Frachtfähre „Searoad 1“ vor erster Probefahrt in Flensburg
Die in Flensburg gebaute Frachtfähre „Searoad 1“ steht nach langen Verzögerungen kurz vor ihrer ersten Probefahrt. Nach der Übernahme der Werft durch die Rönner-Gruppe läuft der Betrieb wieder planmäßig.
Noch vor gut anderthalb Jahren wusste niemand, ob dieses Schiff jemals fertig wird. Unter dem ehemaligen Werftbesitzer Lars Windhorst standen die Arbeiten an der „Searoad 1“ über Monate still. Seitdem die Werft unter dem Namen „FSG Shipyard“ zur Rönner-Gruppe aus Bremerhaven gehört, läuft der Betrieb wieder, wie die shz berichtet.
Erfolgreiches Wendemanöver auf der Förde
Die Arbeiten an der 210 Meter langen Frachtfähre gehen voran wie geplant. Beim Stapellauf im vergangenen November hatte Gesellschafter Thorsten Rönner angekündigt, dass das Schiff im Juli an den Auftraggeber aus Australien ausgeliefert wird. Tatsächlich steht die „Searoad 1“ nun kurz vor ihrer ersten Probefahrt. Das bestätigte eine Sprecherin der Werft jetzt gegenüber der Redaktion, einen genauen Termin nannte sie noch nicht.Wie es aussieht, wenn die Fähre ablegt, war am Freitag schon einmal zu sehen: Die Schlepper „Kiel“ und „Holtenau“ zogen sie hinaus auf die Förde, drehten sie einmal um die eigene Achse und schleppten sie wieder zurück zu ihrem Liegeplatz vor der großen Werfthalle. Das Manöver ist Teil der Vorbereitung für die Probefahrt.
Arbeiten am Forschungsschiff „Modularis“ laufen
Im Innern der Werft laufen unterdessen längst die Arbeiten am nächsten Auftrag für die FSG: Hier entsteht das Forschungsschiff „Modularis“ für das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Das Schiff soll als „schwimmendes Labor“ unter anderem dazu dienen, klimafreundliche Antriebsarten zu erforschen.Die „Searoad 1“ hat einen verhältnismäßig umweltfreundlichen LNG-Antrieb. Die Frachtfähre soll nach ihrer Auslieferung auf der Bass-Straße zwischen Melbourne und der Insel Tasmanien verkehren. Die Searoad-Reederei hat dort bereits zwei Fähren aus Flensburg im Einsatz. Eine davon, die „MS Liekut“, ist gechartert und soll nun durch die „Searoad 1“ ersetzt werden. Zuletzt hatte die FSG mitgeteilt, dass die Fähre den Linienverkehr in Australien schon im September aufnehmen könnte.
Verzögerungen und Festhalten am Auftrag
Ursprünglich war die Auslieferung für das vierte Quartal 2023 vereinbart. Schon vor der Insolvenz unter Lars Windhorst kam es dann aber zu massiven Verzögerungen. Unter anderem lag das daran, dass das erforderliche Material fehlte, weil Zulieferer nicht bezahlt wurden. Die Mitarbeiter bangten um ihre Arbeitsplätze, ganz Flensburg um die Zukunft der traditionsreichen Werft.Searoad-Reeder Chas Kelly hielt dennoch stets an dem 100 Millionen Euro schweren Auftrag fest. Nun dürfte die scheinbar unendliche Geschichte noch in diesem Jahr mit der feierlichen Übergabe ihr Happy End erreichen.