Tradition am Nieblumer Strand: Surflehrer Dirk Hückstädt setzt auf Erfahrung statt Apps
Seit fast 50 Jahren besteht die Wassersportschule in Nieblum auf Föhr. Inhaber Dirk Hückstädt verlässt sich bei seiner Arbeit lieber auf den eigenen Blick aufs Meer als auf digitale Vorhersagen.
Wetter-App? Ein Blick aus dem Fenster tut's auch. Spart zudem ordentlich Datenvolumen.
— Rocky, Chefkolumnist
Illustration: KI-generiert
Die Nieblumer Wassersportschule auf der Nordseeinsel Föhr blickt auf eine jahrzehntelange Geschichte zurück. Inhaber Dirk Hückstädt führt den Familienbetrieb mit traditionellen Methoden und setzt bei der Wettervorhersage lieber auf eigene Erfahrung als auf digitale Anwendungen. Ein faires Abrechnungsmodell sichert der Schule eine hohe Zahl an Stammkunden. Föhrer Surflehrer Dirk Hückstädt, auf der Insel als „Hücki“ bekannt, betreibt die Wassersportschule in Nieblum. Derzeit prägt eine großflächige Sandaufspülung den Strand an der Südküste der Insel. Insgesamt 445.000 Kubikmeter frischer Sand wurden aufgespült, wobei die Arbeiten vor der Surfschule bereits abgeschlossen sind. Die letzte Strandverbreiterung liegt 14 bis 15 Jahre zurück. Nach Sturmfluten im vergangenen Herbst, die bis kurz vor die Dünenkante reichten, ist der Strand nun rund 75 Meter breit. „Guck mal, die Farbe von dem neuen Sand ist anders, der ist deutlich weißer“, sagt der Surflehrer zufrieden. Der neue Sand sei zudem grobkörniger und schwerer, was das Aufwirbeln bei Wind verringere.
Vom mühsamen Anfang zum jüngsten Surflehrer
Die Schule wurde 1976 von Hückstädts Vater, einem gebürtigen Föhrer Edeka-Kaufmann, nach einem Urlaub auf den Kanaren gegründet und ab 1977 ernsthaft betrieben. Der Sohn fand anfangs wenig Gefallen am Surfen. „Meine Eltern haben beschlossen, dass ich mit neun Jahren mal anfangen könnte zu surfen, aber es gab damals keine Kinderkurse und auch kein Material für Kinder“, erzählt Dirk Hückstädt. „Das war einfach nur unfassbar anstrengend, ich bin dauernd ins Wasser geflogen und hatte da überhaupt keinen Bock drauf.“ Heute nimmt die Schule daher erst Kinder ab neun oder zehn Jahren und einem Mindestgewicht von 30 Kilogramm auf. Mit elf Jahren lernte Hückstädt das Surfen schließlich durch einen Ferienfreund. Mit 17 Jahren bestand er seine Windsurflehrerprüfung als Lehrgangsbester und galt als weltweit jüngster ausgebildeter Windsurflehrer unter 18 Jahren.Nach einer Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann bei North Sails in Bayern kehrte er 1997 nach Föhr zurück und übernahm die Surfschule gegen die Skepsis seines Vaters. Er baute das Angebot aus und verlängerte die Saison von Ostern bis nach den Herbstferien. Zur heutigen Ausstattung gehören rund 100 Segel, 80 Boards und etwa 13 Katamarane.
Erfahrung statt Wetter-Apps und ein faires Geschäftsmodell
Die größte Herausforderung im Betrieb stellt das Wetter dar. Hückstädt verlässt sich dabei nicht auf moderne Vorhersagemodelle, wie die shz berichtet. „Nee, eigentlich die Wetter-Apps. Die taugen alle nix für meine Zwecke“, erklärt er. Stattdessen vertraut er auf seine Erfahrung und den morgendlichen Blick auf das Meer. Erst am Vortag seien acht Knoten vorhergesagt worden, „Tatsächlich standen draußen rund 20 Knoten“, sagt „Hücki“.Auch wirtschaftlich geht der Inhaber eigene Wege. Das finanzielle Risiko trägt er selbst, Vorkasse gibt es nicht. „Ich lasse mich nur für das bezahlen, was wir leisten“, erklärt Hückstädt. Fällt ein Kurs wegen Flaute oder Sturm aus, wird nur der erbrachte Teil berechnet. Diese Philosophie zahlt sich aus: „Ich habe eine Stammkundenquote von 80 Prozent“, sagt Dirk Hückstädt mit Stolz. Im kommenden Jahr feiert die Nieblumer Wassersportschule ihr 50-jähriges Bestehen.
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