Übernachtungsrekord in Niedersachsen: Campingurlaub verzeichnet starken Zuwachs
Niedersachsen verzeichnet einen historischen Höchstwert bei den Camping-Übernachtungen. Neben dem Klimawandel treibt auch der Trend zum komfortablen „Glamping“ die Urlauber auf die Plätze.
Glamping? Früher hieß Luxus beim Campen, wenn das Zelt trocken blieb.
— Rocky, Chefkolumnist
Illustration: KI-generiert
Der Campingtourismus in Niedersachsen verzeichnet einen historischen Höchststand mit 44,7 Millionen Übernachtungen im Jahr 2025. Dies bedeutet das vierte Rekordjahr in Folge für das Bundesland, wobei insbesondere der Trend zum komfortablen „Glamping“ zunimmt. Ein lokaler Campingplatz in Bodenwerder meldet einen Gästezuwachs von 30 Prozent innerhalb eines Jahres. Vor allem an Wochenenden und Feiertagen platzt der Campingplatz "Rühler Schweiz" in Bodenwerder aus allen Nähten. Damit liegt der Platz voll im niedersächsischen Trend, wie die Tagesschau berichtet. Nie gab es mehr Übernachtungen. Nach Angaben von Gino Egbers gab es im Jahr 2025 in Niedersachsen 44,7 Millionen Camping-Übernachtungen – so viele wie nie. Das merkt auch Campingplatz-Betreiber Lothar Schütte aus Bodenwerder im Landkreis Holzminden. Wenn man einen Tag mit ihm verbringt, kennt man seinen Klingelton irgendwann in- und auswendig. Im Abstand von wenigen Minuten klingelt sein Handy. Meistens sind es Gäste, die einen Platz auf seinem Campingplatz buchen wollen. Aber auch der Elektriker oder der Gärtner rufen an. Per E-Bike oder zu Fuß ist der 70-Jährige auf dem ganzen Gelände zu finden. Er löst dann Probleme oder weist Gäste ein. Von denen kommen jedes Jahr mehr. "30 Prozent Zuwachs allein von 2024 auf 2025", sagt Schütte.
Niedersachsen auf Rekordjagd
In Niedersachsen campen so viele Menschen wie nie. 2025 war laut Statistik das vierte Rekordjahr in Folge. 44,7 Millionen Camping-Übernachtungen bedeuten einen Zuwachs von 4,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr, heißt es vom Tourismusnetzwerk Niedersachsen (TMN). Grund dafür sei unter anderem der Klimawandel. Das geht aus einer aktuellen Analyse von "Pincamp" hervor, einem Buchungsportal des Automobilclubs ADAC. Demnach entscheiden sich zwar nach wie vor die meisten Camperinnen und Camper für einen Campingurlaub in Südeuropa. Weil es dort aber während der Sommermonate immer heißer wird, verlagert sich die Nachfrage zunehmend auf kühlere Regionen wie Deutschland, heißt es in der Studie. Besonders beliebte Orte sind in Niedersachsen laut TMN die klassischen Feriengebiete: Nordseeküste, Harz, Lüneburger Heide und das Weserbergland.
"Glamping" statt Camping
"Nur das Nötigste dabei und in der Natur sein, das war gestern. Heute wollen die Leute Komfort", sagt Lothar Schütte. Schütte meint den Trend "Glamping". Immer häufiger bemerkt er sogenannte "Glamper". Das Kofferwort kommt aus dem Englischen und setzt sich aus "Glamorous" - glamourös - und "Camper" zusammen und meint luxuriöses Campen. Auf dem Campingplatz sieht man sofort, was gemeint ist. Luxuriöse Wohnmobile reihen sich aneinander, teils hört man das Surren der Klimaanlagen aus dem Inneren der Wagen. Antennen und Satelliten-Schüsseln auf dem Dach zeugen von Internet- und Fernsehempfang. Deutschlandweit sei ein Trend hin zum "Glamping" erkennbar, heißt es auch vom TMN.
Camping - eine Frage des Geldes?
Benzin und Kerosinpreise steigen, weite Reisen sind zuletzt teurer geworden. Entscheiden sich deshalb mehr Menschen für den Camping-Urlaub in der Region? Fragt man die Camperinnen und Camper auf dem Campingplatz von Schütte, heißt die Antwort: nein. Den meisten geht es um die Flexibilität. "Ich kann morgen los, und wenn es mir nicht gefällt, fahre ich übermorgen einfach weiter", sagt Camperin Marion Rauch. Zusammen mit ihrem Mann sitzt sie vor ihrem Zelt und trinkt Tee. Das deckt sich mit den Daten des Tourismusverbandes. Demnach geht der Trend in Richtung naturnaher Erlebnisurlaube mit hoher individueller Flexibilität.
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