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Herausforderungen bei der Integration: Einsamkeit unter neuen Mitarbeitern in der Wesermarsch

Viele neu zugezogene Arbeitskräfte in der Wesermarsch kämpfen mit Anonymität und Einsamkeit. Am Beispiel eines Airbus-Mitarbeiters in Nordenham wird deutlich, wie schwierig der Anschluss in einer neuen Region sein kann.

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Viele neu zugezogene Arbeitskräfte in der Wesermarsch haben Schwierigkeiten, in ihrer neuen Umgebung Anschluss zu finden. Am Beispiel eines neu eingestellten Mitarbeiters des Flugzeugbauers Airbus in Nordenham wird deutlich, dass trotz betrieblicher Integrationsangebote oft eine gefühlte Anonymität herrscht. Experten raten Betroffenen zu proaktiven Schritten im Alltag und in Vereinen.

Ein Betroffener ist Richard Hoffmann (Name von der Redaktion geändert), der noch nicht lange in der Wesermarsch lebt und nach einer schweren Zeit nun für Airbus in Nordenham arbeitet. Aufgewachsen in einem Dorf in einem anderen Bundesland, gefiel es ihm anfangs gut in der Region, wie die Nordsee-Zeitung berichtet. „Anfangs fand ich es in der Wesermarsch geil. Es war toll, sich einfach mal Wasser anzuschauen“, sagt der Mann im mittleren Alter. Obwohl ihn die Kollegen in seiner Abteilung herzlich aufgenommen hätten, fühle er sich nicht richtig angekommen. „Unter den mittlerweile fast 4.000 Mitarbeitenden herrscht nicht viel Kollegialität. Vielleicht in der eigenen Schicht, aber die wenigsten dort grüßen einen auf dem Werksgelände. Man geht stumm aneinander vorbei“, so Hoffmann.

Zuvor war Hoffmann bereits bei verschiedenen Arbeitgebern angestellt, doch die Stimmung bei Airbus empfindet er als besonders anonym. „Wenn ich Pause habe, setze ich mich in den Pausenraum. Dort würde ich gerne Gespräche mit den Kollegen führen, aber die haben gar kein Interesse daran. Die einen holen ihr Handy raus und verschicken Nachrichten, die anderen essen ihr Brot“, schildert er seine Erfahrungen. Während einige Beschäftigte in Nordenham bereits seit dem Kindergarten und der Schulzeit miteinander vertraut sind, ist für Zugezogene wie Hoffmann alles neu. „Meine Freunde sind zum großen Teil Online-Kontakte“, berichtet er.

Sichtweise des Betriebsrats

Betriebsratsvorsitzender Michael Eilers äußert sich auf Nachfrage zum Thema Einsamkeit: „Wir haben in den letzten Jahren 1.600 neue Beschäftigte eingestellt. Dass die Integration ins Werk und in die Region nicht bei jedem funktioniert, glaube ich sofort.“ Das Thema sei an den Betriebsrat bisher jedoch nicht aktiv herangetreten worden. Der 55-Jährige, der in Nordenham geboren und aufgewachsen ist, verweist auf bestehende Sportgemeinschaften und Kollegenkreise, die sich regelmäßig treffen. Auf die Frage, ob junge Kollegen das Unternehmen nach einigen Jahren wieder verlassen, um in eine größere Stadt zu ziehen, erklärt er: „Das ist ein kleiner, einstelliger Prozentbereich. Aber natürlich gibt es bei der Vielzahl von neuen Mitarbeitern auch Fluktuation.“

Pressesprecher Daniel Werdung betont, dass der Flugzeugbauer Personal hauptsächlich im näheren Einzugsbereich rekrutiert. „Neue Kolleginnen und Kollegen, insbesondere wenn sie nicht aus der Region kommen, erhalten eine individuelle Betreuung durch die Personalabteilung und die Führungskraft, beispielsweise durch Unterstützung bei der Wohnungssuche oder Integration in die Region“, so Werdung. Airbus bietet nach eigenen Angaben einen ganzheitlichen Onboarding-Prozess an. Dieser umfasst ein Onboarding-Event am ersten Arbeitstag zur Vermittlung von Unternehmensstrukturen, Netzwerkbildung und Erstunterweisungen. Zudem stehen Onboarding-Seiten im Intranet sowie ein Buddy-Programm zur Verfügung.

Empfehlungen von Experten und eigene Lösungsansätze

Experten betonen, dass Einsamkeit keine Schwäche, sondern ein Signal ist. Als Schlüssel gelten kleine, proaktive Schritte. Fachkräfte empfehlen Betroffenen, sich Hobbys zu suchen, einem örtlichen Verein beizutreten oder Telefonate mit alten Bekannten zu führen. Am wichtigsten seien jedoch regelmäßige Begegnungen im Alltag.

Richard Hoffmann hat die Bemühungen um neue Kontakte am Arbeitsplatz mittlerweile aufgegeben, unternimmt jedoch aktiv etwas gegen seine Einsamkeit. Er pflegt den Kontakt zu ehemaligen Arbeitskollegen, ist in einen Verein eingetreten und geht inzwischen auch alleine in eine Bar.

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