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Vom Kurzurlaub zur neuen Heimat: Wie Noël Kaboré in Bremerhaven ankam

Ein ungeplanter Zwischenstopp in der Seestadt veränderte das Leben von Noël Kaboré nachhaltig. Heute engagiert sich der 46-Jährige dort ehrenamtlich und hat im sozialen Bereich seine Berufung gefunden.

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Drei Tage Bremerhaven und schon festgequatscht – so schnell geht das bei uns im Norden. — Rocky, Chefkolumnist
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Ein ungeplanter Kurzurlaub im Jahr 2024 hat das Leben von Noël Kaboré grundlegend verändert. Aus pragmatischen Gründen reiste der heute 46-Jährige nach Bremerhaven und beschloss spontan, seinen Lebensmittelpunkt dorthin zu verlegen. Mittlerweile ist er in der Seestadt fest integriert, engagiert sich ehrenamtlich und arbeitet im sozialen Bereich.
Noël Kaboré kam im Jahr 2024 das erste Mal nach Bremerhaven, aus ganz pragmatischen Gründen: Seine Tochter war in einem Ferienlager in Holland und konnte in Köln oder Bremerhaven abgeholt werden. Von Halle aus war Bremerhaven näher, weshalb die Wahl auf die Seestadt fiel. Kaboré reiste drei Tage früher an, ohne zu wissen, dass dieser Kurzurlaub sein Leben verändern würde. Über sein erstes Aufeinandertreffen mit der Stadt sagt er: „Ich war baff. Ich dachte, in so einer Stadt möchte ich leben.“ Ein Jahr später zog er um. Als er damals ankam, wollte er die Stadt erkunden. Bremerhavener hatten ihm geraten, sich am Deich den Sonnenuntergang anzuschauen. „Ich bin bis Mitternacht dort geblieben“, erzählt der 46-Jährige begeistert. Kaboré hat eine offene Art. Als er sich am Neuen Hafen Schiffe ansehen wollte, kam er mit einem älteren Paar schnell ins Gespräch.

Schiffergilde Bremerhaven: Ein Versprechen wird zur Mitgliedschaft

Die beiden erzählten ihm von der Schiffergilde und luden ihn ein, Mitglied zu werden. Kaboré lehnte zunächst ab, weil er nur Urlaub machte. Wenn er eines Tages hierherziehen sollte, solle er beitreten. „Ich habe ihnen versprochen, dass ich das mache“, erzählte Kaboré. Heute ist er Mitglied im Verein. Dank seiner kommunikativen Art fällt ihm die Integration leicht. „Ich muss die Menschen vor Ort kennen“, sagt er. Beim Spazierengehen spricht er Bremerhavener an, egal ob am Deich, am Holzhafen oder am Fischereihafen, wo er gerne Zeit verbringt. „Die Menschen hier sind offen, ich liebe einfach Bremerhaven“, sagt er.

Ehrenamtliches Engagement in Bremerhaven als Wohlfühlfaktor

Für Kaboré ist es wichtig, sich in einer Stadt zu engagieren. „Ich muss Verantwortung für den Ort, an dem ich lebe, tragen“, schildert er. Jeder solle sich fragen, was er beiträgt, um die Gesellschaft besser zu machen. Ein Beitrag müsse dabei nicht für alle sichtbar sein. Kaboré engagiert sich ehrenamtlich in einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung und ist auf TikTok aktiv. Unter dem Namen LeNoble veröffentlicht er kurze Videos. Sein Ziel ist es, andere Menschen zu motivieren. Mittlerweile hat er 150.000 Follower. Die meisten Inhalte sind auf Französisch, der Amtssprache in Burkina Faso, seinem Geburtsland. 2008 ist er nach Deutschland gekommen. „Ich freue mich, dass ich einen Migrationshintergrund habe“, sagt er. Natürlich habe er auch schon Rassismus erlebt.

Gegen Fremdenfeindlichkeit und für den Zusammenhalt

Fremdenfeindlichkeit erklärt er als einen Mangel an Wissen. In seinem Werdegang hat er sich immer wieder in Initiativen dagegen engagiert. 2020 erhielt er dafür von der SPD den Reinhard-Höppner-Engagementpreis. „Ich kenne nur Zusammenhalt, ich kenne diesen Hass nicht“, sagt er. Diese Haltung habe ihm Erfahrungen ermöglicht, die ihm sonst verwehrt geblieben wären. Kaboré lebt einen Leitspruch aus der Bibel: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ Der Glaube spielt in seinen jungen Jahren in Burkina Faso eine wichtige Rolle. „Ich bin ein Kirchenkind“, sagt Kaboré. Er war in Kinder- und Jugendgruppen aktiv, und auch als Erwachsener brachte er sich in der Kirche ein. „Vielleicht habe ich dadurch einen anderen Blick für das Leben und die Welt“, sagt er. Er habe keine Hemmungen, mit fremden Menschen zu sprechen und Verantwortung zu übernehmen. Zum Gespräch brachte Noël Kaboré einen kleinen Globus mit, berichtet die Nordsee-Zeitung. „Heimat ist nicht fest mit einem Ort verbunden, sondern mit meinem Wohlfühlen.“ Heimat könne überall sein. Es sei eine falsche Vorstellung, dass Menschen nur an einen bestimmten Ort gebunden seien. Gott habe die Menschen so nicht geschaffen. „Wir sind freie Menschen, aber die Menschen haben es geschafft, sich Grenzen zu setzen“, kritisiert er. In Dresden studierte er Soziale Arbeit. „Soziale Arbeit ist keine Arbeit, es ist eine Berufung“, erklärt Kaboré. Bevor er nach Bremerhaven gekommen ist, machte er sich auf Jobsuche. Drei Bewerbungen, drei Zusagen. Nun arbeitet er im Sozialbereich für die Stadt. „Ich kenne Arbeit nur mit dem Ziel, dass Menschen sich zusammen gut fühlen, dass Menschen wirklich glücklich sind“, sagt er. Kaboré lebt mit seinen beiden Kindern im Alter von acht und fünfzehn Jahren in Bremerhaven. Beide seien hier ebenfalls überglücklich. „Sie wissen, wie ihr Papa tickt“, sagt Kaboré mit Blick auf sein Engagement und sein Wertebild. Seine Kinder leben das ebenfalls. Manchmal, erzählt er, wollten die beiden es aber schon zu gut machen, sich überall einbringen. „Dann sage ich: Ihr müsst wirklich nicht die Verantwortung dafür tragen“, sagt er und lacht – im Klaren darüber, dass sie diese Eigenschaft von ihm haben.

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