Glücksburger Politik prüft stadtweites Böllerverbot für Silvester
Die Politik in Glücksburg diskutiert über ein Verbot von Silvesterfeuerwerk auf der Halbinsel Holnis und im gesamten Stadtgebiet. Neben dem Schutz von Tieren erhoffen sich Befürworter auch touristische Vorteile für Hundebesitzer.
Kein Geböller an Silvester? Meine Ohren und die Möwen würden sich freuen.
— Rocky, Chefkolumnist
Illustration: KI-generiert
Die Politik in Glücksburg prüft die Einführung eines weitreichenden Böllerverbots, das neben der Halbinsel Holnis das gesamte Stadtgebiet umfassen könnte. Ein entsprechender Prüfauftrag an die Verwaltung wurde einstimmig beschlossen, um rechtliche Möglichkeiten für eine Einschränkung von Silvesterfeuerwerk auszuloten. Neben dem Naturschutz stehen dabei auch die Interessen von Haustierbesitzern und touristische Potenziale im Fokus der Diskussion. Wie die shz berichtet, geht die Initiative auf einen Bericht des Nabu im Ausschuss für Tourismus, Wirtschaft, Energie und Umwelt (TWEU) zurück. Die Naturschutzorganisation wünscht sich eine feuerwerkskörperfreie Zone auf der gesamten Halbinsel Holnis, also auch in den Ortschaften Drei und Schausende, in denen es bisher erlaubt ist. Betreuerin der Nabu-Station Holnis Silvia Brenke erklärt dazu: „Das Wasser überträgt den Schall. Gerade um Silvester sind viele rastende Vögel und Wasservögel auf Holnis. Sie werden durch das Knallen aufgeschreckt und fliegen auf. Dabei senkt sich ihre Körpertemperatur, und sie werden geschwächt“
Rechtliche Hürden und unterschiedliche Ansichten
Ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes hat die Angelegenheit geprüft und seine Ergebnisse in der vergangenen Ausschuss-Sitzung vorgelegt. Er kommt zu dem Schluss, dass das Abbrennen pyrotechnischer Gegenstände zwischen dem 31. Dezember und 1. Januar nach Bundes-Sprengstoffgesetz im Bereich der Halbinsel Holnis grundsätzlich erlaubt sei. Laut Gesetz seien Einschränkungen nur in der Nähe von Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Altersheimen sowie brandempfindlichen Gebäuden und Anlagen möglich. Solche Gebäude sieht er nicht auf Holnis. Zudem hält er eine Überwachung des geplanten Verbots für „nicht darstellbar“. Dem widersprach Ausschussmitglied Petra Thiesen, was die Existenz brandempfindlicher Gebäude auf Holnis angeht, und zählte reetgedeckte Häuser, eine Holzhaus-Siedlung und Tierhöfe mit Heuvorräten auf.In der Bürgerfragestunde zu Beginn der Sitzung hatten sich Glücksburger – allesamt Hundebesitzer – zu Wort gemeldet. Eine von ihnen, Birgit Hoepfner, verfolgt seit Jahren im Netz juristische Stellungnahmen und Gutachten zum Thema. Sie weiß von Gemeinden, die über Landesgesetze zum Immissions- und Lärmschutz Verbote erlassen haben, zum Beispiel im Amt Kropp-Stapelholm. „Da ist auch in Glücksburg etwas möglich“, ist die 71-Jährige überzeugt, deren inzwischen verstorbener Hund so sehr unter der Knallerei litt, dass sie jahrelang über Silvester nach Amrum floh. Zwei Mitstreiter vom Bremsberg, Klaus Sommer und Dirk Johannsen, berichten ebenfalls von auffällig viel Krach, Sachbeschädigung und Dreck an ihrem Wohnort jedes Jahr zwischen Weihnachten und den ersten Januartagen. Sie wünschen sich eine bürgerverständliche und justiziable Einschränkung der Knallerei.
Einstimmiges Votum für eine Neuprüfung
Im Ausschuss wurde ein Stimmungsbild abgefragt. Das Ergebnis: Die Politiker sind einstimmig dafür, pyrotechnische Gegenstände in ganz Glücksburg zumindest einzuschränken. Sie beauftragten die Verwaltung erneut um Prüfung nach neuester Rechtsprechung. Bürgermeister Egon Perschk rechnet mit der Umsetzung eines möglichen Böllerverbots jedoch nicht zum nächsten Jahreswechsel. Die Möglichkeit, dass das Oberverwaltungsgericht (OVG) das „einkassiert“, sei zu groß.Ausschussmitglied Julian Haug sprach sich für eine Sensibilisierung für das Thema in der Bevölkerung aus. Als erste Maßnahme könne man Schilder aufstellen und Gäste mit der Thematik vertraut machen, wobei die Tourismusagentur GLC helfen soll. Am Ende könnte es ein großer Erfolg werden: „Böllerfrei mit Hund an Silvester in Glücksburg“. Amrum fahre mit diesem Angebot sehr gut, berichtete Perschk. Das OVG hatte zwar im Dezember 2025 ein Komplettverbot für Silvesterfeuerwerk auf Amrum und Föhr aufgehoben. Das Amt hatte aber sofort mit einer „Allgemeinverfügung“ reagiert. Längst sei es auf den beiden Inseln „akzeptierte Praxis“, auf Silvesterfeuerwerk zu verzichten, so Geschäftsführer der Amrum Touristik Frank Timpe.
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