Fütterungsverbot für Möwen an der Ostsee eingeführt
In den Ostseegemeinden Grömitz, Dahme und Kellenhusen gilt seit Mai ein Fütterungsverbot für Möwen. Die Maßnahme soll Urlauber sensibilisieren und aggressive Futterdiebstähle verhindern.
Es ist wieder Saison für die Möwen an den Promenaden der Ost- und Nordseeküste, wo Fischbrötchen, Pommes und Eis die Wasservögel anziehen. Urlauber Tim Bernhardt aus dem Harz macht gerade Urlaub mit seiner Familie in Dahme an der Ostsee im Kreis Ostholstein und berichtet von einem Vorfall: „Wir hatten erst gestern das Problem: Meine Tochter hat sich ein Eis geholt, kurz nicht aufgepasst. Dann kam die Möwe im Sturzflug, greift sich das Eis - und haut ab“, wie die Tagesschau berichtet. Aktiv füttern würde der 39-Jährige Möwen nie, doch manche Urlauber tun dies laut der Gemeinde Grömitz weiterhin.
Verbot dient der Sensibilisierung
Für eine erste Bilanz der neuen Verordnung sei es nach Angaben der Gemeinde Grömitz noch zu früh. Das Verbot sei eingeführt worden, „um die Bevölkerung noch stärker dafür zu sensibilisieren, dass das Füttern von Möwen negative Auswirkungen hat.“ Ziel sei es, das Bewusstsein für einen verantwortungsvollen Umgang mit Möwen zu schärfen. Viele Urlauber begrüßen das Verbot. Urlauber Rudolf Löffler meint: „Es sind Wildtiere. Die sollten nicht an die Menschen gewöhnt werden“. Auch Urlauberin Beate Meuß äußert sich ähnlich: „Die Möwen sind wie die Tauben in der Stadt, die sollte man nicht füttern“.Schwierige Kontrollen an den Stränden
Eine Umfrage des NDR an der Strandpromenade von Dahme zeigt jedoch, dass viele Urlauber das Verbot gar nicht kennen. Tourismus-Service-Dahme-Mitarbeiter Thorsten Dücker begrüßt zwar die Aufmerksamkeit für das Thema, sieht aber Probleme bei der Durchsetzung: „Wir sagen das immer wieder über unsere Promenadenlautsprecher durch oder sprechen Gäste direkt an. Aber natürlich bleibt es schwierig, so ein Verbot durchzusetzen und zu vollziehen.“ Eine gezielte Kontrolle durch die Ordnungsbehörde ist laut der Gemeinde Grömitz nicht vorgesehen. „Wenn im Rahmen der normalen Außendiensttätigkeit Verstöße festgestellt werden, werden die Betroffenen angesprochen und der Verstoß gegebenenfalls im Rahmen eines Ordnungswidrigkeitenverfahren geahndet.“ Zudem weist Dücker darauf hin, dass auch offene Müllbehältnisse von Gewerbetreibenden die Tiere anziehen: „Es gibt auch Gewerbetreibende, die ihre Müllbehältnisse nicht vernünftig zumachen. Da können die Tiere dann drinnen rumstöbern.“Anpassung der intelligenten Tiere
BUND-Dahme-Vertreter Axel Kramer betont, dass die Möwen sehr intelligente Tiere seien, die sich ihrer Umgebung angepasst haben. Er erklärt: „Früher blieben drei Möwen oben, eine kam runter und hat das Essen weggeschlagen. Heute bleiben die über den Leuten stehen, bis die ihren Crêpe wegschmeißen.“ Zudem erinnert er daran, dass die Möwen zuerst da waren: „Die Möwen gehören hierher. Die sind seit Hunderten von Jahren hier. Wir sind hierhergekommen und haben denen die Brutstellen weggenommen.“ Statt am Strand brüten die Vögel nun auf Dächern und fressen ungesunde Lebensmittel wie Eiswaffeln und Fischbrötchen. Der NABU warnt, dass Weißbrot, Zucker und fettiges Essen die Tiere krank machen können. Kramer plädiert für ein Miteinander: „Die haben beide ihre Lebensberechtigung hier. Man muss sich eben nur ein bisschen arrangieren.“Um sich vor Möwenattacken zu schützen, helfen einfache Verhaltensregeln. Am besten isst man unter einem Dach oder nutzt einen Schirm, da die Vögel den Zusammenstoß scheuen. Auch das Anlehnen an eine Wand oder das dichte Halten des Essens am Körper erschweren den Raub. Nicht sofort verzehrtes Essen sollte in gut verschlossenen Behältern verpackt werden. Zudem zeigt eine britische Studie, dass Möwen zögern, wenn man sie direkt anstarrt.