Vom Bayerischen Wald nach Sylt: Sommelier Niklas Ertl unter den „Top 30 unter 30“
Der 28-jährige Sommelier Niklas Ertl wollte eigentlich nie wieder nach Sylt zurückkehren. Nun arbeitet er in Keitum und gehört laut dem Gourmetmagazin „Der Feinschmecker“ zu den besten Nachwuchstalenten Deutschlands.
Als Kind holte Niklas Ertl die Weinflaschen für seinen Vater aus dem Keller. Mit 18 Jahren zog es ihn vom Bayerischen Wald ans andere Ende Deutschlands. Zehn Jahre später arbeitet der heute 28-Jährige auf Sylt und gehört im Bereich „Sommelier“ zu den Top-Nachwuchstalenten. Seine Karriere an der Nordsee begann ungeplant. Nach seiner Ausbildung suchte er sich die 20 besten Restaurants Deutschlands heraus und bewarb sich im Söl’ring Hof auf Sylt, dessen Weinkarte ihn überzeugte. Erst danach schaute er nach, wo sein neuer Arbeitsplatz lag. „Dann habe ich gesehen: Das ist ja am anderen Ende von Deutschland“, erinnert er sich lachend, wie die shz berichtet.
Ausbildung und der Weg über Wien
Im Jahr 2017 kam er zum ersten Mal für ein Bewerbungsgespräch auf die Insel. Im Söl’ring Hof begann er als Chef de Rang und stieg zum Commis Sommelier auf. Ende 2019 zog er nach Wien, um weiterzulernen. Als die Gastronomie wegen der Corona-Pandemie schließen musste, sammelte er bei Winzer Roland Velich praktische Erfahrungen im Weinberg und Weinkeller. Im Jahr 2021 meldete sich Gastronom Johannes King bei ihm, da Sylt als touristische Modellregion die Gastronomie früher öffnen durfte, und fragte, ob er zurückkommen wolle. „Dann habe ich mir gedacht: Ja komm, jetzt machst du doch noch mal ein Jahr Sylt.“ Dabei hatte er sich eigentlich vorgenommen, nie wieder auf die Insel zurückzukehren, da sie ihm schlicht „zu weit weg von allem“ gewesen sei.Auszeichnungen und die Rolle als Gastgeber
Aus dem geplanten Jahr sind inzwischen mehrere geworden. Heute lebt der Sommelier wieder auf Sylt und ist vor neun Monaten Vater einer Tochter geworden. Dass sein Weg in der Branche wahrgenommen wird, zeigt die Auszeichnung des „Feinschmeckers“ in der Kategorie Sommelier. Zuvor erreichte er bereits bei einem Ranking des Gastronomiemagazins „Rolling Pin“ Platz drei von 50. Trotzdem seien ihm Auszeichnungen heute weniger wichtig als früher. „Die tägliche Bestätigung gibt einem mehr“, sagt er. Zufriedene Gäste und die Anerkennung von Kollegen bedeuteten ihm inzwischen mehr als Platzierungen.Ohnehin definiert sich der Sommelier nicht allein über sein Fachwissen. „In erster Linie bin ich Kellner“, sagt er. Wein sei für ihn ein Zusatz, entscheidend sei es, ein guter Gastgeber zu sein, Menschen einschätzen zu können und dafür zu sorgen, dass sie sich wohlfühlen. Manchmal gehöre dazu auch, ein bisschen Quatsch zu machen. „So ein bisschen Animateur“, sagt er lachend.
Wenn er seine Schicht in Keitum antritt, klappern die Weingläser. „Eigentlich bin ich hauptsächlich Kellner“, sagt der Wahl-Sylter bescheiden. Wohin der nächste Schritt führen wird, weiß der 28-Jährige noch nicht. Vielleicht bleibt er auf der Insel, vielleicht geht es irgendwann weiter. An Sylt schätzt er inzwischen besonders das enge Miteinander unter den Gastronomen. Man kennt sich, unterstützt sich und tauscht sich aus.