Ostholstein erwartet deutlichen Anstieg an Pflegebedürftigen bis 2040
Ein neuer Abschlussbericht zur Pflegebedarfsplanung prognostiziert für den Kreis Ostholstein einen Zuwachs an Pflegebedürftigen um 16 Prozent. Um dem drohenden Personalmangel und demografischen Wandel zu begegnen, hat der Kreistag bereits erste Maßnahmen beschlossen.
Ostholstein gilt bereits jetzt als der Kreis mit den meisten Senioren in Schleswig-Holstein, wie die shz berichtet. Der nun veröffentlichte Abschlussbericht zur Pflegebedarfsplanung verdeutlicht die künftigen Probleme. Demnach wird bis 2040 ein Zuwachs von etwa 1910 pflegebedürftigen Personen erwartet. Ursache hierfür ist der demografische Wandel: Während die Gesamtbevölkerung im Kreis bis 2040 voraussichtlich leicht um rund 0,8 Prozent (etwa 1710 Personen) zurückgeht, steigt die Zahl der Menschen im pflegerelevanten Alter ab 65 Jahren um rund 18 Prozent (etwa 9670 Personen).
Steigender Personalbedarf in der Pflege
Mit dem Anstieg der Pflegebedürftigen wächst auch der Bedarf an pflegerischer Versorgung und Personal. Allein im stationären Bereich werden bis 2040 voraussichtlich rund 190 zusätzliche Pflegefach- sowie etwa 110 zusätzliche -hilfskräfte benötigt. Der Bericht, der auf Basis von Bestandsanalysen sowie Bevölkerungs- und Pflegebedarfsprognosen für den gesamten Kreis und alle kreisangehörigen Kommunen erstellt wurde, weist zudem auf eine weitere Erschwerung hin: „Gleichzeitig wird das Potenzial der informellen Pflege durch Angehörige leicht zurückgehen“, heißt es in der Auswertung. Als Ergebnis wurde die Notwendigkeit erkannt, „die pflegerischen Versorgungsstrukturen frühzeitig weiterzuentwickeln sowie pflegende Angehörige und ehrenamtliche Unterstützungsangebote gezielt zu stärken“.Der Bericht wurde seit Oktober 2025 in Zusammenarbeit zwischen dem Fachdienst Soziale Hilfen und dem Beratungsinstitut ALP aus Hamburg erarbeitet. Die darin enthaltenen Handlungsempfehlungen und Maßnahmen hat der Kreistag in seiner jüngsten Sitzung bereits beschlossen. „Mit dem Beschluss liegt nun eine fundierte und zukunftsorientierte Planungsgrundlage vor, um den Herausforderungen des demografischen Wandels frühzeitig zu begegnen und die pflegerische Versorgung der Bürger in Ostholstein langfristig bedarfsgerecht sicherzustellen“, konstatierte Landrat Timo Gaarz.
Zentrale Handlungsfelder und zweistufige Umsetzung
Der Kreis kündigte an, die Pflegebedarfsplanung künftig regelmäßig fortzuschreiben und an aktuelle Entwicklungen anzupassen. Der Abschlussbericht benennt hierfür zentrale Handlungsfelder wie die Weiterentwicklung der Pflegeinfrastruktur, die Fachkräftesicherung einschließlich der Aus-, Fort- und Weiterbildung sowie die Stärkung der informellen Pflege, des gesellschaftlichen Engagements und des Ehrenamtes. Auch der Ausbau von Betreuungsangeboten und Netzwerkstrukturen sowie die Förderung altersgerechter Wohnformen und einer zukunftsorientierten Quartiersentwicklung gehören dazu.Für die Umsetzung wird ein zweistufiger Ansatz verfolgt. Zunächst sollen kurzfristig realisierbare und kostenneutrale Maßnahmen umgesetzt werden. „Hierzu gehört insbesondere die Stärkung von Vernetzung und Kooperation beteiligter Akteure“, hieß es. Weitere mittel- und langfristige Vorhaben sollen – abhängig von der Einwerbung geeigneter Fördermittel oder einer Verbesserung der finanziellen Handlungsspielräume – gemeinsam mit den Kommunen, Leistungserbringern, Verbänden und weiteren Beteiligten schrittweise umgesetzt werden. Sogenannte Maßnahmensteckbriefe und Kommunalprofile sollen Ostholsteins Städten und Gemeinden „eine praxisnahe Orientierung für die Weiterentwicklung ihrer örtlichen Pflege- und Unterstützungsangebote“ bieten. Der Abschlussbericht und weitere Informationen sind auf der Internetseite des Kreises Ostholstein zu finden.