Sensation in St. Peter-Ording: Erste Löffler-Brutkolonie auf dem deutschen Festland
Im Westküstenpark in St. Peter-Ording hat sich die erste feste Brutkolonie von Löfflern auf dem deutschen Festland niedergelassen. Biologen und Vogelbeobachter zeigen sich gleichermaßen überrascht über die seltene Ansiedlung.
Ansonsten sind die Tiere eher auf den Inseln und Halligen der Nordsee zu finden. Nun hat sich jedoch eine ganze Kolonie im Westküstenpark gebildet, nachdem im vergangenen Jahr ein einzelnes Brutpaar den Anfang machte und erstmals erfolgreich Junge auf dem deutschen Festland aufzog. „Wir haben hier mindestens drei Nester“, erklärt Biologin und Leiterin der Tierpädagogik im Westküstenpark Annika Witte. Die Vögel kamen von selbst in den Park und scheinen die Brutstelle weiterempfohlen zu haben.
Einzigartige Brutbedingungen im Westküstenpark
„Warum sie hierhergekommen sind, wissen wir nicht“, sagt Witte. Es gibt jedoch Vermutungen, dass sich die wilden Vögel an den im Park in Volieren lebenden Artgenossen orientiert haben. Sie brüten nun in direkter Nachbarschaft zu den Störchen, die seit Jahrzehnten den Park aufsuchen. Obwohl sie im Park brüten, sind die Löffler wild, versorgen sich selbst mit Nahrung und meiden den Kontakt zu Pflegern, Besuchern und Hunden.Ein weiterer Grund für die Ansiedlung könnte das reiche Nahrungsangebot und der Mangel an Fressfeinden sein. Der große Teich im Park bietet viele Wasserinsekten, die Hauptnahrung für die Vögel mit dem löffelartigen Schnabel. Dadurch können die Jungvögel gut aufgezogen werden.
Ernährung und Verhalten der Wildvögel
„Löffler bewegen sich eher im flachen Wasser“, erklärt Witte. Dort fischen sie mit einem hin- und herschwenkenden Kopf nach Nahrung. Ungewöhnlich ist in St. Peter-Ording, dass die Tiere auf den Netzen der Volieren statt wie üblich auf dem Boden brüten. Der Löffler breitet sich derzeit weiter nach Norden aus, was laut der Biologin mit der Ausweitung von Entwässerungsflächen zusammenhängt, auf denen die Vögel wieder mehr Nahrung finden. Seit den 1990er-Jahren stößt der Wasservogel, dessen Gesamtpopulation groß und nicht gefährdet ist, weiter nach Nordeuropa vor. Auch in Großbritannien und den Niederlanden wurden Löffler inzwischen wieder gesichtet.Für Vogelbeobachter ist das Vorkommen auf dem Festland eine Sensation. „Die kommen, sehen die Löffler und fragen ganz aufgeregt, ob sie wild sind“, berichtet die Tierpädagogin. Erhalten sie die Bestätigung, herrscht große Freude: „Dann wird die Art von ihrer Must-see-Liste gestrichen.“ Im Herbst werden die wilden Löffler den Park verlassen, um in wärmere Regionen zu ziehen. Die Biologin ist jedoch zuversichtlich, dass die Tiere im nächsten Jahr zurückkehren und möglicherweise noch mehr Löffler den Weg nach St. Peter-Ording finden.