Mentale Belastungen in der Landwirtschaft: TarmsTalk thematisiert Burn-out-Risiko
Auf der Tarmstedter Ausstellung diskutierten Experten über die zunehmenden psychischen Belastungen von Landwirten. Ein betroffener Berater und die Telefonseelsorge berichten von ihren Erfahrungen.
Die psychische Gesundheit von Landwirten stand im Mittelpunkt einer Diskussionsrunde auf der Tarmstedter Ausstellung. Experten der Telefonseelsorge und der landwirtschaftlichen Familienberatung sprachen über die zunehmenden mentalen Belastungen in der Branche. Studien zufolge gilt mittlerweile etwa jeder vierte Landwirt als burn-out-gefährdet. Bei der TarmsTalk-Runde mit der Evangelisch-lutherischen Hannoverschen Landeskirche befassten sich Daniel Tietjen von der Telefonseelsorge Elbe-Weser sowie Holger Westerwarp und Cornelia Möller von der Evangelischen landwirtschaftlichen Familienberatung mit den mentalen Belastungen in der Landwirtschaft. Wie die Nordsee-Zeitung berichtet, ist es für Tietjen der erste Einsatz der Telefonseelsorge auf der Tarmstedter Ausstellung. Er stellt fest, dass Depressionen, Suizidalität und Krisen spürbar zunehmen – auch unter Landwirten.
Mehrfachbelastungen führen zu Lebenskrisen
Was eine Krise ausmacht, beschreibt Tietjen mit einem einfachen Bild: „Wenn eine Lebenssäule ins Wanken gerät, kann man das oft noch auffangen.“ Kommen jedoch finanzielle Sorgen, familiäre Konflikte oder Existenzängste hinzu, könne daraus schnell eine Lebenskrise werden. Solche Mehrfachbelastungen erlebe er auf landwirtschaftlichen Betrieben häufig. Hohe Arbeitsbelastung, steigende Kosten, die Verantwortung für Tiere und Flächen sowie die fehlende Trennung von Arbeit und Privatleben bringen viele Landwirte an ihre Grenzen.
Wenn die Hofübergabe zur Familienkrise wird
Wie belastend das sein kann, schildert Westerwarp nicht nur als Berater, sondern aus eigener Erfahrung, da er selbst Unterstützung in Anspruch genommen hat. Über 20 Jahre hatte er den elterlichen Betrieb gepachtet. Sein Vater wollte den Hof jedoch auch mit Anfang 80 nicht vollständig abgeben, während gleichzeitig ein Streit mit den Geschwistern über die Aufteilung von Hof, Land und Wald entbrannte. Irgendwann wurde kaum noch miteinander gesprochen. Erst die Familienberatung brachte Bewegung in die festgefahrene Situation. In einem gemeinsamen Gespräch sprach sein Vater zum ersten Mal darüber, wie wichtig ihm Sicherheit sei – ein Bedürfnis, das er seinen Kindern zuvor nie gezeigt hatte.
Hilfe annehmen statt Probleme verschweigen
Ein Landwirt aus dem Publikum erzählte offen von seinen Erfahrungen. Sein Vergleich sorgt für Schmunzeln: „Bei den Tieren gibt es auch Konflikte und Rangkämpfe. Die lösen das manchmal cleverer als wir Menschen.“ Heute habe er gelernt, Probleme nicht für sich zu behalten.
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