Geplantes Rechenzentrum in Langenhorn sorgt für heftige Diskussionen
In Langenhorn regt sich Widerstand gegen den Bau eines riesigen Rechenzentrums. Während Befürworter auf Steuereinnahmen und Arbeitsplätze verweisen, fürchten Anwohner den Verlust ihrer Lebensqualität.
27 Meter hoch? Da weht der Wind hier oben aber ordentlich gegen an.
— Rocky, Chefkolumnist
Illustration: KI-generiert
Ein geplantes Großprojekt sorgt in der Gemeinde Langenhorn für erhebliche Unruhe unter den Einwohnern. Ein süddeutsches Unternehmen plant den Bau eines Rechenzentrums, das erhebliche Steuereinnahmen verspricht, aber wegen seiner Dimensionen auf heftigen Widerstand stößt. Die Entscheidung über das weitere Vorgehen wurde von der Gemeindevertretung vorerst vertagt. Seitdem im Juni öffentlich wurde, welche Dimension das geplante Rechenzentrum in Langenhorn annimmt, kommt die Gemeinde kaum noch zur Ruhe. Die Ausmaße der in der Endausbaustufe vier Gebäude von 27,5 Metern Höhe und einer Grundfläche von 60 mal 30 Metern schockieren viele Einwohner. Das Unternehmen Uniq Land GmbH treibt den Bau voran, wobei die Mega-Digitalfabrik in der maximalen Ausbaustufe auf eine Leistung von 300 Megawatt kommen könnte. Vor allem im Ortsteil Mönkebüll regt sich massiver Protest. Anwohner wie Stefan Ketelsen befürchten Lärm und einen Wertverlust ihrer Häuser. „Diese Gebäude sind fast 30 Meter hoch“, sagt Stefan Ketelsen. Seine Nachbarin Sandra Ketelsen, die sich an der Tiefen Koppel mit ihrem Betrieb und Wohnhaus angesiedelt hat, teilt diese Sorge: „Diese Größe, das ist Wahnsinn“, findet Sandra Ketelsen. „Wir haben hier dann doch keine Lebensqualität mehr.“
Sorgen um den Dorffrieden und finanzielle Zweifel
Bürgermeister Olde Oldsen fürchtet angesichts der Dimensionen und wegen des Standortes des Rechenzentrums um den Dorffrieden. Zudem zweifelt er daran, dass die Gemeinde umgehend von Steuerzahlungen profitieren würde, wie die Projektpläne es in Aussicht stellen. Die Rede ist von jährlichen Gewerbesteuereinnahmen zwischen 3,75 und 6,0 Millionen Euro – je nach Größe des Rechenzentrums. Bei einer Einwohnerversammlung forderten die mehr als 300 Besucher mehrheitlich eine Begrenzung der Bauhöhe auf maximal zwölf Meter statt der geplanten 22,5 Meter plus fünf Meter für technische Dachaufbauten.
Argumente der Projektentwickler und Befürworter
An dem Abend der Versammlung traten die beiden Projektierer Jens Kampkötter und Oliver Keim von der Uniq Land GmbH erstmals öffentlich in Erscheinung. Sie stellten die Vorteile dar, die das Rechenzentrum aus ihrer Sicht bietet: eine neue Einnahmequelle für die Gemeinde, die Schaffung von mindestens 50 neuen Arbeitsplätzen, die Nutzung des vor Ort produzierten Grünstroms und die Belebung des Gewerbegebiets sowie des Ortes im Allgemeinen. Viele im Saal überzeugte das jedoch nicht. Unterstützung erhalten die Projektierer von CDU-Gemeindevertreter und Geschäftsführer der Erschließungsgesellschaft Nordfriesland (EGNF) Jerome Stuck, wie die shz berichtet. Seine Gesellschaft hatte von der Gemeinde Langenhorn den Auftrag erhalten, das neue Gewerbegebiet zu entwickeln. „Ich bin fest überzeugt davon, dass Langenhorn von dem Rechenzentrum auf vielfältige Weise profitieren wird. Viele Gemeinden würden viel dafür geben, ein solches Projekt bei sich realisieren zu können“, sagt Stuck.
Vertagung der Entscheidung
Die Gemeindevertretung vertagte die Entscheidung über das weitere Vorgehen auf August. Dies geschah auch unter dem Eindruck von rund 60 Bürgern, die vor Beginn der Sitzung gegen das Rechenzentrum protestierten. Während der Einwohnerfragestunde musste sich das Gremium zahlreichen kritischen, aber sachlichen Fragen stellen. Auch die Verkäufer der Fläche, auf der das neue Gewerbegebiet entstanden ist, meldeten sich zu Wort: Sie hätten nie verkauft, wenn sie gewusst hätten, dass dort ein großes Rechenzentrum entstehen soll. Federführend bei der Ansiedlung ist die Uniq Land GmbH, die von Jens Kampkötter und Oliver Keim gegründet wurde. Jens Kampkötter arbeitete bis Ende Oktober 2025 auf Managementebene für die CV Real Estate/CV Development GmbH, bevor er sich trennte; bereits im Juli 2025 hatte er die 2K Real Estate GmbH gegründet. Oliver Keim betreibt sein Unternehmen Aurum Obsido GmbH mit Sitz in München seit 2016, das laut Website für Family Offices, Privatiers, Sportler und institutionelle Fonds agiert.
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