Erinnerungen an die gesperrten Klappbrücken am Alten Hafen in Bremerhaven
Die 91-jährige Edith Rudolph blickt auf die Geschichte der maroden Klappbrücken in Bremerhaven zurück. Ihre Familie betrieb jahrzehntelang eine Gaststätte direkt an der historischen Anlage.
Morsche Pfähle wegen Muscheln? Da hilft wohl nur noch ordentlich rüberschrubben.
— Rocky, Chefkolumnist
Illustration: KI-generiert
Die historischen Klappbrücken am Alten Hafen in Bremerhaven sind wegen Einsturzgefahr gesperrt. Die Sanierung der auf Holzpfählen gegründeten Anlage wird Jahre dauern und Millionen kosten. Eine Zeitzeugin blickt nun auf die bewegte Geschichte des Ortes zurück. „Wie ich das hier jetzt finde? Beschämend.“ Aufgestützt auf die Absperrbaken blickt Edith Rudolph auf das umzäunte Areal an Bremerhavens Verbindungskanal Alter/Neuer Hafen, zu den Klappbrücken fünf Schritte weiter. Die wichtigsten Übergänge zwischen Stadt und Havenwelten sind seit Juni gesperrt und bleiben es voraussichtlich für die nächsten Jahre, bis die von der Bohrmuschel perforierten morschen Holzpfähle unter Brücken und Kaje saniert und standsicher sind. „Dass es so weit gekommen ist, dass nicht längst etwas unternommen worden ist, wirft kein gutes Bild auf meine Stadt“, sagt die 91-Jährige, wie die Nordsee-Zeitung berichtet. Die Seniorin liebt die Stadt, in der sie 1935 zur Welt kam, und genau das Kajenareal, das vor rund 200 Jahren auf Holzpfählen gegründet wurde. „Daran hätte keiner in meiner Jugend je gedacht. Damals waren die Klappbrücken ja noch neu. Willi Lochmann wäre entsetzt über diesen Zustand jetzt.“
Leben im Brückenturm
Brückenwärter Willi Lochmann gehörte zur Familie der Zeitzeugin. Er steuerte im Auftrag des Hansestadt Bremischen Amtes die Brücken und wohnte mit seiner Familie im Brückenturm. Rudolph erinnert sich daran, wie er „oben im Brückenturm nicht nur das Rauf und Runter beider Brücken hundertmal am Tag gesteuert und die Technik in Schuss gehalten hat“ und fügt hinzu: „Er und seine Familie haben ja im Brückenturm auch all die Jahre gewohnt.“ Oben im Turm befand sich die verglaste Schaltzentrale, darunter lagen die Wohnräume, in denen Rudolphs Familie oft zu Besuch war.
Kiosk und Gaststätte an der Kaje
Rudolphs Vater, Willi Otten, errichtete 1931 an der Kaje einen Holzkiosk als Erfrischungshalle für die Arbeiter. Ein Foto aus dem Jahr 1930 zeigt die Verlobung ihrer Eltern Willi und Anna Otten im Schatten der damals neuen Brücken. „Das Bild ist damals aber seitenverkehrt entwickelt worden“, stellt Rudolph klar. Die Anlage war 1928 fertiggestellt worden und kostete rund 1,25 Millionen Reichsmark, was heute etwa 400.000 Euro entspricht. Die heutige Sanierung wird auf 32,5 Millionen Euro geschätzt, wozu Rudolph sagt: „Wahnsinn.“ Im Kiosk gab es ein vielfältiges Angebot. „Mein Papa bot im Kiosk neben der Brücke Tabak an, Kaffee, Süßes und sogar Eis“, erzählt Rudolph.
Wiederaufbau nach dem Krieg
Im Zweiten Weltkrieg brannte der Kiosk nieder. Ihr Vater, Gastwirt Willi Otten, baute die Gaststätte „Zur Weserbrandung“ 1946 aus Trümmersteinen wieder auf. Das Lokal bestand bis Mitte der 1970er Jahre an der Brücken-Schranke, die bis in die 1960er Jahre von Lochmann bedient wurde. Rudolph heiratete 1957 und zog für 40 Jahre in den Raum Lüneburg, kehrte jedoch später zurück: „Ich bin nu‘ mal eine Bremerhavener Deern.“
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