Bauarbeiten an der Bremerhavener Nordmole: Schwere Schrägpfähle werden in den Weserboden gerammt
Beim Neubau der Nordmole in Bremerhaven hat eine neue, lautstarke Phase begonnen. Drei Wochen lang werden tonnenschwere Schrägpfähle in den Weserboden gerammt, um der Konstruktion Halt zu geben.
Ein bisschen Lärm gehört dazu. Wat mutt, dat mutt, auch an der Weser.
— Rocky, Chefkolumnist
Illustration: KI-generiert
Beim Neubau der Nordmole in Bremerhaven hat eine neue, besonders eindrucksvolle Bauphase begonnen. Nachdem die senkrechten Rohre bereits stehen, werden nun zentnerschwere Schrägpfähle im 45-Grad-Winkel in den Weserboden gerammt. Diese Arbeiten sorgen für erheblichen Lärm, sind jedoch für die Stabilität der gesamten Konstruktion unerlässlich. Die neue Nordmole wächst täglich. Nachdem mittlerweile die senkrechten Rohre stehen, werden jetzt Pfähle schräg im 45-Grad-Winkel in den Boden gerammt. Die Schrägrohre werden durch ein Loch in beiden Seiten der schon stehenden Rohre gefädelt und dann im Grund versenkt. Am Ende wird der Kopf der Rohre mit Beton gefüllt, so dass alles eine feste Verbindung eingeht und die senkrechten Rohre der Weser und dem Wind trotzen. Wie die Nordsee-Zeitung berichtet, läuft bei diesem Prozess jedoch nichts mit Handarbeit.
Schwere Technik trotzt Weser und Wind
„Es sind ganz schöne Kracher“, beschreibt Bremenports-Sprecher Matthias Koch die rund 40 Meter langen und gut sechs Tonnen schweren Pfähle. Um diese in den Weserboden zu rammen, braucht es einen hydraulisch betriebenen Hammer, der mit zehn Tonnen Gewicht auf den Stahl der Schrägpfähle kracht und sie mit jedem Schlag ein Stück weiter in den Boden treibt.Die Regie über die Kolosse führt Ingenieurin und Projektleiterin des Nordmolen-Neubaus bei Bremenports Ontja Fischer: „Da, wo es geht, setzen wir auf die weitaus leisere, für Anwohnerinnen und Anwohner meist kaum zu hörende Rütteltechnik. Die langen Schrägpfähle müssen allerdings gerammt werden und das einfach ordentlich Lärm. Das ist leider unvermeidbar“, erklärt sie.
Lärmschutz und zeitliche Begrenzung
Das Rammen wird zeitlich begrenzt. „Insgesamt wird nur maximal 3,5 Stunden am Tag gerammt – und das begrenzt auf die Zeit zwischen 7 bis 18.30 Uhr“, erklärt Fischer. Wer jetzt die Uhr zückt, dem sei gesagt, dass es eine Ausnahme gibt: Wenn beispielsweise ein Pfahl bereits auf dem Schlitten liegt und um 18.30 Uhr noch ein paar Meter fehlen, bis er tief genug in den Boden der Weser gerammt ist, darf die begonnene Arbeit noch beendet werden. Die momentan intensivere Rammphase dürfte zwei, drei Wochen dauern. Pro Pfahl wird mit 25 bis 30 Minuten Rammzeit gerechnet. Anschließend ist dann immer wieder für eine gute Weile Ruhe, weil alles neu für den nächsten Pfahl ausgerichtet werden muss.
Interessierte Zuschauer am Weserstrandbad
Die Gäste im Weserstrandbad haben einen ungewollten Logenplatz. „Wenn man nebenan die Leute im Wasser planschen sieht, während wir hier mit schwerem Gerät arbeiten, ist das schon ein gewisser Gegensatz“, berichtet Fischer und scherzt: „Aber was will man mehr: Wir arbeiten da, wo andere Urlaub machen.“ Beschwerden über die lautstarke Arbeit der Nachbarn hat es bislang nicht gegeben. Im Gegenteil schauten viele Badegäste den Rammarbeiten direkt vom Strand aus interessiert zu.Zum Herbst sollen die Gründungsarbeiten für die neue Nordmole abgeschlossen sein. In Summe sind dann gut 3500 Tonnen Stahl im Erdreich versenkt worden. „Es ist klimafreundlich produzierter, sogenannter grüner Stahl“, weiß Koch. Anschließend stehen dann das Verfüllen mit Sand und die Betonarbeiten zur Herstellung des Wegs zum künftigen Molenkopf an. Auch der spätere Molenturm wirft seine Schatten voraus. „Der Königspfahl, der jetzt schon das Ende des Molenbaus markiert und auf dem künftig später der Molenkopf samt Türmchen entstehen wird, bringt übrigens mit gut 40 Tonnen noch ein bisschen mehr Gewicht auf die Waage“, schildert Koch. Trotz kleinerer Verzögerungen durch Wind und Wetter ist die Baustelle im Zeitplan. Ende 2027 soll alles fertig sein.
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