Militärischer Ausbau an Weser und Elbe: Region Bremerhaven-Cuxhaven im Fokus
Die Region Bremerhaven-Cuxhaven könnte vor einer umfassenden militärischen Neuordnung stehen. Geplant sind Investitionen in Milliardenhöhe sowie die mögliche Reaktivierung ehemaliger Standorte.
Der Besuch von Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) am Montag in Bremerhaven und Cuxhaven wird mit Spannung erwartet. Neben der Unterstützung des SPD-Wahlkampfs für die anstehenden Kommunalwahlen in Niedersachsen sowie die Bürgerschafts- und Stadtverordnetenwahl in Bremen und Bremerhaven steht die sicherheitspolitische Zukunft der Region im Fokus. Es zeichnet sich ein umfassender Ausbau der militärischen Infrastruktur ab. Da die Deutsche Marine zusätzliche Kapazitäten benötigt, prüft das Bundesverteidigungsministerium neben Wilhelmshaven einen zweiten Marinestandort an der Nordseeküste, wobei Bremerhaven mit Emden konkurriert. Für Bremerhaven sprechen leistungsfähige Hafenanlagen, Werften, die Marineoperationsschule sowie die Erfahrung als NATO-Logistikdrehscheibe.
Pläne für einen neuen Marinehafen und Milliardeninvestitionen
Nach Informationen der Marine haben sich hochrangige Vertreter bereits vor Ort ein Bild von der Lage gemacht, berichtet die Nordsee-Zeitung. Im Mittelpunkt standen Flächen am Blexer Bogen, der ursprünglich für den „Energy-Port“ vorgesehen war. Unabhängig von der Entscheidung über den Marinehafen plant der Bund Investitionen von rund 1,35 Milliarden Euro in den Ausbau eines maritimen Logistik-Hubs in Bremerhaven, um militärische Transporte für die Bundeswehr und die NATO schneller abzuwickeln.
Reaktivierung der Kaserne in Altenwalde
Parallel dazu wird die ehemalige Hinrich-Wilhelm-Kopf-Kaserne in Altenwalde im Rahmen der Strategischen Liegenschaftsreserve als möglicher Bundeswehrstandort geprüft. „Dabei werden wir mit allen relevanten Akteuren die Möglichkeiten und Herausforderungen im Detail vor Ort erörtern“, so ein Bundeswehr-Sprecher. Die Kaserne soll künftig eine Rolle bei der Ausbildung des Heimatschutzes spielen, insbesondere im Bereich der Drohnennutzung und -abwehr, worüber zuvor das Fachportal Defence Network berichtete.
Die Erfahrungen aus dem Krieg in der Ukraine verändern derzeit die Ausbildung der Bundeswehr grundlegend. Neben dem Einsatz unbemannter Systeme gewinnt vor allem die Fähigkeit an Bedeutung, Drohnen frühzeitig zu erkennen und Angriffe wirksam abzuwehren. „Drohnen sind längst Standard im Truppenalltag“, sagte Pistorius kürzlich bei einem Besuch bei der Luftwaffe in Schortens in Friesland.
Ein neues sicherheitspolitisches Dreieck
Unmittelbar vor den Toren Altenwaldes liegt der Marinefliegerstützpunkt Nordholz. Mit der Stationierung der neuen Seefernaufklärer vom Typ P-8A Poseidon wächst seine strategische Bedeutung erheblich. Aus Bundeswehrkreisen in Nordholz heißt es, es sei nicht ausgeschlossen, dass in Altenwalde ein Drohnenkompetenzzentrum geplant ist. Sollten sich diese Bausteine verbinden, könnte sich die Region von einem traditionellen Hafenstandort zu einem maritimen Sicherheits- und Logistikstandort mit bundesweiter Bedeutung entwickeln.