Bund verkauft ausgemustertes Forschungsschiff „Meteor III“ über VEBEG
Das fast 100 Meter lange Forschungsschiff „Meteor III“ steht zum Verkauf. Bis zum 22. Juli können Unternehmen Gebote für das schwimmende Labor abgeben.
Ein Forschungsschiff für Bastler. Einmal drüberstreichen, dann läuft der Kahn wieder.
— Rocky, Chefkolumnist
Illustration: KI-generiert
Das ausgemusterte deutsche Forschungsschiff „Meteor III“ steht zum Verkauf. Bis zum 22. Juli können Gebote für das fast 100 Meter lange Schiff abgegeben werden, das jahrzehntelang im Dienst der Wissenschaft stand. Wie die Nordsee-Zeitung berichtet, wird die Versteigerung über das bundeseigene Verwertungsunternehmen VEBEG abgewickelt. Die „Meteor I“ wurde einst in Danzig gebaut, die „Meteor II“ Mitte der 1960er Jahre in der Schichau Seebeckwerft in Bremerhaven. Die nun zum Verkauf stehende „Meteor III“ lief 1986 in der Schlichting-Werft Travemünde vom Stapel. Bis zum 22. Juli um 13 Uhr kann das Schiff im Portal der VEBEG erworben werden. Voraussetzung für eine Teilnahme ist jedoch der Status als Gewerbetreibender. „Privatleute können bei uns nicht mitbieten, nur Unternehmen“, erklärt ein Unternehmenssprecher.
Besichtigung im Emder Hafen
Wer sich vorab registriert hat, kann das Schiff am Dienstag und Mittwoch vor dem Oelhafen in Emden besichtigen. Von 10 bis 15 Uhr führen vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt beauftragte Mittler potenzielle Kunden über das Schiff. Wer diese Interessenten sind, gibt die VEBEG nicht bekannt. Es kann sich um Kunden aus dem In- und Ausland handeln. Nach Angaben des VEBEG-Sprechers kaufen manchmal auch andere Behörden ausgemusterte Güter auf, da sie über die Möglichkeiten zur Instandsetzung verfügen.
Die VEBEG ist das Verwertungsunternehmen des Bundes und vermarktet ausgemusterte bewegliche Güter der öffentlichen Hand, die von Behörden oder der Bundeswehr nicht mehr benötigt werden. Alleinige Gesellschafterin des Unternehmens ist die Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch das Bundesministerium der Finanzen.
Technische Daten und wissenschaftliche Ausrüstung
Die „Meteor III“ ist 97,5 Meter lang, 16,5 Meter breit und weist einen Tiefgang von 5,6 Metern auf. Bis Ende Juni war das Schiff in Fahrt und befindet sich nun im sogenannten „Warm Lay-up“, einem betriebsnahen Zustand. Das Schiff war 40 Jahre lang für die ozeanografische und hydrografische Forschung im Einsatz und bietet Platz für 34 Crewmitglieder sowie bis zu 30 Wissenschaftler. An Bord befinden sich 20 Labore mit rund 400 Quadratmetern Arbeitsfläche.
Zur nautischen Ausstattung gehören unter anderem ein integriertes Brückensystem, ein elektronisches Seekarten- und Navigationssystem, Radar, AIS, GPS, Autopilot und Echolot. Die wissenschaftliche Ausrüstung umfasst spezielle Echolote, Systeme zur Strömungsmessung, ein Unterwasser-Positionierungssystem sowie Thermosalinografen zur kontinuierlichen Messung von Wassertemperatur und Salzgehalt. An Deck befinden sich Krane und wissenschaftliche Winden, zudem werden zwei 20-Fuß-Container mit Ausrüstung mitverkauft. Der Antrieb erfolgt diesel-elektrisch über vier Hauptantriebsmaschinen, zusätzliche Antriebseinheiten und ein Bugstrahlruder.
Bekannte Mängel und Verkaufsbedingungen
Kaufinteressenten werden bestehende Mängel nicht verschwiegen. Im Rumpf existiert eine partielle Durchrostung zwischen zwei Ballastwassertanks, die derzeit als nicht kritisch gilt, aber nicht repariert wird. Zudem gibt es eine Durchrostung im Rohrbündel des Abgaskessels Nummer 3, weshalb dieser bereits 2018 dauerhaft außer Betrieb genommen wurde. Auch bei der hydroakustischen Ausrüstung und dem Unterwasser-Positionierungssystem gibt es Defekte, deren Reparatur nur im Trockendock möglich wäre.
Was das Forschungsschiff letztlich kostet, bestimmt der Markt. Die meisten Güter werden auf der Internetseite der VEBEG in einer verdeckten Auktion angeboten, bei der Interessenten ein realistisches Angebot abgeben müssen. Im Fall der „Meteor III“ wird der Zuschlagspreis am Ende veröffentlicht. Das Nachfolgeschiff „Meteor IV“ wurde unterdessen bei der Meyer Werft zusammen mit Fassmer aus Berne gebaut.
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