Einsatz am Golf: Wie die Zeit in Abu Dhabi einen norddeutschen Feuerwehrmann prägte
Der Bredstedter Feuerwehrmann Tore Schlichting blickt auf seine prägenden Auslandseinsätze in den Vereinigten Arabischen Emiraten zurück. Seine Erlebnisse zwischen Rettung und Verlust hat er nun in einer Autobiografie verarbeitet.
Ein Auslandseinsatz in Abu Dhabi wurde für einen nordfriesischen Feuerwehrmann zum prägenden Wendepunkt seines Lebens. In den Vereinigten Arabischen Emiraten musste er folgenschwere Entscheidungen treffen, die über Leben und Tod entschieden. Seine dramatischen Erlebnisse hat er nun in einer Autobiografie verarbeitet. Es war reiner Zufall, dass Feuerwehrmann Tore Schlichting aus Bredstedt auf seiner Heimatwache in Hamburg in einer Fachzeitschrift namens „Löschblatt“ von einem deutschen Feuerwehrmann las, der in Abu Dhabi eine Brandbekämpfungseinheit nach westlichen Standards aufbaute. Der damals 27-Jährige bewarb sich für das Programm und reiste im Sommer 2009 in die Vereinigten Arabischen Emirate, wie die shz berichtet. Dort vermittelte er zusammen mit 130 Feuerwehrkräften aus Deutschland und der Türkei sein Wissen an die Civil Defence, die Feuerwehr der Emirate.
Dramatische Rettung am Hochhaus
„Ich hatte da eine richtig tolle Mannschaft“, berichtet Schlichting lächelnd über seinen damaligen Löschzug. Bei einem Einsatz brannte der Keller eines im Bau befindlichen Hochhauses, und eine pechschwarze Rauchsäule versperrte das Treppenhaus. Da zu wenig Wasser zum Löschen vorhanden war, leitete das Team den Rauch mit einem Überdruckbelüfter durch die unteren Fenster ab. Mit einer Drehleiter retteten die Einsatzkräfte so über hundert Menschen nacheinander aus dem elften Obergeschoss.
Eine Entscheidung über Leben und Tod
Nicht alle Einsätze verliefen glimpflich. Bei einem Brand an einem anderen Hochhaus sprangen bereits Menschen aus den unteren Stockwerken. „Das hat überall gebrannt“, berichtet der 44-Jährige. Während auf der Ostseite zwei Personen auf einem verrauchten Balkon gefangen waren, standen auf der Westseite etwa 80 Menschen auf den Balkonen. Schlichting musste entscheiden, auf welcher Seite der Löschzug in Stellung gehen sollte. Er wählte die Westseite. Auf die Funkfrage eines Kollegen „Was ist mit den anderen beiden?“ antwortete Schlichting: „Die sterben“. Der Feuerwehrmann erinnert sich: „Das hat mich schon mitgenommen. Aber es war die richtige Entscheidung.“
Rückkehr in die Heimat und neue Pläne
Die Zeit am Golf veränderte ihn nachhaltig. „Die Zeit in Abu Dhabi hat mich geprägt. Ich bin abgeklärter, professioneller geworden“, bekundet Schlichting heute. Nach seiner Rückkehr nach Hamburg im Jahr 2011 zog es ihn drei Jahre später zurück nach Nordfriesland. Er arbeitete sechs Jahre bei der Berufsfeuerwehr Flensburg. „Ich liege nach der Nachtschicht so gerne am Deich und döse ein bisschen“, erklärt er lächelnd. Heute arbeitet er in Berlin, pendelt aber regelmäßig nach Bredstedt. „Durch den Beruf weiß ich, wie schnell es vorbei sein kann“, so der 44-Jährige.In der Zukunft zieht es ihn wieder in die Ferne, möglicherweise nach Australien zur Bekämpfung von Waldbränden: „Ich weiß, ich werde wieder ins Ausland gehen. Das wäre eine mega Herausforderung für mich.“ Seine Erlebnisse hat er in dem 300-seitigen Buch „Der Rauch der Vergangenheit“ niedergeschrieben, das im April 2026 erscheint. „Dann waren das am Ende 300 Seiten“, berichtet der Feuerwehrmann über den Schreibprozess.
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