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Papierfischchen bedrohen historische Dokumente in Archiven und Museen

In Bremerhaven und Otterndorf kämpfen Archive und Museen gegen den Befall von Papierfischchen. Mit Klebestreifen, Ködern und Quarantänezonen versuchen die Einrichtungen, die historischen Bestände vor den Urzeit-Insekten zu schützen.

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Fischchen im Papier? Also mir sind die echten in der Nordsee ja deutlich lieber. — Rocky, Chefkolumnist
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Mehrere Archive und Museen in der Region Bremerhaven kämpfen gegen den Befall von Papierfischchen, die historische Dokumente bedrohen. Während einige Einrichtungen bereits erfolgreiche Abwehrmaßnahmen etabliert haben, stellt die Bekämpfung der Urzeit-Insekten andere vor finanzielle und bauliche Herausforderungen. Dies geht aus Berichten der betroffenen Institutionen hervor.
Die nur 1 bis 1,5 Zentimeter langen Papierfischchen sehen Silberfischchen zum Verwechseln ähnlich, bevorzugen aber im Gegensatz zu diesen eine trockene Umgebung. Wenn sich die Schädlinge, die es schon seit mehr als 300 Millionen Jahren geben soll, erst einmal eingenistet haben, wird man sie nur schwer wieder los. Sie verstecken sich gerne in der Fassadenisolierung sowie in Ritzen zwischen Wand und Fußboden. Stadtarchivleiterin Dr. Julia Kahleyß klagt über die Situation: „Die sind wirklich schwer zu packen“. Im Stadtarchiv ist das Problem erst seit April 2025 bekannt, wie die Nordsee-Zeitung berichtet. „Eine genaue Untersuchung aller Dokumente ist aufgrund der großen Menge nicht möglich“, bedauert Kahleyß, „wir haben jedoch vereinzelt Fraßschäden an historischen Karten festgestellt, die vermutlich von den Papierfischchen stammen.“

Maßnahmen und finanzielle Grenzen im Stadtarchiv

Um das Stadtarchiv vor einer weiteren Ausbreitung zu schützen, wurden laut Kahleyß Türzargen und Türschwellen mit doppelseitigem Klebeband versehen, an dem die Tierchen hängen bleiben. Zudem wurden die Reinigungsintervalle erhöht, Vorhänge und alte Kartons entfernt, Hohlräume abgedichtet und mit Hilfe eines professionellen Schädlingsbekämpfers im Stadthaus 5 insgesamt 112 und im Stadthaus 1 insgesamt 138 Fraß- und Lockfallen aufgestellt. Weitere Schritte stoßen jedoch an Grenzen. „Die Einrichtung einer Quarantänezone mit Tiefkühleinrichtung (Papierfischchen sind kälteempfindlich und sterben bei Minustemperaturen ab) ist aus finanziellen und Platzgründen nicht möglich“, bedauert Kahleyß. Auch andere diskutierte Maßnahmen wurden abgewogen, erwiesen sich jedoch als ungeeignet. „Das Gebäude ist für einige Maßnahmen (Begasung mit Stickstoff, Einrichtung einer Schleuse, Einrichtung einer Klimaanlage, vollständiges Abdichten) nicht geeignet, und es ist finanziell nicht darstellbar“, so Kahlleyß.

Lage im Kreisarchiv Otterndorf

Im Kreisarchiv in Otterndorf stellt sich das Problem nicht so groß dar wie in Bremerhaven. „Im Moment haben wir es im Griff“, versichert Archivleiterin Julia Kuhnt. Sie weist auf die Risiken bei der Übernahme von Beständen hin: „Es gibt ja Fälle, wo die Archivalien in einer Scheune gelagert waren. Da kann man nie wissen, was auf einen wartet. Aber die Neuzugänge vorsorglich alle einzufrieren, dafür haben wir nicht die Kapazität. Wir bewerten das Archivmaterial ja inhaltlich, und dabei nehmen wir es auch genau in Augenschein.“

Erfolge mit Ködergel im Historischen Museum

Auch das Historische Museum Bremerhaven ist betroffen. „Natürlich gab und gibt es auch in den Magazinen des Historischen Museums Papierfischchen“, bestätigt Museumschef Dr. Kai Kähler. „Wie lange dieser Befall zurück geht, lässt sich heute nicht mehr sagen. Große Teile der Sammlung waren über Jahre provisorisch in Außenlagern wie dem Pulverschuppen im Speckenbütteler Park eingelagert. Das war natürlich ein ideales Habitat für vielerlei Lebewesen.“ Mit dem Umzug in das Neubaumagazin an der Geeste habe sich die Situation grundlegend verbessert. Seitdem seien keine Sammlungsgegenstände mehr durch Schädlingsbefall verlorengegangen oder nachhaltig beschädigt worden. Laut Kähler hat sich die Verwendung von Ködergel und Giftködern bewährt: „In Verbindung mit den Klebeflächen, der Einrichtung von mit Klebestreifen gesicherten Quarantänezonen sowie dem Einfrieren von zellulosehaltigen Neuzugängen (auch Bücher und Dokumente) hat sich die Zahl von gefundenen Papierfischchen in den Magazinen innerhalb eines Jahres von über 100 auf 35 mehr als halbiert.“ Auch im Deutschen Schifffahrtsmuseum (DSM) sind die Insekten ein Thema. „Erstmals auffällig wurden Papierfischchen während des Umzugs der Bibliothek und des alten Magazins in das Interimsdepot im Jahr 2018/2019“, berichtet DSM-Sprecherin Annica Müllenberg. „Es sind bisher keine problematischen Schäden an einzelnen Exponaten entstanden. Es wurden einige Fraßschäden an Seidenpapier gefunden“, betont sie. Im Forschungsdepot an der Eichstraße im Fischereihafen wurden Quarantänebereiche eingerichtet, in denen Objekte, die von außen ins Depot kommen und nicht eingefroren werden können, zunächst verweilen. Zudem gibt es Fallen und professionelle Schädlingsbekämpfungen bei vermehrter Sichtung. „Wir haben einen sehr genauen Blick auf die Sammlung und die Objekte, und es gibt regelmäßig Kontrollen, ein sogenanntes IPM (Integrated Pest Management)“, betont die DSM-Sprecherin.

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