Zukunft des historischen Kriegsfischkutters „Antje D“ in Maasholm ungewiss
Seit fast fünf Jahren liegt der ehemalige Kriegsfischkutter „Antje D“ ungenutzt im Hafen von Maasholm. Nach der Insolvenz der Betreibergesellschaft droht dem geschichtsträchtigen Schiff nun die Verschrottung.
Ruhig liegt sie am Pier in Maasholm: die "Antje D". Das strahlende Rot des Kriegsfischkutters blättert an einigen Stellen ab, Rostspuren laufen an den Fenstern hinunter. Die letzte Ausfahrt des Schiffes ist nun fast fünf Jahre her, und wie die shz berichtet, könnte ihre nächste Fahrt sie zur Verschrottung führen. Eine Wiederaufnahme der Hochseeangelfahrten durch die derzeitigen Betreiber scheint ausgeschlossen. Während der Corona-Pandemie wechselte die "Antje D" von der Maasholmer Hotelierfamilie Schunta zur nordfriesischen New Hampshire GmbH, die auch das dazugehörige Hotel-Restaurant übernahm. Doch der Neustart endete im Fiasko.
Vom Kriegsschiff zum Fernsehstar
1944 wurde der Kutter kielgelegt. Ursprünglich war dieser Schiffstyp für den Einsatz als Kriegsfischkutter gebaut, und mehrere dieser Schiffe begleiteten die Marineeinsätze im Zweiten Weltkrieg. 1974 kam der Kutter, damals noch "Anke II", nach Maasholm. Zehn Jahre später, 1984, bekam der Kutter für die Fernsehserie "Die Fischer von Moorhövd" seinen neuen Namen "Antje D", indem er umgetauft wurde, um besser in die Geschichte der Serie zu passen. Nach seinem Einsatz als Drehort fuhr "Antje D" jahrelang als Fischkutter zur See und bot Hochseeangeltouren für Besucher an, bis der Betrieb im Jahr 2022 auf unbestimmte Zeit eingestellt wurde."Direkt nach der Übernahme und Auslösung der auf dem Kutter lastenden Hypothek von fast 50.000 Euro liefen die Dinge aus dem Ruder", sagt Petra Tiessen, Geschäftsführerin der New Hampshire GmbH. Es kam zu Unstimmigkeiten mit der Crew, und die Saison auf See konnte nicht starten wie geplant. "Danach habe ich alles versucht, um die Antje D wieder fahren zu lassen: von Stellenangeboten über erfolglose Zusammenarbeit mit den örtlichen Fischern, Verkauf per Makler oder Verschenken bei Ebay", berichtet Tiessen.
Insolvenz und drohende Gefahren im Hafen
Doch niemand griff zu. Weil der jährliche Unterhalt des Kutters rund 20.000 Euro verschlingt und sich die Muttergesellschaft mittlerweile in einem Insolvenzverfahren befindet, blieb am Ende nur die wirtschaftliche Kapitulation. Ob das Schiff jemals wieder in See sticht, liegt nun in den Händen des Insolvenzverwalters. Tiessen hofft inständig auf die Öffentlichkeit: "Ich würde mich freuen, wenn sich doch noch ein Übernehmer mit passendem Patent findet, der den Kutter wieder aktiviert."Inzwischen ist auch das Amt Geltinger Bucht involviert, da ein verrottendes Schiff im Hafen schnell zu einem Sicherheitsrisiko werden kann. Zwar betont Amtsdirektorin Sandra Karjel, dass die Behörde erst bei einer akuten Gefahr – etwa bei einem drohenden Sinken oder Ölaustritt – rechtlich einschreiten darf. Dennoch ist man im Amt in Alarmbereitschaft. "Die Gefahren bei einem Schiff, das ungenutzt im Hafen liegt, sind ja ganz andere als bei einem Auto, das unbenutzt auf dem Parkplatz steht", warnt Karjel mit Blick auf extreme Wetterlagen wie die jüngste Sturmflut. Sollte das Schiff leckschlagen, drohen nicht nur Umweltschäden, sondern auch immense Bergungskosten. Wer diese im Falle einer Insolvenz am Ende trägt, ist meist ein zäher Streit. Am Ende zahlt oft der Steuerzahler. Noch wirkt auf der "Antje D" von außen alles stabil. So bleibt auch diesen Sommer erst einmal offen, wie es für den alten Kriegsfischkutter weitergeht.