Sicherheitstipps und Routen für geführte Touren im schleswig-holsteinischen Wattenmeer
Das Wattenmeer an der schleswig-holsteinischen Westküste zieht jährlich zahlreiche Besucher an. Experten geben wichtige Hinweise für sichere Wattwanderungen und stellen besondere Routen vor.
Wer barfuß im Schlick versinkt, spart sich zumindest die teure Moorpackung im Wellness-Hotel.
— Rocky, Chefkolumnist
Illustration: KI-generiert
Das Wattenmeer an der schleswig-holsteinischen Westküste bietet zahlreiche Einstiegspunkte für geführte Wattwanderungen, die von kurzen Schnupperkursen bis zu stundenlangen Touren reichen. Da sich der Meeresboden durch Gezeiten und den Klimawandel ständig verändert, weisen Experten auf wichtige Sicherheitsregeln und die passende Ausrüstung hin. Die Webseite der Schutzstation Wattenmeer bietet hierzu einen umfassenden Überblick über Termine und Ausflugsmöglichkeiten. An der gesamten Westküste von Schleswig-Holstein starten geführte Touren, wie die Tagesschau berichtet. Besonders beliebt sind Wanderungen ab Hörnum, Keitum, Morsum oder Rantum auf Sylt. Auch Amrum und Föhr bieten naturkundliche Führungen sowie Familienwattwanderungen an. Für weite Sandflächen und Touren mit Blick auf den bekannten Leuchtturm ist die Region um St. Peter-Ording und Westerhever bekannt. In Dithmarschen bieten sich Büsum, Büsumer Deichhausen und Friedrichskoog als ideale Startpunkte für Watterkundungen an, während sich in Husum und Simonsberg vor allem das Mischwatt gut erkunden lässt. Anspruchsvolle Wanderungen zu den umliegenden Halligen starten von Nordstrand und Pellworm, und von Dagebüll sowie den Reußenkögen aus beginnen Touren nach Oland oder Nordstrandischmoor.
Veränderungen durch Gezeiten und Klimawandel
Wer das Watt besucht, wird feststellen, dass sich der Meeresboden immer wieder verändert. Dies liegt einerseits am natürlichen Rhythmus der Gezeiten, andererseits stellt der Klimawandel das Ökosystem vor enorme Herausforderungen. Nach Angaben des Nationalparks Wattenmeer verändern der Anstieg des Meeresspiegels und der Temperaturen die Lebensräume von Pflanzen und Tieren nachhaltig. Zudem kann sich die Art des Watts im Laufe der Jahre an einem Ort verändern, beispielsweise wenn sich Priele verlagern oder sich die Strömung verändert und dadurch Sedimente an anderen Stellen abgesetzt werden. So kann aus einem Sandwatt mit der Zeit ein weiches Schlickwatt werden. Das Wattenmeer ist daher auch ein langjähriger Untersuchungsgegenstand des Alfred-Wegener-Instituts.
Besondere Touren im Nationalpark
Eine der anspruchsvollsten Touren, die auch als "Bergtour" bezeichnet wird, führt über etwa zehn Kilometer von Lüttmoorsiel zur Hallig Nordstrandischmoor mitten durch das Herz des Nationalparks. Im tiefen Schlickwatt können Teilnehmende bis zu den Knien einsinken und nach einer Pause die Tier- und Pflanzenwelt der Hallig kennenlernen. Für Menschen, die eine Auszeit vom Alltag suchen, wird ab Dagebüll eine "Wattwanderung in Stille" zur Hallig Oland angeboten, bei der bewusst auf Gespräche und naturkundliche Erklärungen verzichtet wird. Ein besonderer Teil der Geschichte der Nordsee lässt sich ab Nordstrand bei einer anspruchsvollen, fünfstündigen Wanderung zur 1362 untergegangenen Siedlung Rungholt erkunden, für die das Tragen von Surfschuhen, Beachschuhen oder alten Socken empfohlen wird.
Wichtige Sicherheitsregeln und Ausrüstung
Für fast alle Touren wird empfohlen, Tickets im Vorfeld online zu buchen. Experten raten dringend davon ab, jemals allein ohne fachkundige Führung weit hinaus ins Wattenmeer zu gehen. Zudem muss unbedingt der Gezeitenkalender beachtet werden; eine Wanderung sollte nur bei ablaufendem Wasser und niemals bei auflaufender Flut gestartet werden, da das Wasser in Prielen eine enorme Geschwindigkeit entwickeln kann. Kinder dürfen nie unbeaufsichtigt im Watt gelassen werden. Ein weiteres Risiko stellt Seenebel dar, der innerhalb weniger Minuten aufziehen und jede Orientierung rauben kann. Für die Ausrüstung gilt laut Experten, dass im Sommer das Barfußlaufen ideal ist, während bei kühleren Temperaturen oder in schlickigen Gebieten eng sitzende Gummistiefel, Wattsocken oder Neoprenschuhe ratsam sind. Sonnenschutz, wetterfeste Kleidung und ein geladenes Handy sollten ebenfalls mitgeführt werden.
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