Seemann baut schiffsähnliches Tiny House in Glücksburg
Der angehende Rentner Andreas Schlatterer hat sich in Glücksburg einen außergewöhnlichen Altersruhesitz aus Holz geschaffen. Das ökologische Tiny House erinnert in seiner Form und Ausstattung an ein Schiff.
Der hölzerne Neubau verbirgt sich fast ein bisschen versteckt hinter einer Wand aus Blättern an der Schwennaustraße. Eigentümer Andreas Schlatterer hat dort Bücher zum Verkauf aufgestellt, sitzt hinter einer Art Gangway und lädt zur Hausführung in seine fünf Wände ein. Der Weg zum Eingang ist bei Weitem nicht das Einzige, das bei dem Bauwerk im Stil eines „Tiny House“ an ein Schiff erinnert. So läuft das Gebäude gartenseitig eckig zu wie ein Schiffsbug, was dem Grundriss eine fünfeckige Form verleiht.
Das Haus verfügt über zwei große Decks, die zusammen eine Wohnfläche von 88 Quadratmetern ergeben. Der obere Raum ist als Empore mit einer offenen Küche und einem kleinen Empfangstisch gestaltet. Der untere Bereich dient als Arbeits-, Schlaf- und Wohnraum mit einem Kaminofen und zukünftig auch einem Balkon. Unter der Treppe befinden sich hinter Schiebetüren Abseiten und Kammern, in deren Türen Glasvitrinen mit Modellschiffen eingearbeitet sind. Weitere Modellschiffe stehen im gesamten Haus in Einzelvitrinen und Regalen.
Ein Leben auf See
Der Bauherr ist sein gesamtes Arbeitsleben zur See gefahren und war die letzten 25 Jahre als leitender Ingenieur auf Handelsschiffen der Hamburger Traditionsreederei Hapag-Lloyd beschäftigt. Für den gebürtigen Freiburger, der auch in Konstanz am Bodensee lebte, war die Seefahrt der einfachste Weg, die Welt kennenzulernen. Vor knapp 20 Jahren zog er aus persönlichen Gründen nach Glücksburg. „Die Sonnenuntergänge an der Küste können mit den schönsten der Welt mithalten“, sagt der Weitgereiste. Er entschied sich, den Alterswohnsitz auf seinem Grundstück zu errichten und im Haupthaus Platz für die nächste Generation zu machen. Solange jeder seine Privatsphäre habe, sei das für die Familie okay.Nachhaltige und ökologische Bauweise
Für die Planung des Tiny House wurde Flensburger Architekt Niclas Heydorn hinzugezogen, wie die shz berichtet. Die Vorgabe lautete, nachhaltig und kostengünstig zu bauen. Eine herkömmliche Bauweise mit Stein und Beton kam für den Auftraggeber nicht infrage, da diese ihm zu kostspielig und weniger ökologisch erschien. Ein Holzhaus halte „mindestens 50 Jahre“ und habe von unten keine Probleme mit Feuchtigkeit, argumentiert der Bauherr. Das Gebäude steht auf 22 Stahlstelzen, die drei bis sieben Meter tief in den Boden geschraubt wurden, und wurde ohne Bodenversiegelung, Baumfällungen, Beton oder Baukran in den Baumbestand integriert. Aus ökologischer Sicht handele es sich um einen „minimalen Fußabdruck“, sagt der Architekt. Das gesamte Haus ist rückbaubar, sodass die einzelnen Bauelemente leicht getrennt und recycelt werden können.Eine Zimmerei aus Böel führte den Bau im Wesentlichen aus. Die Sohle, das Gerüst in Holzständerbauweise, die Lärchenverkleidung, die Holzfaserdämmung, die Kiefernböden und die mit Rigips-Platten versehenen OSB-Wände bestehen aus Holz. Die Fensterrahmen sind in Türkisblau gestrichen, geheizt wird mit einer Wärmepumpe und das Dach besteht aus Blech. Preislich liegt das Haus im Rohbau bei rund 150.000 Euro, zuzüglich 25.000 Euro für die aufwendige Bodenkonstruktion. Den Innenausbau übernimmt der Bauherr weitgehend selbst. Sollte er jedoch gefragt werden, ob er einspringen könne, würde er sein Glücksburger Schiff für eine kürzere Fahrt auf See immer mal wieder verlassen.