Gastronomie im Cuxland: Immer mehr Landgasthöfe müssen schließen
Der Rückgang traditioneller Gasthäuser im Cuxland setzt sich weiter fort und belastet den Branchenverband DEHOGA. Trotz einer Senkung der Mehrwertsteuer stehen die verbleibenden Betriebe vor enormen Kostensteigerungen.
Denn trink ich mein Bier eben im Schützenhaus. Schmeckt auch.
— Rocky, Chefkolumnist
Illustration: KI-generiert
Die Zahl der traditionellen Landgasthöfe im Cuxland geht weiter zurück, was zu einem spürbaren Mitgliederschwund im Branchenverband DEHOGA führt. Neben Nachfolgeproblemen und Austritten belasten steigende Kosten für Lebensmittel, Energie und Zinsen die verbleibenden Betriebe schwer. Eine Senkung der Mehrwertsteuer bringt den Gastronomen zwar eine Atempause, wird jedoch nicht zu sinkenden Preisen für die Gäste führen. Nachdem im Jahr 2024 bereits drei Gasthöfe in der Gemeinde Wurster Nordseeküste schlossen, lag der Schwerpunkt der Betriebsaufgaben im vergangenen Jahr im Süden des Altkreises Wesermünde. Mit der Gastwirtschaft Würger in Uthlede, dem Tafelhof in Sellstedt, dem Krombacher Hof in Elmlohe und Büttelmann in Wollingst stellten im Jahr 2025 gleich vier Saalbetriebe ihren Betrieb ein, wie die Nordsee-Zeitung berichtet. Die Gründe für die Schließungen sind vielfältig. Mal fehle ein Nachfolger, mal seien es gesundheitliche Gründe oder der Ruhestand, erklärte DEHOGA-Kreisvorsitzender Olaf Wurm auf der jüngsten Jahrestagung des Kreisverbandes Wesermünde-Hadeln.
Mitgliederschwund und die Folgen für die Dörfer
„In vielen Dörfern ist man inzwischen daran gewöhnt, dass das Trauercafé neben Pokalen im Schützenhaus stattfindet“, beklagt Wurm die schwindende Zahl der traditionellen Gasthäuser. Dieser Trend spiegelt sich auch in den Mitgliederzahlen wider. Auf der Ebene des Bezirksverbandes, dem neben Wesermünde-Hadeln auch Cuxhaven, Bremervörde, Stade, Osterholz, Rotenburg und Verden angehören, sank die Zahl der Mitgliedsbetriebe von 2024 zu 2025 von 604 auf 594. Der Kreisverband Wesermünde-Hadeln verlor im selben Zeitraum vier Betriebe. Im Vergleich zum Jahr 2014, dem Fusionsjahr der Kreisverbände Land Hadeln und Wesermünde, wird der Rückgang noch deutlicher: Damals brachte allein Wesermünde über 140 Betriebe ein, während es heute im gesamten Kreisverband nur noch 123 sind. Der Verband benötigt diese Beiträge jedoch dringend für seine Kampagnen. So erstreitete der DEHOGA zwar eine Reduzierung der Mehrwertsteuer auf 7 Prozent für Speisen, wovon jedoch auch Nicht-Mitglieder profitieren, die Wurm als „Trittbrettfahrer“ bezeichnet.
Mehrwertsteuersenkung bringt keine Preissenkungen
Gäste werden trotz der seit dem 1. Januar 2026 geltenden geringeren Mehrwertsteuer nicht mit sinkenden Preisen rechnen können. Diese Erwartung hatten Politik und Gastronomen bereits im Vorfeld gedämpft. Fachberater für die Bereiche Hotellerie und Gastronomie Dr. Hartmut Meyer bestätigte dies auf der DEHOGA-Versammlung im Gasthaus „Fisch & Meer“ in Dorum-Neufeld. Meyer betonte: „Die Mehrwertsteuersenkung gibt Ihnen als Gastronomen eine Atempause, mehr aber auch nicht.“
Enorme Kostenbelastungen für die Gastwirte
Die Betriebe stehen vor massiven wirtschaftlichen Herausforderungen. Neben dem gestiegenen Mindestlohn belasten hohe Lebensmittelpreise, die „insbesondere beim Rindfleisch exorbitant gestiegen“ seien, so Meyer, die Kalkulationen. Hinzu kommen anhaltend hohe Energiekosten, Hygieneauflagen und die Zinsentwicklung, die der Berater als „echten Killer“ bezeichnete. Ein Schweineschnitzel müsste heute eigentlich für mindestens 25 oder 26 Euro statt der bisherigen 18 Euro verkauft werden, was Kunden jedoch kaum bezahlen würden. Zudem verändern sich die Reisegewohnheiten: Obwohl die Reiselust im Inland ungebrochen ist, weichen viele Urlauber auf Ferienwohnungen aus. „Der Urlaub“, so Meyer, „findet heute vor allem in der Ferienwohnung statt, nicht mehr in den gastronomischen Betrieben.“
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