Zwei Sylter erfüllen sich Traum von eigener Crêperie in Hörnum
Justin Jamal Peters und Tim Knuth haben am Hörnumer Hafen das „Sydhavn“ eröffnet. Trotz harter Arbeit im ersten Jahr blicken die beiden Gründer positiv auf ihren Erfolg.
Die gemeinsame Geschichte von Justin Jamal Peters und Tim Knuth begann schon in ihrer Jugend auf Sylt. Sie lernten sich in Bussen zwischen Rantum und der Schule kennen, verbrachten Zeit im Skatepark, später beim Surfen und arbeiteten schließlich gemeinsam an einem Crêpesstand in Westerland. „Das war so unser erstes Mal zusammenarbeiten“, sagt Tim. Justin nennt es rückblickend „den ersten Job“.
Heute betreiben die beiden ihre eigene Crêperie in Hörnum. Während der 29-jährige Justin aus Tinnum stammt – sein Vater führt dort die Kleine Wäscherei –, ist der 27-jährige Tim fest in Hörnum verwurzelt. Hier ging er in den Kindergarten, in die Grundschule und verbrachte seine Jugend. Dass er auf Fuerteventura geboren wurde, weil seine Eltern dort im Winter Urlaub machten, tut der Sylter Familiengeschichte keinen Abbruch. Tim lacht: „Immerhin war ich von Anfang an ein Inselkind.“
Ihr gemeinsamer Weg an die Crêpeplatte zeichnete sich bereits früh ab. Tim kannte das Geschäft von klein auf: Sein Vater betreibt „Crêpes de Luxe“ an der Wilhelmine, den ältesten Crêpesstand der Insel. Dort halfen die Jungs als Jugendliche aus. Zwischen Teig, Bestellungen und Sylter Sommertagen entstand die Idee, daraus mehr zu machen. „Schon damals haben wir darüber gesprochen, wie es wäre, irgendwann einen eigenen Laden aufzumachen“, erinnert sich Justin.
Doch das Leben hatte zunächst andere Pläne mit den beiden Inselkindern. Justin studierte Wirtschaftsingenieurwesen und zog nach Hamburg, wo er an vollautonomen Supermärkten arbeitete. Tim blieb auf Sylt, machte im Budersand eine Ausbildung zum Hotelfachmann und lernte dort, wie man Gäste empfängt, Situationen liest und den Blick für Details behält. „Ich habe dort sehr viel mitgenommen, aber mir war immer klar, dass ich selbstständig arbeiten wollte“, sagt Tim.
Ein lebensverändernder Anruf und der Start
Als der Stand am Hafen frei wurde, fackelte Tim nicht lange. Justin ahnte in Hamburg noch nichts von seinem Glück – er war gerade voll aufs Zocken konzentriert, als das Handy vibrierte. „Skala 1 bis 10, wie wichtig ist es?“, fragte Justin seinen Freund. „Lebensverändernd“, tönte es aus der Leitung. „Da musste ich das Spiel natürlich pausieren“, lacht Justin heute. Und die Inselgeschichte nahm ihren Lauf.Einfach war der Einstieg nicht. „Wir haben ein 14-seitiges Konzept als Bewerbung bei der Gemeinde eingereicht“, sagt Tim, wie die shz berichtet. Darin erklärten die beiden, wie sie den kleinen Laden am Hafen führen wollten: mit ausgewählten Weinen, besonderem Kaffee und einem bewussten Umgang mit Ressourcen. Plastik wollten sie vermeiden, wo es ging. Getränke stehen in Glasflaschen im Laden, die Crêpes werden in recyceltem Papier ausgegeben. Inzwischen haben die beiden sogar Solarplatten installiert, um den eigenen CO2-Fußabdruck weiter zu verkleinern.
Harte Arbeit im ersten Jahr
„Das erste Jahr haben wir nur zu zweit gestemmt“, sagt Tim. „Die Tage gingen von morgens um 9 Uhr bis abends um 21 Uhr, manchmal länger, wenn danach noch Bürokram dazukam.“ Justin erinnert sich an mehr als 100 Tage am Stück, an denen sie jeweils zwölf Stunden im Laden standen. Für ein Privatleben blieb im ersten Sommer wenig Raum. Jammern wollen die beiden trotzdem nicht. „So hart der erste Sommer war, wir haben ihn sehr genossen“, sagt Justin. „Es ist einfach ein ganz anderes Gefühl, für sich selbst zu arbeiten.“Dass der Laden läuft, wurde spätestens beim Hörnumer Hafenfest klar. „Es wurde immer voller, die Leute hörten gar nicht mehr auf, bei uns einzulaufen“, lacht Justin. Bis Mitternacht drehten die beiden wie im Rausch Crêpes für die Gäste. Die späte Uhrzeit bekamen sie erst mit, als ein Gast sie darauf aufmerksam machte: „Ey, es ist so cool, dass ihr noch auf habt, alle anderen haben seit Stunden geschlossen.“ Für die Jungs waren diese Stunden nur so verflogen. Justin grinst: „Das war der Tag, an dem wir wussten: Hier geht was.“
Und dann ist da die Lage: „Dieser Blick aufs Wasser ist unbezahlbar. Hier zu arbeiten, das ist schon ganz besonders.“ An Hamburg vermisst Justin eigentlich nur eines: das Essenbestellen. Viel mehr sei da nicht. „Auch als Sylter vergisst man, wie schön Hörnum eigentlich ist“, sagt er und grinst. Manchmal stehe er einfach ein paar Minuten da, schaue in die Weite und genieße es, nicht den ganzen Tag auf einen Bildschirm zu starren.