Übernachtungstrend an den Küsten: Zehn Jahre Schlafstrandkörbe im Norden
Das Schlafen im Strandkorb direkt am Meer erfreut sich an Nord- und Ostsee großer Beliebtheit. Doch die Enge auf den Stränden bringt auch ungeahnte Nebengeräusche mit sich.
Sterne gucken ist ja nett, aber das Schnarchen vom Nachbarkorb brauche ich nicht.
— Rocky, Chefkolumnist
Illustration: KI-generiert
Zehn Jahre nach der Aufstellung der ersten Schlafstrandkörbe an der Ostsee hat sich das Übernachten am Strand zu einem echten Trend entwickelt. Sowohl an der Nord- als auch an der Ostsee erfreuen sich die besonderen Unterkünfte großer Beliebtheit und verzeichnen hohe Buchungszahlen. Allerdings bringt die enge Platzierung der Körbe an manchen Orten auch Nachteile wie eine eingeschränkte Privatsphäre mit sich. NDR Schleswig-Holstein Redakteurin Andrea Schmidt beschreibt eines ihrer Erlebnisse im Schlafstrandkorb: „Abends mit ''ner Flasche Wein den Sonnenuntergang genießen, dann das Dach runtermachen und einkuscheln in die Decken - (...) herrlich ist das“. Sie übernachtete bereits in Kellenhusen im Kreis Ostholstein sowie in Eckernförde im Kreis Rendsburg-Eckernförde. Ein Schlafstrandkorb ist 1,40 Meter breit und 2,30 Meter lang und für zwei Personen ausgelegt. Die einzelnen Betreiber gewährleisten laut der TA.SH den Zugang zu Sanitäranlagen, zudem können Gäste oft ein Frühstück oder einen Picknickkorb hinzubuchen.
Hohe Nachfrage und komfortable Ausstattung
Die Unterkünfte sind im Norden sehr gefragt. Ein Sprecher des Tourismus Service Grömitz im Kreis Ostholstein teilte mit: „Pro Strandkorb werden durchschnittlich rund 70 bis 80 Übernachtungen pro Saison gebucht“. In Grömitz bieten vier Betriebe diese Übernachtungen an, wo eine Nacht ohne Bettwäsche um die 80 Euro und mit Bettwäsche um die 100 Euro kostet. Die meisten Schlafstrandkörbe stehen laut der TA.SH an der Ostseeküste, wie die Tagesschau berichtet. Genaue Zahlen für das ganze Land liegen der TA.SH jedoch nicht vor, da keine Anmeldepflicht für die Anbieter besteht. An der Ostsee gibt es die Körbe unter anderem in Lübeck-Travemünde, Scharbeutz, Haffkrug, Sierksdorf, Grömitz, Kellenhusen, Weissenhäuser Strand, Heikendorf, Kiel-Friedrichsort, Eckernförde, Gelting und Glücksburg-Holnis. An der Nordsee sind sie in Husum, Föhr, Büsum, Glückstand und Helgoland zu finden.
Entstehung durch eine Image-Initiative
Die ersten Schlafstrandkörbe wurden vor zehn Jahren an der Ostseeküste im Rahmen einer Image-Initiative der TA.SH aufgestellt, um den klassischen Strandkorb neu zu interpretieren. Gefertigt wurden diese ersten Schlafstrandkörbe im Norden laut der TA.SH von Menschen mit Behinderung, die bei der „Stiftung Mensch“ beschäftigt sind.
Nähe zum Nachbarn als Störfaktor
Aufgrund der hohen Nachfrage werden die Körbe mancherorts sehr dicht nebeneinander aufgestellt. Andrea Schmidt erlebte an einem Ort pfünf Schlafstrandkörbe relativ dicht beieinander. „Das war wie so ein kleines Dorf. Und wir haben dann tatsächlich das laute Schnarchen von nebenan gehört“, berichtet sie. Die Schleswig-Holsteinerin findet dies ein wenig schade: „Das eigentlich Tolle an dieser Übernachtung - die Ruhe und das Naturfeeling - gehen da etwas verloren.“ Dennoch würde sie ein solches Schlaferlebnis erneut buchen. „Ich würde nächstes Mal drauf achten, dass der Schlafstrandkorb alleine da steht“, so ihre Empfehlung. „Und dann das Dach einfach offen lassen und die Sterne sehen. Das ist Genuss pur!“
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