Bundeswehr verzichtet auf Reaktivierungspläne auf Sylt
Das Bundesverteidigungsministerium gibt vermeintliche Militärflächen in Kampen und am Flughafen Sylt wieder frei. Vor Ort sorgen die Pläne für Verwunderung, da die Grundstücke als reine Phantom-Liegenschaften gelten.
Wie die shz berichtet, hatte das Bundesverteidigungsministerium im Herbst 2025 die zivile Umwandlung von rund 200 Standorten stoppen lassen, um eine mögliche Reaktivierung zu prüfen. Darunter befanden sich auch zwei Flächen auf Sylt: ein Grundstück am ehemaligen Militärflughafen in Westerland-Ost sowie ein angebliches Areal eines alten Flugplatzes in Kampen. Während die Pläne in anderen Kommunen Schleswig-Holsteins wie Boostedt, wo die Reaktivierung einer Kaserne fast eine Milliarde Euro kosten soll, hitzige Debatten auslösten, herrschte auf Sylt von Beginn an Unklarheit über die Liegenschaften.
Rätsel um Kampener Grundstück
Das Areal in Westerland-Ost grenzt zwar an den heutigen zivilen Flughafen, lag jedoch jahrzehntelang brach und ist bedeutungslos. Noch kurioser gestaltete sich die Situation in Kampen. Dort erhielt Bürgermeisterin Steffi Böhm zwar einen formellen Brief aus Berlin über die geplante Reaktivierung einer 41.694 Quadratmeter großen Fläche am Braderuper Weg am Ortseingang. Von einem Flugplatz in ihrer Gemeinde hatte sie zuvor jedoch noch nie gehört.Mit dem Angebot des Bundes, die nun freigegebene Fläche zu erwerben, kann die Gemeinde Kampen wenig anfangen. „Wir müssten der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) den Bodenrichtwert für Bauland dafür zahlen. Das sind etwa 3000 Euro pro Quadratmeter. Das ist für uns als Gemeinde absolut nicht darstellbar, wenn wir hier Grundstücke auf Erbpacht für Insulaner anbieten wollen“, macht Bürgermeisterin Steffi Böhm deutlich. Die Gemeinde bleibe jedoch mit der Bima im Gespräch, um nach Lösungen zu suchen.
Historische Täuschung als Ursache
Licht in das historische Rätsel brachte Sylt-Chronist Günter Schroeder. Seine Recherchen ergaben, dass das angebliche Militärgelände in Kampen auf eine ungenaue Bezeichnung im Volksmund und NS-Propaganda zurückgeht. Im Zweiten Weltkrieg gab es lediglich eine südliche Erweiterung des Westerländer Flugplatzes, die fälschlicherweise als eigenständiger Flugplatz bezeichnet wurde. Zudem bauten die Nationalsozialisten in den Jahren 1942 und 1943 zur Täuschung der britischen Air Force einen Scheinflugplatz mit präparierten Rübenfeldern und einer Flugzeugattrappe aus Sperrholz – allerdings nicht in Kampen, sondern im benachbarten Wenningstedt.Dass diese historischen Täuschungsmanöver und ungenutzten Flächen nach rund 80 Jahren fast zu einer Reaktivierung durch die Bundeswehr geführt hätten, sorgt auf Sylt weiterhin für Unverständnis. Weder Flughafen-Chef Stephan Haake noch Vorsitzender des Flughafen-Zweckverbandes Peter Marnitz kennen die betroffenen Flächen oder schreiben ihnen eine Bedeutung zu.