Ein Jahr im Hamburger Block-Prozess: Ein Rückblick auf das Verfahren um die Kindesentführung
Seit einem Jahr wird vor dem Landgericht Hamburg über die Entführung der Kinder von Christina Block verhandelt. Der Prozess ist geprägt von schweren Vorwürfen, überraschenden Zeugenaussagen und einem erbitterten Sorgerechtsstreit.
Ein Prozess voller Widersprüche
Der Hintergrund der Tat liegt in einem langjährigen Sorgerechtsstreit mit Ex-Mann Stephan Hensel, der die Kinder im August 2021 nach einem Besuchswochenende bei sich behalten hatte, wie die Tagesschau berichtet. Zusammen mit Christina Block sitzt Lebensgefährte und ehemaliger Sportmoderator Gerhard Delling auf der Anklagebank. Mitangeklagt sind zudem der langjährige Familienanwalt der Block-Familie, eine Cousine von Christina Block und deren Ehemann, der Inhaber einer Sicherheitsfirma sowie ein Israeli, der beim Verschleppen der Kinder persönlich dabei war. Zum Prozessauftakt vor einem Jahr wurde Block noch von Rechtsanwalt Otmar Kury und Anwalt Ingo Bott vertreten, ehe sie Kury im August das Mandat kündigte. Block bestreitet die Vorwürfe und schilderte unter Tränen ihren juristischen Kampf. Über die Entführung will sie nichts gewusst haben.Die Kinder wurden von der israelischen Firma Cyber Cupula nach Hamburg verschleppt. Block gab an, sie habe die Firma eigentlich zur Überprüfung der IT-Sicherheit im familieneigenen Luxushotel Grand Elysee engagiert. Block beteuerte: "Ich habe davon nichts gewusst. Mit mir, dem Häufchen Elend, konnte man das perfekte Geschäft machen." Eine überraschende Wende nahm das Verfahren, als die untergetauchten Entführer, Firmenchef David Barkay und Mitarbeiterin Keren T., im Herbst 2025 über einen israelischen Anwalt anboten, in Hamburg auszusagen. Am 10. Dezember 2025 sagte Barkay erstmals aus. Beide Zeugen räumten die Entführung ein, betonten jedoch, sie hätten an die Legalität der Aktion geglaubt, da Block das alleinige Aufenthaltsbestimmungsrecht besaß.
Belastende Aussagen und weitere Ermittlungen
Die Zeugen belasteten den mitangeklagten Familienanwalt, der im Prozess schweigt, sowie Block selbst. Sie schilderten ein Treffen im Elysee-Hotel zwei Tage vor der Entführung, bei dem Block ihnen gedankt und eine Tasche mit Kleidung übergeben habe, was diese bestreitet. Zudem nannten sie den Namen des Vaters von Christina Block, Steakhaus-Gründer Eugen Block, gegen den die Staatsanwaltschaft ursprünglich ebenfalls ermittelte, ihn aber nicht mit anklagte. Während Delling und der mitangeklagte Sicherheitsunternehmer eine Beteiligung bestreiten, müssen die Cousine und ihr Ehemann trotz ihrer Anträge auf Entpflichtung an jedem Prozesstag teilnehmen.Laut den Aussagen sollte Cyber Cupula das Leben der Kinder in Dänemark überwachen und installierte dafür Kameras. Die Staatsanwaltschaft sieht darin Belege für Blocks Einbindung. Bereits ein Jahr zuvor soll es einen Entführungsversuch gegeben haben. Im September 2025 wurden in diesem Zusammenhang die Geschäfts- und Privaträume von August Hanning, ehemaliger Chef des Bundesnachrichtendienstes, durchsucht. Ihm und einem ehemaligen LKA-Beamten wird vorgeworfen, Hensel mit falschen Pädophilie-Vorwürfen diskreditiert zu haben. Die Kinder wurden nach zwei Tagen bei Block wieder nach Dänemark zurückgebracht, wo sie laut Gerichten ihren Lebensmittelpunkt haben. Hensel hat inzwischen das alleinige Sorgerecht.