Blitzschutz auf hoher See: Wie Schiffe sich vor Gewittern schützen
Ob und wie Schiffe vor Blitzeinschlägen geschützt sind, hängt stark von ihrer Bauweise ab. Ein Experte der Lloyd Werft erklärt die physikalischen Hintergründe und Schutzmaßnahmen.
Wasser leitet ja bestens. Da bleibe ich bei Gewitter lieber gemütlich an Land.
— Rocky, Chefkolumnist
Illustration: KI-generiert
Ob Schiffe über einen Blitzableiter verfügen, lässt sich nicht pauschal beantworten und ist von außen oft nicht erkennbar. Während große Stahlschiffe durch ihre Bauweise physikalisch geschützt sind, weisen kleinere Boote und Yachten unterschiedliche Schutzvorkehrungen auf. Ein Experte der Lloyd Werft Bremerhaven erklärt die physikalischen Zusammenhänge von Blitzeinschlägen auf See. Projektmanager Michael Ahlers von der Lloyd Werft, der Schiffsbauprojekte kalkuliert, hat sich mit der Frage befasst, ob Schiffe Blitzableiter besitzen. „Das kann man pauschal nicht beantworten, es hängt von vielen Dingen ab“, erklärt Ahlers, wie die Nordsee-Zeitung berichtet. Vor allem aber sagt Ahlers: „Man sieht es dem Schiff nicht an.“ Selbst Experten können bei einem vorbeifahrenden Schiff meist nur raten, ob ein Blitzableiter vorhanden ist.
Physikalische Gegebenheiten auf dem Wasser
Blitzeinschläge auf Schiffen kommen vor, sind laut Ahlers jedoch selten. Obwohl ein Schiffsmast auf hoher See wie ein ideales Ziel wirkt, da Blitze sich den höchsten Punkt suchen, ist das Wasser physikalisch für Blitze attraktiver als ein Bootsmast. Wasser ist sehr leitfähig, Salzwasser sogar noch mehr. Zudem unterscheidet sich das Risiko je nach Region stark: Während es im Eismeer oder am Nordpol statistisch null Gewittertage im Jahr gibt, verzeichnen die Nord- und Ostsee 15, das Mittelmeer 30 und die Tropen bis zu 140 Gewittertage. Ein effektiver Schutz für Seeleute ist daher die zuverlässige Wettervorhersage, da viele Schiffe Gewitter schlicht umfahren.
Unterschiede nach Schiffstyp und Bauweise
Die Notwendigkeit eines Blitzableiters hängt stark vom Schiffstyp ab. Kleine Jollen haben oft keinen Schutz. Boote aus Holz oder Glasfaser sind besonders gefährdet, da ihre Konstruktion keine automatische Erdung vorsieht. Große Stahlschiffe hingegen funktionieren wie ein Faradayscher Käfig und leiten Blitze ab; zudem hält sich bei Gewittern normalerweise niemand an Deck auf. Yachten sind wiederum häufiger mit Blitzableitern ausgestattet, da ein Einschlag die sensible Technik beschädigen und das Schiff manövrierunfähig machen kann. Nach Angaben des Yacht-Versicherers Pantaenius haben sich die Blitzschäden in den vergangenen Jahren verdreifacht.
Funktionsweise des Blitzschutzes
Wenn Schiffe einen Blitzableiter besitzen, leitet ein Kabel vom höchsten Mast nach unten, sodass der Großteil des Stroms entlang dieses Kabels fließt. Die Antenne oder das Kabel opfern sich somit für die empfindliche Technik, die zusätzlich durch Schutzboxen abgeschirmt werden kann. Ahlers betont, dass kein Kind Angst haben muss, auf einem Schiff vom Blitz getroffen zu werden.
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