Stillstand auf dem Ackmann-Gelände: Pläne für Wohngebiet bleiben auf Eis
Nach den geplatzten Bebauungsplänen für die ehemalige Kleingartenanlage in Bremerhaven-Lehe gibt es weiterhin keine neuen Pläne für das Areal. Politik und Verbände diskutieren über die Zukunft der brachliegenden Fläche.
Seit Jahren prägen wuchernde Brombeersträucher, wildes Gestrüpp und verwüstete Gartenhäuschen das 5,8 Hektar große Ackmann-Gelände in Lehe. Ein älteres Ehepaar fragt sich beim Spaziergang mit seinem Hund angesichts der langen Absperrung: „Was der Bauzaun wohl kostet?“ Vor gut drei Jahren wollte die Politik, genauer die Koalition aus SPD, CDU und FDP, hier noch den Bau von 45 Ein- und drei Mehrfamilienhäusern ermöglichen, um die Abwanderung bauwilliger Familien ins Umland zu verhindern. Nach Protesten von Anwohnern legte SPD-Fraktionsvorsitzender Sönke Allers das Thema jedoch kurz vor der Wahl zur Stadtverordnetenversammlung 2023 ad acta, wie die Nordsee-Zeitung berichtet.
Keine neuen Baupläne in Sicht
An diesem Zustand hat sich bis heute nichts geändert. „Entsprechend der politischen Vorgabe, das Baugebiet aktuell nicht weiterzuverfolgen, sind die Bauleitplanverfahren an dieser Stelle eingestellt worden“, teilt ein Sprecher der Stadt mit. Allers begründet die damalige Entscheidung heute mit den hohen Erschließungskosten: Die Herstellung der Baureife hätte Kosten verursacht, die die zu erwartenden Einnahmen aus den Grundstücksverkäufen deutlich überstiegen hätten. Deshalb habe die SPD den Fokus „auf die Entwicklung anderer, wirtschaftlich tragfähigerer Wohnbauflächen“ in den Stadtteilen gelegt.
Angesichts der äußerst angespannten Haushaltslage der Stadt Bremerhaven „gibt es seitens der SPD derzeit keine politischen Überlegungen, die Entwicklung des Gebietes Ackmann erneut aufzugreifen“, teilt Allers auf Nachfrage mit. Er fügt hinzu: „Sollte der Bund künftig Förderprogramme zur Entwicklung von Naturflächen mit einer geringen kommunalen Eigenbeteiligung auflegen, wird die SPD eine Beteiligung Bremerhavens ausdrücklich unterstützen“, so Allers weiter. Die Unterhaltung der Fläche obliegt dem Magistrat und den zuständigen städtischen Gesellschaften. Die Stäwog hat an den Bauzäunen „Betreten verboten“-Schilder aufgehängt.
Koalition schließt Entwicklung bis 2027 aus
Auch die Koalitionspartner sehen vorerst keinen Handlungsbedarf. CDU-Fraktionsvorsitzender Thorsten Raschen stellt klar, dass es in der bis 2027 dauernden Legislaturperiode keine weiteren Tätigkeiten auf dem Ackmann geben werde, und verweist auf einen entsprechenden Passus im Koalitionsvertrag. FDP-Fraktionsvorsitzender Bernd Freemann verweist ebenfalls auf das Koalitionspapier und fügt hinzu: „Wie sich das Ackmann-Gelände langfristig entwickeln wird, ist eine Entscheidung, die gegebenenfalls eine neue Stadtverordnetenversammlung beziehungsweise eine neue Koalition treffen muss.“ Die in der Opposition befindlichen Grünen waren schon vor drei Jahren gegen eine Bebauung. Grünen-Fraktionschef Claudio Kaminiarz betont, dass der weitgehend unverbaute Bereich nördlich der Geeste eine wichtige Rolle als Frischluftschneise für das Stadtklima spiele.
Forderungen nach einem Pflegekonzept
Unterdessen sorgt der Zustand der abgesperrten Fläche für Diskussionen, da sich bei Überwindung des Bauzauns unbefugte Nutzer einstellen, die Müll und Grünabfälle abladen. Vorsitzender des Bezirksverbands der Gartenfreunde Bremerhaven-Wesermünde Timo Hörske wünscht sich, dass ein Plan entwickelt wird, wie die Stadt in Zukunft mit dem Ackmann-Gelände umgeht. „Es eigne sich als Naherholungsgebiet und brauche Pflege.“ Trotz einer gewissen Beruhigung gebe es Sorgen wegen der alten Parzellenhäuschen, illegaler Übernachtungen, Müll und Unrat. Hörske schlägt vor, das Ackmann-Gelände als Ausgleichsfläche zu nutzen und zu renaturieren. Auch Freemann reißt solche Überlegungen an und erklärt, sie „befinden sich jedoch noch in einem frühen Stadium“.