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Bodenfunde belegen deutlich frühere Besiedlung von Eutin

Neue archäologische Ausgrabungen zeigen, dass das Stadtgebiet von Eutin fast 1000 Jahre älter ist als bisher angenommen. Die gefundenen Tonscherben und Werkzeuge stammen aus der Eisenzeit.

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Eutin ist also noch älter. Macht den Kohl hier oben auch nicht fett. — Rocky, Chefkolumnist
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Die Geschichte der Stadt Eutin muss nach der Auswertung neuer Bodenfunde grundlegend revidiert werden. Archäologen entdeckten bei Ausgrabungen im vergangenen Frühjahr Belege dafür, dass das Stadtgebiet fast 1000 Jahre älter ist als bislang angenommen. Die Funde weisen auf eine Besiedlung hin, die bis in die Eisenzeit und möglicherweise sogar in die Bronzezeit zurückreicht.
Bislang ging die Wissenschaft davon aus, dass die Geschichte der heutigen Kreisstadt mit den eingewanderten Slawen vom Stamm der Abodriten im 7./8. Jahrhundert nach Christus begann, die beispielsweise eine Burg auf der Fasaneninsel im Großen Eutiner See errichteten. Die neuen Entdeckungen am Stadtrand widerlegen dies jedoch. „Die Besiedlung des Stadtbereichs von Eutin ist fast 1000 Jahre älter als bislang gedacht“, sagt Dezernent des Archäologischen Landesamts Schleswig-Holstein für die Kreise Herzogtum Lauenburg, Ostholstein, Segeberg, Stormarn und die Stadt Neumünster Christoph Unglaub, wie die shz berichtet. Einige der Funde könnten sogar in die Bronzezeit deuten, so Unglaub.

Keramikscherben und Öfen aus der Eisenzeit

Die Entdeckungen wurden auf landwirtschaftlichen Ackerflächen hinter den Bahngleisen an der Röntgenstraße/Albert-Einstein-Straße gemacht, wo der „Unternehmenspark Holsteinische Schweiz“ nahe der B76 erweitert werden soll. Bei den Voruntersuchungen stießen die Archäologen auf insgesamt 83 Keramikscherben von verschiedenen Tongefäßen sowie den Abschlag einer Feuersteinknolle. „Die Funde datieren in die Eisenzeit“, sagt Unglaub. Der monetäre Wert sei nicht bezifferbar, der wissenschaftliche und kulturelle Wert jedoch hoch. Unglaub betont: „Vielmehr zählt hier, dass das kulturelle Erbe geschützt und sichergestellt wird, wie es auch im öffentlichen Interesse liegt.“
Die Untersuchungen lieferten Einblicke in das Leben vor rund 2000 Jahren. Die damalige Siedlung, die in den ersten Jahrhunderten vor Christi Geburt bestand, lässt sich nun in ihrer Lage und Ausdehnung gut eingrenzen. Damals lebten die Menschen in Weilern, also kleinen Dörfern aus wenigen Höfen. „Die Forschung geht von einigen wenigen bis etwa zehn Gehöften/Häusern als Größenordnung aus“, erklärt der Wissenschaftler. Bei einer Belegung von sechs bis acht Personen pro Haus ergäbe dies schätzungsweise 12 bis 40 Einwohner bei kleineren und bis zu 80 Einwohner bei größeren Weilern. „Die Spanne ist groß, weil zum Beispiel bei einer Ausgrabung nicht klar gesagt werden kann, ob alle Häuser gleichzeitig bewohnt waren“, schränkt Unglaub ein. Faktoren wie Abriss, Neubau oder die Dichte des Bebauungssystems beeinflussen diese Schätzungen. Zahlreiche gefundene Öfen belegen zudem, dass vor Ort Brot gebacken, Eisen bearbeitet und Keramik hergestellt wurde. „Somit können die Eutiner stolz auf eine sehr lange Geschichte zurückblicken“, freute sich Unglaub.

Verbleib der Funde und weitere Grabungen

Die gereinigten, katalogisierten und dokumentierten Fundstücke wurden in das zentrale Magazin nach Schloss Gottorf in Schleswig gebracht. Ob sie jemals in Eutin ausgestellt werden, ist unklar. „Bisher liegt uns keine Anfrage zur Ausleihe von Fundobjekten vor“, sagte Unglaub. Museale Einrichtungen, die eine sichere Bewahrung garantieren, könnten eine solche Anfrage jedoch stellen.
Die archäologische Spurensuche in Eutins Vergangenheit ist noch nicht abgeschlossen. Ab Oktober sollen weitere Grabungen in einem kleineren Areal beginnen, um mögliche noch ältere Befunde zu untersuchen. Diese Maßnahmen seien notwendig, „um die vorgefundenen archäologischen Bereiche zu dokumentieren, bevor sie durch die Bauarbeiten für immer zerstört werden“, so Unglaub. Die Funde in Eutin sind allerdings nicht die ältesten Spuren in Ostholstein. Bereits 2003 wurden bei Grube steinzeitliche Relikte wie Flintgeräte und Tierknochen entdeckt, ähnliche Funde gab es auf dem Ostseegrund vor Neustadt. Zudem erbrachte eine 5000 Jahre alte Feuerstelle bei Rosenfelde bereits vor über 20 Jahren Belege für eine frühe Besiedlung der Region durch Jäger und Sammler.

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