Bremerhaven als potenzieller Standort für KI-Rechenzentren im Fokus
Die Seestadt Bremerhaven prüft die Voraussetzungen für die Ansiedlung von Rechenzentren zur Unterstützung der deutschen KI-Infrastruktur. Während die Windenergie und geeignete Flächen für den Standort sprechen, stellen begrenzte Netzkapazitäten und die Abwärmenutzung Herausforderungen dar.
Viel Wind haben wir ja schon, jetzt fehlen nur noch die ganzen Daten dazu.
— Rocky, Chefkolumnist
Illustration: KI-generiert
Der Aufbau einer nationalen KI-Infrastruktur rückt zunehmend in den Fokus deutscher Kommunen, wobei auch Bremerhaven als möglicher Standort für Rechenzentren diskutiert wird. Für eine erfolgreiche Ansiedlung müssen jedoch komplexe Anforderungen an Energieversorgung, Kühlung und Flächenverfügbarkeit erfüllt werden. Die Bremerhavener Gesellschaft für Investitionsförderung und Stadtentwicklung (BIS) sowie weitere Akteure wägen derzeit die Chancen und Herausforderungen für die Seestadt ab. Deutschland befindet sich beim Aufbau einer eigenen KI-Infrastruktur, insbesondere im Bereich leistungsstarker Rechenzentren, noch in der Entwicklungsphase. Diese Zentren benötigen erhebliche Mengen an Energie, fortschrittliche Kühlsysteme und eine hohe Rechenleistung, um große digitale Datenmengen zu verarbeiten. Die Bundespolitik unterstützt dieses Vorhaben. Im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD heißt es: „Wir stärken den Rechenzentrumsstandort Deutschland als Leuchtturm Europas, indem wir Cluster und regionale sowie dezentrale Ansiedlungen unterstützen“, berichtet die Nordsee-Zeitung.
Anforderungen an den Standort Bremerhaven
Um ein solches Projekt zu realisieren, sind laut der Bremerhavener Gesellschaft für Investitionsförderung und Stadtentwicklung (BIS) spezifische Voraussetzungen notwendig. Dazu gehören eine Leistung von bis zu über 200 Megawatt, die Nähe zu Umspannwerken, Glasfaserleitungen, eine Mindestfläche von 3 Hektar sowie Luft- und Wasserkühlung und geeignete Abwärmefähigkeiten. Die Klimaschutzagentur Energiekonsens weist in einer Mitteilung darauf hin, dass Rechenzentren bei der Anschlussleistung sogar mehr als 2700 Megawatt benötigen, wobei die Tendenz steigend ist. Als potenzielle Bauorte nennt die BIS südliche Gewerbe- und Industriestandorte, den Fischereihafen, das Lunedelta oder das Überseehafengebiet. Erste Standortanfragen wurden in den vergangenen drei Jahren bereits gestellt.Ein zentrales Problem stellt jedoch die Abwärmenutzung dar. „Im Fischereihafen wurde gerade der Ausbau eines Wärmenetzes geprüft und verworfen“, schreibt Energiekonsens. Derzeit sind in der Stadt lediglich 1139 Gebäude an Wärmenetze angeschlossen. Dennoch eignen sich industrie- und hafennahe Flächen aufgrund der guten Glasfasernutzung. Das Telekommunikationsunternehmen Telekom äußerte sich auf konkrete Fragen zur Infrastruktur zwar nicht, teilte jedoch mit: „Wir sind stets bestrebt, unseren Geschäftskunden die bestmöglichen Netzanbindungen für ihre individuellen Anforderungen zu bieten. Dabei hat neben der Geschwindigkeit der Datenübertragung die Datensicherheit oberste Priorität.“
Die Rolle von Strom, Kühlung und Abwärme
Die Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit der Anlagen hängt stark von der Energieversorgung ab. Nach Angaben des Verbands German Datacenter Association machen die Energiekosten etwa 50 Prozent der Betriebsausgaben eines Rechenzentrums aus. „Ein Rechenzentrum gilt als nachhaltig, wenn es zu 100 Prozent mit Ökostrom läuft und diesen erneuerbaren Strom im besten Fall direkt bezieht“, schreibt Energiekonsens. Zudem soll die entstehende Abwärme möglichst in ein Nah- oder Fernwärmenetz eingespeist werden. Bremerhaven bietet laut BIS durch seine geografische Lage eine exzellente Windenergiebasis sowie Fachkräfte aus den Bereichen maritime Industrie, Windenergie und Logistik.Allerdings sieht die Wirtschaftsförderung auch Hemmnisse für eine Ansiedlung: „Bislang wirken die derzeit noch begrenzten Netzkapazitäten und Lieferengpässe in der dafür benötigten Industrie, wie Transformatoren oder Umschaltwerke, dem teilweise entgegen.“ Auch die Effizienz der Kühlsysteme spielt eine Rolle. „Besonders wasserintensiv sind Kühltürme und adiabate Kühlung. Diese verbraucht sehr viel Wasser, ist gleichzeitig aber energiesparend“, so Energiekonsens.
Zukunftsaussichten für die Seestadt
Trotz der bestehenden Hürden bewertet die BIS die Attraktivität der Stadt positiv. In ihrem Fazit erklärt die BIS: „Bremerhaven ist für Rechenzentren grundsätzlich attraktiv und wird in den kommenden 5 bis 15 Jahren - insbesondere durch das Lunedelta sowie die gut ausgebaute Wissenschafts- und Energieforschungslandschaft.“ Ein Genehmigungsprozess könnte schätzungsweise rund sechs Monate in Anspruch nehmen. Die Stadt könnte durch ein solches Vorhaben neue, gut bezahlte Arbeitsplätze und Investitionen gewinnen und sich digital neu positionieren.
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