Geteilte Meinungen über die Wasserqualität der Schlei
Während einige Badegäste und Urlauber das Schwimmen in der Schlei trotz Algen genießen, meiden andere das Wasser aus Sorge vor gesundheitlichen Risiken.
Die Wasserqualität der Schlei sorgt bei Anwohnern und Urlaubern für geteilte Meinungen zwischen unbeschwertem Badespaß und gesundheitlichen Bedenken. Während einige Badegäste die Algenbelastung als natürlichen Zustand hinnehmen, meiden andere das Wasser aufgrund von Warnungen vor Bakterien vollständig. Die Entscheidung für oder gegen ein Bad in dem Meeresarm hängt im Sommer zunehmend von den Temperaturen ab. Die Schlei spaltet die Gemüter in der Region, wie die shz berichtet. Seit Jahren warnen Experten vor der schlechten Wasserqualität und der Belastung durch Grün- und Blaualgen im Sommer. Leiter des Schlei Erlebnis- und Informationszentrums (SIEZ) in Fleckeby Karl Walter sprach vor Kurzem sogar von einer großen „Bakterien-Suppe“. Dennoch nutzen viele Menschen den Meeresarm weiterhin für den Wassersport oder zum Baden.
Urlauber zeigen sich unbesorgt
Für die Urlauber Johannes und Nora aus Thüringen war von Anfang an klar, dass sie bei ihrer Reise in den Norden auch ins Wasser wollen. Zusammen mit Sohn Fritz konnten sie sich bei sommerlichen Temperaturen ausgiebig an der Badestelle in Fleckeby erfrischen. Dass zu dieser Zeit grüne Algen im Wasser trieben, störte die drei nicht: „Die Idealvorstellung ist natürlich, dass das Wasser beim Baden glasklar ist. Natur ist aber eben Natur – uns stört das nicht.“ Auch zwei Urlauberinnen aus Husum zeigen sich an der Badestelle in Weseby überrascht von der Frage nach möglichen Bedenken: „Wenn es hier wirklich ein Problem gäbe, hätte die Gemeinde bestimmt ein Schild aufgestellt und vor den Blaualgen gewarnt.“
Ähnlich sehen es Holger Steensen und Andrea Sindram-Kloster aus Kropp. Das Paar besucht die Tochter im dortigen Zeltlager und nutzt am Abend noch schnell die Gelegenheit, ins Wasser zu springen: „Das Wasser ist super. Na klar sind Pflanzen darin, das ist eben Natur“, findet Holger Steensen. „Ich kann nicht bestätigen, dass die Wasserqualität schlecht ist. Wir baden regelmäßig in der Schlei und hatten noch nie Probleme.“ Andrea Sindram-Kloster ergänzt: „Es ist herrlich hier und lädt absolut zum Baden ein.“
Sorgen um die Gesundheit und trübes Wasser
Claudia Jantz aus Fahrdorf geht morgens gern mit ihrem Hund an der Schlei spazieren. Dafür nimmt sie mittlerweile extra einen Behälter mit Frischwasser mit, falls ihr Vierbeiner Durst bekommt. „Ich lasse meinen Hund nicht in die Schlei und auch nicht daraus trinken – die Wasserqualität ist leider zu schlecht“, betont die Fahrdorferin. Ob sie selbst hier noch einmal baden möchte? Jantz schüttelt den Kopf: „Vor Jahren habe ich das ab und an gemacht – bis ich einen ordentlichen Ausschlag bekommen habe.“
Ebenfalls aus Fahrdorf ist an diesem Tag Rinke Pahl mit ihrem Stand-up-Paddle-Board (SUP) angereist. Eigentlich wollte sie aufs Wasser – hat es sich mit Blick auf das Ufer in Fleckeby dann aber ganz schnell anders überlegt: „Wir sind ziemlich enttäuscht. Das Wasser ist richtig trüb und es sind so viele Algen drin. Hier will ich nicht rein.“ In ihrem Heimatort sei es sogar noch schlimmer: „Es ist ja bekannt, dass die Wasserqualität Richtung Schleswig immer schlechter wird. Ich wollte schon vor 20 Jahren nicht, dass meine Kinder dort baden gehen.“ Dennoch lässt sie sich die Sommerstimmung nicht vermiesen: „Wir fahren jetzt an den See oder nach Eckernförde – es gibt hier in der Gegend ja glücklicherweise viele Ausweichmöglichkeiten.“
Befürchtungen vor dem Umkippen des Gewässers
Schleianwohnerin und Ärztin Dr. Christiane Knabe hält SUP-Fahren oder Segeln im Moment zwar noch für machbar, glaubt aber nicht, dass das bei anhaltend hohen Temperaturen so bleibt: „Gerade kann man das noch gut machen. Das ändert sich aber, wenn es anfängt zu stinken und das Wasser trüb wird.“ Aus ihrer Sicht hänge das Problem stark von der Jahreszeit ab: „Eisbaden ist in der Schlei relativ problemlos – nur im Sommer ist es eklig.“ Sie stehe im direkten Austausch mit aktiven Seglern, und dort sei die Meinung klar: Es dauert nur noch wenige Tage, bis die Schlei kippt. „Es fängt jetzt schon an. Bei Windstille blubbert es im flachen, warmen Wasser richtig.“
„Es ist hier einfach ein Paradies – das ist sehr selten und muss geschützt werden“, findet auch Heidi Pollaschek aus Götheby-Holm. „Wir Anwohner wollen, dass uns das erhalten bleibt.“ In diesem Zusammenhang bedauert sie es zutiefst, dass das geplante Informationszentrum neben dem Fleckebyer Privathafen nun doch nicht gebaut wird. Da Pollaschek ganz in der Nähe wohnt, geht sie nach wie vor in der Schlei schwimmen: „Früher bin ich hier viel geschwommen, mittlerweile nur noch ab und zu.“ Dass es allerdings schon vor Jahren – besonders im Hochsommer – zu einer erhöhten Algenbelastung kam, weiß sie noch genau: „Auch früher ist die Schlei gekippt, wenn es richtig heiß war.“
Ob unbeschwerter Badespaß oder die Angst vor der „Bakterien-Suppe“ überwiegt, entscheidet an der Schlei mittlerweile nicht mehr nur das Bauchgefühl, sondern vor allem das Thermometer. Und die Badegäste? Die müssen sich auch in Zukunft wohl von Tag zu Tag neu entscheiden, wie viel „Natur“ sie beim Schwimmen vertragen.
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