Kurzfristige Unwetterwarnungen: Meteorologen erklären die diffuse Wetterlage
Heftige Gewitter und Hagel überraschten am Montag Teile Niedersachsens mit nur kurzen Vorwarnzeiten. Experten erklären die späten Warnungen mit einer komplexen Wetterlage und weisen auf die Zunahme von Extremwetterereignissen hin.
Gewitterwarnung erst kurz vor knapp? Da hilft nur rechtzeitig den Friesennerz überzustreifen.
— Rocky, Chefkolumnist
Illustration: KI-generiert
Am Montagabend haben heftige Gewitter, Starkregen und Hagel Teile von Niedersachsen getroffen, wobei die offiziellen Warnungen erst sehr kurzfristig erfolgten. Meteorologen führen die späten Meldungen auf eine äußerst schwer berechenbare, diffuse Wetterlage zurück. Zudem weisen Experten darauf hin, dass Extremwetterereignisse im Zuge der globalen Erwärmung zukünftig weiter zunehmen werden. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) und Warn-Apps wie NINA hatten am Montagabend vor heftigem Regen, Gewittern, Hagel und vereinzelten Überflutungen in Teilen Niedersachsens gewarnt. Diese Warnungen trafen jedoch, wie beispielsweise in der Region Hannover, erst kurz vor dem Einsetzen des Extremwetters ein. Laut Wetterexperte Peter Schwarz vom ARD Wetterkompetenzzentrum lag dies an einer "diffusen Wetterlage", wie die Tagesschau berichtet. Schwarz verglich die Situation mit einem Topf Milch, der plötzlich überkocht. "Es gibt da so viele winzige Kleinigkeiten, die alle miteinander interagieren. Kleinste Änderungen der Luftströmungen haben dann große Auswirkungen", sagte Schwarz. Mit solchen physikalischen Prozessen seien die Vorhersagemodelle oft überfordert. Zudem hätten sich die Gewitter kaum von der Stelle bewegt, "und dann wurde an Ort und Stelle alles abgeladen."
Entstehung von großen Hagelkörnern
Für die dicken Hagelkörner, die in Teilen Niedersachsens niedergingen, lieferte Schwarz ebenfalls eine Erklärung. In besonders hohen Wolken gefrieren Wassertropfen zu Eiskristallen. Wenn diese in der Wolke nach unten wandern, lagern sich weitere Wassertröpfchen an, wodurch der Kristall schwerer wird. Kräftige Aufwinde innerhalb der Wolke verhindern jedoch den Sturz zu Boden und schleudern die Eiskristalle stattdessen immer wieder nach oben. "Je stärker diese Aufwinde sind, je höher die Wolke, desto größer kann auch dieses Hagelkorn werden. Bis unter Umständen dann eine richtige Granate daraus wird." Auf diese Weise seien im US-amerikanischen South Dakota bereits zwanzig Zentimeter große Hagelkörner entstanden, während auf der Schwäbischen Alb in Deutschland immerhin vierzehn Zentimeter gemessen wurden, so Schwarz.
Zunahme von Extremwetter durch Klimawandel
Nach Auswertungen des DWD nehmen infolge der globalen Erwärmung sowohl markante Hitzeperioden als auch Starkregenereignisse zu. Zudem kommt es häufiger zu Dürren. "Sobald die globale Erwärmung voranschreitet, muss man damit rechnen, dass die Zahl der heißen Tage bei uns hier im Norden deutlich zunimmt", sagte Frank Böttcher, Vorsitzender der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft.
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