Ehrenamtliche Wildvogelhilfe: Christoph Münnich rettet seit 55 Jahren Vögel in Ahrensburg
Seit mehr als fünf Jahrzehnten kümmert sich Christoph Münnich aus Ahrensburg ehrenamtlich um verletzte und hilflose Wildvögel. Neben seinem Beruf als Notfallsanitäter betreibt er eine private Pflegestation im eigenen Garten.
Ein Herz für Federvieh. Bei mir landen ja meistens eher die Fischbrötchen-Räuber.
— Rocky, Chefkolumnist
Illustration: KI-generiert
Seit 55 Jahren engagiert sich Christoph Münnich aus Ahrensburg ehrenamtlich für die Rettung und Pflege von Wildvögeln. Was als Hobby im Kindesalter begann, ist für Notfallsanitäter Christoph Münnich längst zu einer zeitintensiven Lebensaufgabe geworden. In seiner privaten Voliere bereitet er verletzte und verwaiste Tiere auf die Rückkehr in die Freiheit vor, wie die shz berichtet.
Wenn bei Christoph Münnich das Telefon klingelt, ist häufig ein Vogel in Not der Grund für den Anruf. Ein Jungvogel, der verlassen am Boden sitzt, eine Schwalbe, die nach einem Hitzetag geschwächt gefunden wurde, oder ein Vogel, der nach einem Katzenangriff verletzt ist – in solchen Fällen fragt man in Ahrensburg den „Vogelmann“.
Vom Hobby zur Lebensaufgabe
Münnich hat diese Aufgabe nie geplant oder offiziell begonnen. Sie ist über Jahrzehnte aus einer Leidenschaft heraus entstanden. „Ich bin damit groß geworden“, sagt der 65-Jährige. Seit seinem zehnten Lebensjahr beschäftigt er sich mit Vögeln. Anfangs waren es Ziervögel, später kamen immer häufiger Fragen von Menschen hinzu, die einen verletzten oder hilflosen Vogel gefunden hatten. Über soziale Medien wie Facebook, durch Mundpropaganda und sein jahrzehntelanges Engagement hat sich der 65-Jährige ein großes Netzwerk aufgebaut. Selbst die Polizei im Kreis kennt den ehrenamtlichen Vogelschützer und informiert ihn, wenn Bürger verletzte oder hilflose Tiere abgeben.
Retten gehört für Münnich zum Alltag – egal, ob der Patient zwei Beine oder zwei Flügel hat. Der 65-Jährige fährt als Notfallsanitäter im Rettungsdienst weiterhin Einsätze. Während seiner Schichten kümmert sich seine Partnerin um die Vögel, an freien Tagen gehört seine Zeit den Tieren im Garten. „Das passt eigentlich ganz gut zusammen“, sagt Münnich.
Herausforderungen im Sommer und Gefahren durch Katzen
Besonders im Sommer häufen sich die Anrufe. Dann beginnt für viele Jungvögel eine schwierige Zeit. „Wenn es extrem heiß wird, erleben wir regelmäßig eine Schwemme an Schwalben und Sperlingen“, berichtet der Ahrensburger. Die Jungtiere halten die Temperaturen unter den Dächern ihrer Nester kaum aus, springen zu früh heraus und landen hilflos am Boden. Die häufigste Ursache für Verletzungen bei diesen Tieren sind seiner Erfahrung nach „Katzen, Katzen, Katzen“. Besonders Jungvögel, die gerade erst das Nest verlassen haben und noch nicht richtig fliegen können, sind leichte Beute für die schnellen Jäger.
Hat ein Vogel tatsächlich Hilfe nötig, beginnt für Münnich die Pflege. Die Tiere kommen zunächst in eine sichere Unterbringung, werden gefüttert und langsam wieder auf ein selbstständiges Leben vorbereitet. Dabei ist vor allem eines wichtig: möglichst wenig menschliche Prägung. Denn nicht jeder Vogel ist einfach wieder auszusetzen. Besonders Rabenvögel können sehr zutraulich werden, wenn sie zu viel Kontakt zu Menschen haben. „Die kennen dann keine Angst mehr und suchen später die Nähe von Menschen, statt ihnen aus dem Weg zu gehen“, erklärt Münnich. Deshalb bringt er größere Rabenartige häufig in spezialisierte Wildtierstationen. Bei der Auswilderung hilft ihm seine große Voliere im Garten. Rund 30 Quadratmeter stehen dort zur Verfügung, aufgeteilt in mehrere Bereiche. Dort können die Vögel lernen, wieder selbstständig zu fressen, zu fliegen und sich auf die Freiheit vorzubereiten.
Aufwand, Kosten und richtige Hilfe
Die Wildvogelhilfe ist nicht nur zeitintensiv, sondern kostet auch Geld. Münnich bezahlt Futter, Vitamine und notwendige Materialien selbst. Besonders während der Schwalbensaison kommen schnell größere Summen zusammen. „50 bis 70 Euro pro Woche für Futter – das geht schon ins Geld“, erzählt er. Auf dem Speiseplan stehen unter anderem Grillen, Heimchen, Würmer und Fliegenmaden. Eine offizielle Förderung gibt es nicht, weshalb seine Frau derzeit einen privaten Spendenaufruf startet.
Eigentlich, sagt Münnich, habe er „noch keinen Vogel hier abgelehnt“. Zwar gebe es Tage, an denen seine Partnerin meine: „Ich glaube, jetzt haben wir genug.“ Doch wenn wieder ein Anruf eingeht, könne er selten Nein sagen. „Irgendwie schaffe ich das nicht“, lacht der 65-Jährige.
Ein großes Anliegen ist Münnich, Finder über den richtigen Umgang mit verletzten Vögeln aufzuklären. Viele Menschen meinen es gut und greifen sofort zum Futter. Doch genau das kann gefährlich werden. „Einfach nichts geben“, rät er. „Fehler bei der Fütterung können für die Tiere tödlich enden.“ Stattdessen sollte der Vogel vorsichtig in einen Karton gesetzt und fachkundige Hilfe gesucht werden. Jeder wieder ausgewilderte Vogel ist für Münnich ein kleiner Erfolg. Nicht, weil er sich von den Tieren schwer trennen würde, sondern weil genau das sein Ziel ist. Nach 55 Jahren mit Vögeln denkt der 65-Jährige deshalb noch lange nicht ans Aufhören. „Das mache ich mein Leben lang.“
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