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Streit um geplante Fischereiverbotszonen an der niedersächsischen Nordseeküste

Wegen einer EU-Strategie zur Artenvielfalt sollen zehn Prozent des niedersächsischen Küstenmeeres zu Schutzgebieten werden. Die betroffenen Krabben- und Muschelfischer fürchten um ihre Existenz.

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Krabben ohne Kutter? Das gibt ordentlich Gegenwind an der Küste. — Rocky, Chefkolumnist
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An der niedersächsischen Nordseeküste wächst der Protest von Krabben- und Muschelfischern gegen geplante Fischereiverbotszonen. Im Rahmen einer EU-Strategie für mehr Artenvielfalt sollen zehn Prozent des Küstenmeeres als Schutzgebiete ausgewiesen werden. Viele Fischer fühlen sich von den Plänen der Landesregierung überrumpelt und sehen ihre wirtschaftliche Existenz bedroht.
Die Landesregierung hat eine sogenannte Gebietskulisse mit möglichen Verbotszonen veröffentlicht, die auf wissenschaftlichen Daten wie ausgewerteten Schiffsbewegungen basiert. Wie die Tagesschau berichtet, fühlen sich viele Krabben- und Muschelfischer von diesem Schritt überrumpelt. Einer von ihnen ist Krabbenfischer Söhnke Thaden, der in fünfter Generation mit seinem Kutter "Christine" von Fedderwardersiel aus startet. Sein angestammtes Fanggebiet ist die Wesermündung, da die kleinen Kutter nicht für tagelange Fischzüge gebaut sind.

Existenzängste an der Wesermündung

In der Wesermündung müssen die Fischer bereits jetzt große Flächen meiden. Thaden erklärt die Situation anhand einer Karte: "Im Fahrwasser ist das Fischen verboten, in den Reeden ist das Fischen verboten, hier ist der Windpark Nordergründe, verboten - große Sperrzone drumherum. An den Fahrwasserrändern, wie zum Beispiel hier an der Mellum, da sind wir aktiv, da sind wir am fischen. Und genau dieses Gebiet, der Hotspot, der soll gesperrt werden."Die vorgeschlagenen Verbotszonen sind das Ergebnis mehrerer Regionalkonferenzen im Rahmen der Biodiversitätsstrategie der EU. Diese sieht vor, zehn Prozent der küstennahen Gewässer zu "Fischereifreien Zonen" zu erklären, in denen nicht mehr gefischt werden darf. Die vom Umwelt- und Landwirtschaftsministerium ausgearbeitete Karte sieht Verbotszonen vor Borkum, vor der Gemeinde Wangerland, im östlichen Jadebusen, an der "Wurster Nordseeküste" und vor der Vogelinsel Mellum vor. Für die Fischer aus dem Wangerland, die von Hooksiel und Horumersiel starten, endet die geplante Zone unmittelbar vor den Häfen. Kleinere Fahrzeuge können diese kaum umfahren, weshalb die Fischer von einem drohenden "Berufsverbot" sprechen.

Kritik an der Datengrundlage und mangelnder Beteiligung

Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte (Grüne) verteidigt die Pläne: "Der nun vorliegende Vorschlag ist ein ausgewogener Vorschlag, der auch die Interessen der Küstenfischerei und Küstenkommunen maßgeblich berücksichtigt". Umweltminister Christian Meyer (Grüne) ergänzt: "Die Existenz von allen Krabbenfischern muss natürlich erhalten bleiben, deswegen gucken wir uns jeden Einzelfall an. Es gibt viele Bereiche, wo wir Erleichterung spüren, wo sie sagen, okay, das ist für uns akzeptabel, ihr nehmt weit draußen, vor Borkum, Flächen aus der Nutzung, damit können wir leben, denn wir haben erreichbare Fanggründe."Demgegenüber stehen die existenziellen Sorgen der Fischer im Jadebusen, in der Wesermündung und im Wangerland. Vor der aktuellen Karte existierte ein deutlich größerer Suchraum einer Arbeitsgruppe. Erster Kreisrat des Landkreises Wesermarsch Matthias Wenholt vermutet, dass die Fischer die Möglichkeit für Eingaben auf den Regionalkonferenzen nicht intensiv genug nutzen konnten: "Mag sein, dass da die Umweltschützer ein bisschen besser organisiert waren, besser vorbereitet waren, kann man aber auch ein Stück weit verstehen. Kleine Betriebe müssen im Betrieb stehen, in diesem Fall auf dem Kutter stehen, um das Geld zu erwirtschaften, da haben die nicht so die Zeit und Muße, um das zu tun. Trotzdem sind sie die Betroffenen."Die Fischer der Wesermarsch wandten sich mit einem Hilferuf an den Kreistag, der daraufhin einstimmig eine Resolution verabschiedete. Darin fordert der Kreistag ein transparentes Verfahren und die Offenlegung der Datengrundlage. Zudem betont die Resolution die Bedeutung der Küstenfischerei für die regionale Wirtschaft und Identität. "Das war ein starkes Signal, alle haben sich hinter die Fischer gestellt, am Ende muss es ein Kompromiss sein, zwischen Umweltschutz und den Belangen der Fischer. Ich glaube, das sollte gehört werden", so Wenholt weiter.

Hoffnung auf den Fischereidialog

Am 21. Juli geht der im April 2025 begonnene "Fischereidialog" zwischen Politik, Verbänden und Fischern in seine finale Phase. Die EU-Vorgabe muss bis 2030 verbindlich umgesetzt sein. "Wir wollen einen Dialog, der gelebt wird", wünscht sich Thaden. Er betont die Kompromissbereitschaft der Fischer: "Wir möchten, dass wir zusammen Flächen entwickeln. Es gibt genug Flächen, wo wir kein Problem mit haben. Wir möchten nur Teile aus den Gebieten, die Fischereiausschlusszonen werden sollen, die möchten wir frei haben und würden an anderen Stellen von mir aus auch mehr Fläche geben. Aber bitte nicht in den Hotspots der Krabbenfischer." Im Rahmen des Gesetzgebungsverfahrens wird sich auch der Landtag mit den Ergebnissen befassen.

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