Badeverbot in der Elbe: Warum in Wedel schon in den Sechzigern das Schwimmen untersagt war
Ein Blick in das Wedeler Stadtarchiv zeigt, dass das Badeverbot in der Elbe eine lange Geschichte hat. In den 1960er-Jahren war jedoch nicht die Strömung der Hauptgrund für das Verbot, sondern die starke Verschmutzung des Wassers.
Das Baden in der Elbe bei Wedel ist bereits seit Jahrzehnten untersagt. Während heute vor allem Strömungen und der Schiffsverkehr als Gründe genannt werden, zeigt ein Blick in das Stadtarchiv, dass in den Sechzigerjahren die starke Wasserverschmutzung ausschlaggebend für das Verbot war. Dennoch ignorierten damals wie heute viele Menschen die Warnungen. Heute gilt das Schwimmen in der Elbe wegen der Nähe zur Fahrrinne der Containerschiffe und starker Strömungen als lebensgefährlich. Wie die shz berichtet, gab es damals wie heute immer wieder Badetote. Ein Blick in das Wedeler Stadtarchiv offenbart jedoch, dass die ursprüngliche Argumentation für das Verbot eine andere war.
Vom Strandbad zum reinen Liegeplatz
Der von vielen Wedelern genutzte Ort war in den Sechzigerjahren eigentlich nur ein sandiger Liegeplatz mit einem Grüngelände und Spielgeräten. Nach der Zerstörung dieses Uferteils durch die Sturmflut 1962 erwarb die Stadt Wedel das Gelände von der Bundesvermögensverwaltung. Bis 1965 sollte das Areal wieder den Charakter einer öffentlichen Einrichtung erhalten. Geplant waren eine Umfriedung, der Wiederaufbau der Strandbadgaststätte sowie sanitäre Anlagen. Eine Bademöglichkeit stand jedoch nicht zur Debatte.
Bakterien und historische Verbote
Bereits seit 1927 ist das Baden am Elbe-Nordufer unterhalb von Hamburg-Altona bis zur Einmündung der Wedeler Aue durch einen Regierungserlass verboten. Grund dafür war die zunehmende Stromverschmutzung durch Abwässer aus dem Hamburger Industrieraum. Regelmäßige Wasseranalysen des Kieler Hygienischen Instituts bestätigten die Belastung. Ein damaliges Untersuchungsergebnis wies eine hohe Konzentration von Kolibakterien nach, weshalb das Wasser als „Keimträger erster Güte“ bezeichnet wurde. Die Pinneberger Kreisgesundheitsbehörde untersagte daraufhin erneut jegliche Badeerlaubnis.
Ignorierte Warnungen und zerstörte Schilder
Trotz der Gesundheitsgefahren wurde das Badeverbot von vielen Menschen ignoriert. Da damals in Wedel noch kein Freibad existierte, wichen manche Badelustige auf Bäder in Sülldorf oder Pinneberg aus. Viele sprangen dennoch in die Elbe. Im Jahr 1964 mussten neue Verbotsschilder aufgestellt werden, nachdem im Vorjahr unbekannte Täter die Schilder am Strandbad umgerissen hatten. Ob dies aus Übermut oder aus Unwillen gegen die städtische Anordnung geschah, blieb ungeklärt.
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