DLRG Flensburg kämpft mit Nachwuchsmangel und mangelndem Respekt
Die ehrenamtlichen Rettungsschwimmer in Flensburg leiden unter Personalnot und zunehmenden Anfeindungen an den Stränden. Um den Wachdienst abzusichern, ist der Verein auf auswärtige Unterstützung angewiesen.
Seit rund 20 Jahren engagiert sich stellvertretende Vorsitzende Lisa Bombe bei der Flensburger DLRG, wo sie zuvor als Trainerin und Rettungsschwimmerin tätig war. Wie die shz berichtet, nimmt dieses Ehrenamt im Sommer den Umfang einer Vollzeitstelle ein. Warum sie es tut? „Weil wir eine tolle Gemeinschaft sind, den Strand lieben und uns gerne für andere Menschen einsetzen.“
Die 32-jährige Sozialpädagogin spricht mit großer Begeisterung über ihre Arbeit, die für die Sicherheit an den Flensburger Stränden unerlässlich ist. In den Sommerferien müssen täglich von 10 bis 18 Uhr mindestens drei Ehrenamtliche im Ostseebad und in Solitüde Wache halten. Diese Anforderungen werden jedoch zunehmend zur Herausforderung. „Denn mehr als 15 bis 20 Rettungsschwimmer im aktiven Dienst haben wir in Flensburg nicht“, sagt Lisa Bombe.
Unterstützung aus ganz Deutschland
Von den rund 700 Mitgliedern der Flensburger DLRG sind etwa 75 Prozent Kinder und Jugendliche. Um die Wachen dennoch besetzen zu können, ist der Verein auf externe Hilfe angewiesen. Rund 90 Prozent der 100 Retter, die im Sommer Dienst tun, reisen aus dem gesamten Bundesgebiet an. „Gerade sind Kameraden aus dem Hunsrück bei uns, nächste Woche kommen welche aus Leverkusen“, sagt Lisa Bombe. „Viele haben zu Hause ja gar keine Küste. Die freuen sich, an der Ostsee Erfahrungen zu sammeln.“ Die auswärtigen Kräfte werden im Vereinsheim in Fahrensodde oder im Angelner Ort Westerholz untergebracht, dessen Strand ebenso wie der in Langballig von der Flensburger DLRG mitbetreut wird.Früher rissen sich auswärtige Ehrenamtliche um die Dienste an der Förde, doch diese Zeiten sind vorbei. Lisa Bombe stellt fest: „Wir haben große Nachwuchsprobleme.“ Die Bereitschaft, Freizeit für andere zu opfern, sei seit der Corona-Pandemie gesunken. Zudem spiele wirtschaftlicher Druck eine Rolle, da Schüler und Studenten lukrativere Ferienjobs bevorzugen. Die Aufwandsentschädigung der DLRG kann da nicht mithalten, und teils müssen Rettungsschwimmer ihre Einsatzkleidung selbst bezahlen, auch wenn in Flensburg ab einer bestimmten Anzahl an Einsatztagen Bekleidungspakete gestellt werden. Hinzu kommt der organisatorische Aufwand im Hintergrund für Unterkünfte, Grillabende, Technikprobleme und Excel-Wachabrechnungen.
Zunehmende Respektlosigkeit und rechtliche Grenzen
Das gravierendste Problem ist jedoch der schwindende Respekt gegenüber den Einsatzkräften. „Es gibt Rettungsschwimmer, die sagen: ‚Ich gehe nicht mehr ins Ostseebad auf Wache. Ich lasse mich nicht mehr beleidigen, ich fühle mich unsicher und unwohl‘“, berichtet Lisa Bombe. Ob beim gefährlichen Springen von Brückenpfeilern oder dem Ignorieren von Sicherheitszonen – die Hinweise der DLRG werden oft missachtet. „In solchen Fällen ist es für uns problematisch, dass wir kein Hausrecht haben.“ Die Retter können niemanden des Strandes verweisen, sondern nur appellieren, was oft zu Ignoranz, Anfeindungen oder Bedrohungen führt. Manche Ehrenamtliche beobachten die Lage daher nur noch vom Wachturm aus, um Konflikten aus dem Weg zu gehen, und verzichten sogar auf Hinweise zur Hundeleinenpflicht.Trotz der Hürden betont Lisa Bombe die schönen Seiten der Arbeit, wie dankbare Morgenschwimmer, nette Einheimische und Touristen sowie das unbezahlbare Gemeinschaftsgefühl: „Im Team füreinander und für andere da zu sein – das ist unbezahlbar. Man findet hier Freunde fürs Leben.“ Sie wirbt für das Ehrenamt: „Jeder kann etwas beitragen, und sei es nur eine Stunde in der Woche.“
Regeln für den Wachdienst
An Stränden mit regem Badebetrieb ist eine Bewachung gesetzlich vorgeschrieben, was in Flensburg für das Ostseebad und Solitüde gilt. Die rechtliche Grundlage bilden das Badesicherheits- und Wasserrettungsgesetz sowie die Badesicherheitsverordnung. Zuständige Behörde ist das Ordnungsamt der Stadt Flensburg, das die Bewachung an die DLRG übertragen hat. In der Hauptsaison während der Sommerferien sind die Wachen bei ausreichendem Personal täglich von 10 bis 18 Uhr besetzt. In der Nebensaison von Mitte Juni bis Ende August außerhalb der Ferien findet der Wachdienst von Freitag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr statt.Eine Wache kann erst ab einer Besetzung von mindestens drei Personen geöffnet werden. Das Team besteht im Idealfall aus einem mindestens 18-jährigen Wachleiter und zwei mindestens 16-jährigen Rettungsschwimmern mit dem Deutschen Rettungsschwimmabzeichens Silber und einem gültigen Erste-Hilfe-Schein. Stehen weniger als drei qualifizierte Retter zur Verfügung, bleibt die Wache geschlossen.