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Digitalisierung im Kuhstall: Wie ein Sellstedter Landwirt auf moderne Technik setzt

Der Landwirt Jan Lücken nutzt digitale Ohrmarken zur Gesundheitsüberwachung seiner 300 Milchkühe. Neben moderner Technik prägen jedoch auch zunehmende Bürokratie und Satellitenüberwachung seinen Arbeitsalltag.

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Digitaler Ohrchip für Kühe? Wenn das so weitergeht, wollen die Deichschafe bald auch ein Tablet. — Rocky, Chefkolumnist
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Moderne Technik hält Einzug in die Landwirtschaft: Auf einem Hof in Sellstedt überwachen digitale Ohrmarken den Gesundheitszustand von rund 300 Milchkühen. Die Sensoren erfassen kontinuierlich Daten wie Nahrungsaufnahme und Temperatur, um das Tierwohl zu steigern. Neben der Digitalisierung prägen jedoch auch wachsende bürokratische Anforderungen und Satellitenüberwachung den Alltag des Betriebs.

Seit gut zwei Jahren nutzt Landwirt Jan Lücken das digitale Tool auf dem Hof Lettmoden in Sellstedt. Über die Ohraktivität der Tiere werden Daten zu Nahrungsaufnahme, Wiederkauaktivität, Bewegung, Brunstverhalten und Temperatur erfasst. Fällt eine Kuh auf, weil sie beispielsweise kaum wiederkaut, erhält der Betriebsleiter eine Warnung auf sein Smartphone. „Ansonsten sehe ich anhand von Farben, wie es in den einzelnen Bereichen aussieht“, schildert der Landwirt, wie die Nordsee-Zeitung berichtet. Neben der Kontrollfunktion verbessere das System insgesamt das Tierwohl, da gesundheitliche Veränderungen frühzeitig erkannt würden. Bei einer Herde von 300 Kühen sei dies eine enorme Unterstützung.

Melkkarussell und Hofnachfolge

Trotz digitaler Unterstützung gehört die tägliche Runde durch den Stall weiterhin zum Programm. „Aber später, nach der ersten Besprechung mit den Mitarbeitern, was heute ansteht“, so Lücken. Das morgendliche Melken übernehmen die Angestellten des Hofs, zu denen drei Vollzeitkräfte, eine Teilzeitkraft und fünf Aushilfen gehören. Rund 100 Kühe können pro Stunde im Melkkarussell gemolken werden. Der heute 32-jährige Lücken hat die Betriebsleitung konsequent angestrebt. „Ich bin schon als kleines Kind immer gerne mit meinem Opa oder Vater raus aufs Feld, um bei der Ernte zu helfen oder mit in den Stall“, schildert Lücken. Seit vergangenem November ist er auch rechtlich Chef des Familienbetriebs, den er als GbR gemeinsam mit Mutter Christina führt. Vater Jens Lücken arbeitet ebenfalls weiter mit, hat sich jedoch aus der Leitung zurückgezogen. Auch die Großmutter lebt noch auf dem Hof. Lücken baute mit Lebensgefährtin Fenja Härtel, die nicht in der Landwirtschaft arbeitet, ein Einfamilienhaus neben dem Haus der Eltern. Anfang 2025 wurde Lücken Vater einer Tochter. Vor der Übernahme investierte die Familie im Jahr 2020 rund eine Million Euro in den Bau einer Biogasanlage. „Eine solch langfristige Investition macht man nur, wenn die Nachfolge geregelt ist“, so Lücken.

Bürokratie und Satellitenüberwachung

Der Alltag des modernen Landwirts hat sich stark verändert. „Gut ein Drittel bis zur Hälfte der Arbeitszeit verbringe ich am Schreibtisch“, sagt Lücken. Sämtliche Abläufe müssen dokumentiert werden: „Landwirte sind absolut gläsern“, urteilt er. Lücken bewirtschaftet rund um Sellstedt über 300 Hektar Land, davon sind 60 Hektar Ackerland und 250 Hektar Grünland, beides dient dem Viehfutter. Fast die Hälfte der Fläche gehört der Familie, die andere ist gepachtet. Etwa alle fünf Tage überfliegen Sentinel-2-Satelliten der EU die Flächen, um mittels künstlicher Intelligenz die Einhaltung von Subventionsbedingungen zu prüfen. „Zum Teil erhält der Landwirt danach Prüfaufträge, die er zügig abarbeiten muss“, schildert Lücken. Zur Klärung von Zweifelsfällen müssen dann Fotos hochgeladen werden.

Herausforderungen und Weidegang

Manche Förderanträge für Brüssel seien ohne externe Berater oder Unterstützung vom Landvolk nicht mehr zu bewältigen. Lücken engagiert sich selbst im Vorstand des Landvolks Wesermünde, auch um bei Themen öffentlich mitzureden wie beim Wolf: „Gerade rund um Sellstedt haben wir viele Wolfsangriffe, zu viele“. Ein weiteres Thema ist die politisch beschlossene Wiedervernässung des Moors. „230 unserer 300 Hektar liegen auf Moorgebiet. Wenn alles wiedervernässt werden sollte, kann ich dichtmachen“, sagt er. Dennoch bereitet ihm die Arbeit mit den Tieren und der Natur weiterhin große Freude. Für das Wohlbefinden der Kühe gibt es im Stall Liegeboxen und Ventilatoren sowie selbstbestimmten Weidegang direkt vom Stall zu benachbarten Weiden. „Wir haben die 300 Kühe in zwei Gruppen eingeteilt, die eine kann nachts raus, die andere tagsüber, immer im Wechsel“, sagt er. Einige Färsen, die Jungtiere, die noch keine Milch geben, dürfen das Frühjahr und den Sommer über in Bremerhaven an der Geeste nahe der Grimsbystraße weiden.

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