Militärischer Ausbau an der Nordseeküste: Region Bremerhaven vor sicherheitspolitischer Neuordnung
Die Region zwischen Bremerhaven und Cuxhaven steht möglicherweise vor einer umfassenden militärischen Neuordnung. Neben einem neuen Marinehafen stehen auch Milliardeninvestitionen in die Infrastruktur und die Reaktivierung einer Kaserne im Raum.
Ein neuer Marinehafen? Hauptsache, die lassen meinen Krabbenkutter in Ruhe.
— Rocky, Chefkolumnist
Illustration: KI-generiert
Die Region zwischen Bremerhaven und Cuxhaven steht möglicherweise vor einer weitreichenden sicherheitspolitischen Neuordnung. Im Zuge des geplanten Ausbaus der Bundeswehr und veränderter Sicherheitslagen in Europa wird über einen neuen Marinehafen sowie erhebliche Investitionen in die militärische Infrastruktur entschieden. Ein Besuch des Bundesverteidigungsministeriums am Montag wird in der Region daher mit Spannung erwartet. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) besucht am Montag Bremerhaven in Bremen und Cuxhaven in Niedersachsen. Ob der Minister bereits neue Entscheidungen oder Signale mitbringt, ist offen, zumal er auch den Wahlkampf für die SPD unterstützen will. In Niedersachsen stehen im Herbst Kommunalwahlen an, in Bremen im Mai die Bürgerschaftswahl und die Bremerhavener Stadtverordnetenwahl. Es zeichnet sich jedoch ab, dass es längst nicht mehr nur um ein einzelnes Projekt geht, sondern um einen umfassenden Ausbau der militärischen Infrastruktur zwischen Weser und Elbe. Wie die Nordsee-Zeitung berichtet, haben sich hochrangige Vertreter der Marine bereits vor Ort am Blexer Bogen ein Bild von der Lage gemacht, wo ursprünglich der „Energy-Port“ vorgesehen war.
Marinehafen und Milliardeninvestitionen
Die Deutsche Marine benötigt aufgrund der veränderten sicherheitspolitischen Lage in Europa und des personellen sowie materiellen Ausbaus der Bundeswehr zusätzliche Kapazitäten. Das Bundesverteidigungsministerium prüft daher neben Wilhelmshaven einen zweiten Marinestandort an der Nordseeküste, wobei Bremerhaven mit Emden konkurriert. Für Bremerhaven sprechen leistungsfähige Hafenanlagen, Werften, Reparaturdocks, die Marineoperationsschule (MOS) sowie die Erfahrung als NATO-Logistikdrehscheibe. Unabhängig von dieser Entscheidung plant der Bund Investitionen in Höhe von rund 1,35 Milliarden Euro in den Ausbau eines maritimen Logistik-Hubs in Bremerhaven, um militärische Transporte für die Bundeswehr und die NATO schneller abzuwickeln.
Reaktivierung der Kaserne in Altenwalde
Parallel dazu wird die ehemalige Hinrich-Wilhelm-Kopf-Kaserne in Altenwalde im Rahmen der Strategischen Liegenschaftsreserve des Verteidigungsministeriums als möglicher Bundeswehrstandort geprüft. „Dabei werden wir mit allen relevanten Akteuren die Möglichkeiten und Herausforderungen im Detail vor Ort erörtern“, erklärte ein Bundeswehr-Sprecher. Nach Informationen soll Altenwalde künftig auch eine Rolle bei der Ausbildung des Heimatschutzes spielen, insbesondere im Umgang mit Drohnen und der Drohnenabwehr, worüber zuvor das Fachportal Defence Network berichtet hatte. Die Erfahrungen aus dem Ukraine-Krieg verändern die Ausbildung grundlegend. „Drohnen sind längst Standard im Truppenalltag“, sagte Pistorius kürzlich bei einem Besuch bei der Luftwaffe in Schortens in Friesland.
Ein neues maritimes Sicherheitscluster
Direkt vor den Toren Altenwaldes liegt der Marinefliegerstützpunkt Nordholz, dessen strategische Bedeutung durch die Stationierung neuer Seefernaufklärer vom Typ P-8A Poseidon erheblich wächst. Aus Bundeswehrkreisen in Nordholz heißt es, es sei nicht ausgeschlossen, dass in Altenwalde ein Drohnenkompetenzzentrum geplant ist. Zusammen mit dem möglichen Marinehafen in Bremerhaven, den Logistikinvestitionen und dem Stützpunkt Nordholz könnte so ein sicherheitspolitisches Dreieck entstehen. Sollten sich diese Bausteine verbinden, könnte sich die Region von einem traditionellen Hafenstandort zu einem maritimen Sicherheits- und Logistikstandort mit bundesweiter Bedeutung entwickeln.
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