Schüler aus Wedel verbringt Sommerferien auf Containerschiff nach Singapur
Der 16-jährige Keon Kunstreich nimmt am Ferienfahrer-Programm teil und reist auf einem Containerriesen nach Asien. Statt Strandurlaub erwartet ihn an Bord harte Arbeit.
Am 15. Juli geht Keon Kunstreich an Bord des 399 Meter langen Containerriesen „Gdansk Express“ von Hapag-Lloyd, wie die shz berichtet. Der Jugendliche wird ein Stück des Weges von seinen Eltern begleitet und verabschiedet sich dann, um über die Gangway zu gehen. So lange war er noch nie allein in der Welt unterwegs, da seine bisherigen Reisen immer deutlich kürzer waren. Dass ihn dieses Abenteuer verändern wird, glaubt er allerdings nicht. Er möchte anschließend jedoch um eine Erkenntnis reicher sein, ob das Leben an Bord etwas für ihn ist und ein maritimer Beruf eine Option für die Zeit nach dem Abitur darstellt.
Vom Wedeler Alltag auf die hohe See
Der Countdown läuft und in wenigen Tagen wird es ernst. Der Schüler verabschiedet sich von seinen Eltern, seinen Geschwistern und seinen Freunden, um als Teilnehmer des Ferienfahrer-Programms des Verbandes Deutscher Reeder (VDR) das vertraute Wedeler Leben gegen den harten Dienst in einem internationalen Team an Bord zu tauschen. Seine Reise führt ihn von Hamburg über rund 16.000 Kilometer bis nach Singapur, wo er am 26. August abheuern soll. Mit diesem Abenteuer auf Zeit versuchen die Reedereien, Nachwuchs für die Seefahrt zu begeistern. Im Gespräch zeigt sich der junge Mann überraschend abgeklärt und bewahrt die Ruhe. Seine freien Wochen mit Freunden hat er bewusst vorgezogen, um sich zu verabschieden. „Meistens trifft man seine Freunde in der Ferienzeit ohnehin nicht so oft, weil alle verreist sind“, sagt er pragmatisch.Harte Arbeit und eingeschränktes Internet
Die Route des Schiffes führt durch die Nordsee, den Ärmelkanal, den Atlantik und das Mittelmeer, voraussichtlich durch den Suezkanal. An Bord wird der 16-Jährige überall mit anpacken: auf der Brücke, im Maschinenraum und direkt zwischen den tonnenschweren Containern. „Ich will ausprobieren, wie es ist, so lange auf See zu sein“, beschreibt er seine Motivation. Zwar bringt er durch das Segeln von Kindesbeinen an, seine Liebe zum Wassersport und den gerade bestandenen Sportbootführerschein einiges an Vorwissen mit, doch die Dimensionen auf dem Containerschiff sind eine andere Nummer. Hinzu kommt die Ungewissheit. „Ich weiß nicht, was auf mich zukommt. Bisher haben wir nur wenige Informationen“, berichtet er. Er wird mit einer völlig fremden Besatzung auf engstem Raum in Einzel- oder Doppelkabinen zusammenwohnen. Vor Heimweh oder Seekrankheit hat er keine Angst: „Ich leide nicht unter Heimweh und bin bisher auch noch nie seekrank geworden.“Auch der körperliche Einsatz und der traditionell raue Ton auf See schrecken ihn nicht ab. Ein Praktikum auf der Hamburger Lürssen-Werft, bei dem er mit Stahl gearbeitet hat, gab ihm einen ersten Vorgeschmack. „Da war der Ton vielleicht auch etwas rauer, aber alle waren sehr nett“, erinnert er sich. Die größte Umstellung wird das Leben abseits der Arbeit sein. Zwar gibt es an Bord Internet, allerdings nicht durchgehend. Den schiffseigenen Fitnessraum und den kleinen Meerwasserpool will er intensiv nutzen, zudem kommen ein paar Bücher ins Gepäck. Beim Packen denkt er praktisch: „Ich werde vor allem Sportkleidung mitnehmen.“ Am 15. Juli folgt schließlich der entscheidende Moment, wenn er allein über die Gangway geht. Nach den Sommerferien will er um eine entscheidende Erkenntnis reicher nach Wedel zurückkehren.