Förde pendelt und die dänische Region um Brunsnæs mit Langballigau auf der deutschen Seite verbindet. Während er zwischen Deutschland und Dänemark hin und herfährt, hat er nicht nur ein Auge auf die ganzen Sportboote, denen er oft begegnet, sondern immer auch einen Blick für die Natur, den die Passagiere oft gar nicht mitkriegen. „Ich sitze hier oben und habe den perfekten Überblick über die Förde. Ich sehe die Schweinswale lange vor allen anderen“, sagt er. Und: „Die Schwäne in Langballigau haben gerade sieben Küken. Ich beobachte sie jeden Tag.“

Historische Verbindung neu belebt

Dass Heinrich schon in der achten Saison hier am Steuer steht, hat er einem dänisch-deutschen Verein und dessen Vorsitzendem Gerhard Jacobsen zu verdanken, wie die shz berichtet. Für Jacobsen ist die Fähre kein reines Touristending, sondern die Wiederbelebung einer jahrhundertealten Verbindung. „Schon im Mittelalter segelten drei Fähren zwischen Brunsnæs und Holnis. Das war damals eine echte ‚Europa-Straße‘ für alle, die von Kopenhagen nach Kontinentaleuropa wollten“, sagt er. Bei seinen Recherchen stieß er sogar auf eine Preisliste von 1673: „Damals kostete die Überfahrt drei Schillinge für einen Bauern und seine Kuh.“ Heute sind es rund 17 Euro für einen Passagier und seinen Drahtesel.
Als vor rund 25 Jahren die legendären Butterfahrten eingestellt werden, bricht diese Verbindung komplett weg. Wer seither rübermachen will, muss rund 50 bis 60 Kilometer um die ganze Förde herumfahren – obwohl die Luftlinie über das Wasser an der engsten Stelle gerade einmal 1,8 Kilometer beträgt. „Ich fand es einfach ein Unding, dass wir es auf dieser Förde nicht schaffen, eine Fähre zu etablieren“, erzählt Jacobsen. „Ich bin als Kind des Grenzlandes mit zwei Kulturen aufgewachsen. Für mich sind die Bürger drüben in Deutschland genauso meine Nachbarn wie der Nachbar um meine eigene Ecke“, sagt er. Also gründet er den Verein „Cykelfærgens Venner“ (Freunde der Fahrradfähre). Nach einem langen Kampf mit den Behörden ist 2019 endlich alles geklärt. Es fehlten nur noch ein Kapitän und ein Boot. Der Hafenmeister von Sønderborg bringt Heinrich ins Spiel, der wiederum hat Kontakte zu Bootsbesitzern. „Und seitdem läuft es“, freut sich Jacobsen.

Strenge Regeln auf der Thjalfe

Eine Fahrt auf der Thjalfe ist eine ziemlich persönliche Angelegenheit. Das liegt auch an einer strengen seefahrtsrechtlichen Grenze: Maximal zwölf Passagiere und zwölf Fahrräder dürfen gleichzeitig an Bord. „Ab dem 13. Passagier gilt das Boot rechtlich als internationales Passagierschiff“, erklärt Heinrich die Bürokratie. „Das würde uns in die strengen Sicherheitskontrollen zwingen. Wir müssten Einlassstationen wie am Flughafen an den kleinen Stegen bauen und Personal eine Stunde vor Abfahrt dort postieren.“ Also bleibt der Verein lieber bei den zwölf Gästen.
Dem Erfolg tut das keinen Abbruch. Letztes Jahr reiste die Rekordzahl von 7600 Gästen aus über 40 Nationen mit der Thjalfe. Etwa 85 Prozent davon waren deutsche Radurlauber, die eine Tagestour um die Förde machen. Möglich macht das Ganze das Team im Hintergrund: Rund 40 aktive Ehrenamtliche engagieren sich im Verein. Etwa 25 davon begleiten die Fahrten abwechselnd als Assistenten an Bord, packen beim Verladen der Räder mit an, kochen Kaffee, schenken kühle Getränke aus und schnacken mit den Gästen über die Geschichte der Region. Weitere 15 Helfer kümmern sich an Land um Website und soziale Medien.
Kapitän Heinrich, der in der Saison von morgens bis abends fährt, ist fest angestellt. Der Betrieb schreibt dank der Vereinsunterstützung und Sponsoren schwarze Zahlen. „Sonst wäre ich ja auch gar nicht hier“, sagt der Kapitän. Die Stimmung an Bord ist meist entspannt. „Die Leute haben alle Urlaub oder Freizeit. Das ist alles hochgradig positiv. Gemeckert wird erst wieder, wenn sie zu Hause sind!“, so Heinrich. Und solange ihm die Gesundheit keinen Strich durch die Rechnung macht, will er das Steuer der Fahrradfähre auch nicht hergeben. Spätestens, wenn die Thjalfe nach einer Überfahrt im dänischen Brunsnæs anlegt, weiß jeder an Bord: Diese Fähre verbindet nicht nur zwei Ufer – sie bringt Menschen zusammen.

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