Trotz Fährproblemen: 79-Jähriger hält an Fischimbiss in Missunde fest
Rolf Kowalczyk betreibt seit Jahrzehnten seinen Fischimbiss an der Schlei. Trotz massiver Umsatzeinbußen durch die Ausfälle der Fähre „Missunde III“ denkt der 79-Jährige nicht ans Aufgeben.
Wenn die Fähre „Missunde III“ ausfällt, drehen viele Auto- und Radfahrer am Anleger direkt wieder um. Dennoch bleibt der Fischimbiss an der Fährstraße für Pendler und Urlauber eine wichtige Rastmöglichkeit. Betrieben wird die kleine Holzhütte von Rolf Kowalczyk, der in Missunde aufgewachsen ist. Wie die shz berichtet, bietet er dort von Matjes über Bismarck bis zum „Missunde Spezial“ verschiedene Fischbrötchen an. Seine Heimat begleitet den 79-Jährigen schon lange; er wuchs im Kuchenhaus auf. „Das war mein Elternhaus“, sagt er. Ursprünglich kommt er aus der Landwirtschaft, doch als kleiner Betrieb sei es schwierig gewesen. „Es ging nur wachsen oder weichen“, sagt Kowalczyk. Also fing er 1986 an, sich etwas Neues aufzubauen. Mit einem mobilen Stand verkaufte er in der Nähe des Anlegers Wurst, Schinken und Kartoffeln. Später wurde er gefragt, ob er auch Fisch verkaufen wolle. „Also hab ich ein Kuchenblech mit Fisch fertig gemacht“, sagt der Missunder, der mittlerweile in Tarp wohnt. Dies war nach seiner Erinnerung im Jahr 1994. Parallel arbeitete er noch in der Altenpflege. „Ich bin in der Saison mittags in der Pause rübergefahren, habe schnell zehn Frikadellen gebraten und bin wieder zurück“, sagt er.
Herausforderungen durch Fährausfälle
Rund 13 Jahre später kam die feste Hütte dazu. Der 79-Jährige kennt die Gegebenheiten der Schlei und erlebte bereits den Vorgänger der ersten Missunde. „Die alte Holzfähre wurde noch mit der Hand gezogen“, erinnert er sich. Ausfälle habe es immer gegeben. „Es geht immer mal was kaputt, das ist ganz normal“, sagt er. Einmal sei die „Missunde II“ mitten auf der Schlei liegen geblieben und musste von Seenotrettern gezogen werden. Die neue Fähre gefällt ihm optisch. „Sie würde nach Sydney passen“, sagt Kowalczyk. Spürbar sind die Ausfälle dennoch. „Wir machen 60 Prozent weniger Umsatz, wenn die Fähre nicht fährt“, sagt er. Um den Verlusten zu begegnen, reduziert er an diesen Tagen das Personal, das ohnehin schwer zu finden sei.
Suche nach einem Nachfolger
Warum er mit 79 Jahren noch hier ist? „Ich habe den Absprung nicht geschafft“, sagt er mit einem Schmunzeln. Seit Jahren möchte er den Betrieb abgeben, doch die Nachfolgersuche ist schwierig. Interessenten bekämen keinen Kredit oder wollten nicht genug bezahlen. „Im Idealfall übernimmt das jemand, der den Betrieb auch weiterführt – allein um den Urlaubern auch was zu bieten“, sagt Kowalczyk. Solange macht er weiter, „weil mir die Leute am Herzen liegen“, sagt der 79-Jährige und fügt hinzu: „Ich hab den Betrieb ja aufgebaut, da hängt man natürlich dran.“ Unabhängig von der Fähre ist er sich sicher: „Missunde war schon immer ein Kultort.“ Früher kamen die Menschen, um Schiffe zu beobachten. „Es war immer ein Ausflugsziel.“ Das zeigt sich auch heute. Unter den Gästen ist Besucherin Marga Ernst (85) aus Schaalby, die mit einem Freund im Garten sitzt. „Wir sind seit Jahren hier, das gehört einfach dazu“, sagt sie.