Sensoren sollen Fischsterben an der Lippingau verhindern
Ein neues Pilotprojekt an der Lippingau setzt auf Echtzeit-Sensoren, um Überdüngung und Fischsterben schneller zu erkennen. Während der Bauernverband die Methode begrüßt, fordert der BUND weitreichendere Maßnahmen gegen den Nährstoffeintrag.
An der Lippingau im Kreis Schleswig-Flensburg soll ein neues Pilotprojekt mit Echtzeit-Sensoren dabei helfen, den Sauerstoff- und Nährstoffgehalt des Gewässers zu überwachen. Die Untere Wasserbehörde soll durch die per Mobilfunk übermittelten Daten schneller auf Überdüngung reagieren können. Damit wollen die Verantwortlichen einem erneuten Fischsterben in dem ökologisch belasteten Fluss vorbeugen. Die Lippingau, die zwischen Sterup und der Geltinger Bucht verläuft und in die Flensburger Förde mündet, geriet in den vergangenen Jahren mehrfach wegen Fischsterbens in die Schlagzeilen. In den Jahren 2023 und 2025 kam es zu solchen Ereignissen, wobei in einem Fall ein Gülleeintrag durch einen technischen Defekt die Ursache war. Da das Gewässer unter ökologischem Dauerstress leidet, die Untere Wasserbehörde von solchen Vorfällen jedoch meistens erst zu spät erfährt, sollen Live-Messungen nun ein schnelles Eingreifen ermöglichen, wie die Tagesschau berichtet.
Echtzeit-Messwerte per Mobilfunk
Die Digitalagentur Smarte Grenzregion hat dafür an drei Stellen Sensoren installiert, die den Sauerstoff- und Nährstoffgehalt messen und die Werte in Kürze per Mobilfunk in Echtzeit übertragen sollen. Das mit Bundesmitteln finanzierte Pilotprojekt weist Parallelen zu einem Vorhaben in Flensburg auf, das Regenwasser im Kanalnetz aufspürt. Ein flächendeckender Einsatz der Sensoren ist laut dem Umweltministerium jedoch nicht geplant, da hierfür Geld und Personal zur Wartung der automatisierten Stationen fehlen. Bislang sind landesweit nur einzelne Messpunkte mit dieser Technik ausgestattet. Als Verursacher für Nährstoffeinträge kommen grundsätzlich Landwirte oder Kläranlagen infrage, wobei bei erhöhten Werten weitere Untersuchungen vor Ort notwendig bleiben.
Kritik von Umweltschützern
Die Umweltorganisation BUND reagiert verhalten auf das neue Konzept. "Wir haben keinen Erkenntnismangel, sondern einen Umsetzungsmangel", sagt Geschäftsführer Ole Eggers. Aus seiner Sicht fehlt der politische Wille, Landwirte bei Überdüngung zur Verantwortung zu ziehen. Er räumt allerdings ein, dass die Beweisführung schwierig sei. Zudem stehe die Landwirtschaft unter Druck, da Lohnunternehmen nur begrenzte Zeitfenster anböten und Gülle manchmal im falschen Moment ausgebracht werde. Das strukturelle Problem liegt laut Eggers darin, dass seit den 1960er Jahren zu viele Flächen trockengelegt wurden, wodurch bei starkem Regen große Mengen an Gülle und Dünger über Drainagen direkt in die Gewässer gespült werden. Der BUND plädiert daher dafür, Drainagen zu entfernen und stattdessen tiefer gelegene Kuhlen als Wasserspeicher zu nutzen, die auch die Artenvielfalt fördern.
Bauernverband zeigt sich offen
Der Bauernverband begrüßt den Einsatz der modernen Sensoren und bekennt sich zum Aktionsplan Ostseeschutz 2030. Das Ziel sei es, Nährstoffeinträge verursachergerecht zu ermitteln. Für den Fall eines Schadens, wie beispielsweise an einem Güllefass, mahnt der Verband, "sich umgehend mit der Unteren Wasserbehörde und unseren Ansprechpartnern beim Bauernverband in Verbindung zu setzen."
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