Insolvenz in Eigenverwaltung: Nordseeklinik Helgoland startet Sanierung
Die Nordseeklinik Helgoland hat ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung eingeleitet, um den Standort wirtschaftlich zu sanieren. Der Krankenhausbetrieb und der Rettungsdienst laufen unverändert weiter.
Die Nordseeklinik Helgoland hat ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung eingeleitet. Ziel des Schrittes ist die wirtschaftliche Sanierung des einzigen Krankenhauses auf der Nordseeinsel. Der Betrieb des Hauses sowie des angegliederten Rettungsdienstes läuft während des Verfahrens ohne Einschränkungen weiter. Das teilte Geschäftsführer Sten Wessels am Freitag in einer Presseerklärung mit, nachdem die Mitarbeitenden bereits am Donnerstag auf einer Betriebsversammlung informiert worden waren. Das Haus verfügt über vierundzwanzig Betten und vierzig Beschäftigte. Es versorgt jährlich rund eintausendfünfhundert Inselbewohner sowie etwa dreihunderttausend Urlaubs-, Kur- und Tagesgäste in der Inneren Medizin, der Chirurgie und der Unfallchirurgie. Für Patientinnen und Patienten soll sich zunächst nichts ändern. Die Klinik wird während des Verfahrens weiter von Wessels geführt und nicht von einem Insolvenzverwalter. Unterstützt wird er von Sanierungs- und Insolvenzexperten Frank Kreuznacht, während das Amtsgericht Bremer Juristen Malte Köster als vorläufigen Sachwalter bestellt hat. Träger ist die Park-Hospital-Gesellschaft mit Sitz auf Helgoland, die das Krankenhaus von der Paracelsus-Gruppe übernommen hatte und für die Helgoland der einzige Standort ist.
Streit um Sicherstellungszuschläge
In die wirtschaftliche Schieflage geraten ist das Haus nach Angaben der Geschäftsführung durch Rückforderungen der Krankenkassen, wie die Cuxhavener Nachrichten berichten. Es geht um sogenannte Sicherstellungszuschläge aus der Vergangenheit, die nach Darstellung der Klinik immer nur Defizite ausgeglichen und nie zu Gewinnen geführt haben. Die Kassen sehen das anders und verlangen Geld zurück. Diese Streitfragen sollen nun in einem gerichtlich kontrollierten Verfahren und über einen gemeinsam erarbeiteten Insolvenzplan geklärt werden.
Zukunft der Insel-Chirurgie
Im Kern geht es um die Zukunft der Chirurgie. Mit der Krankenhausreform des Bundes soll die Nordseeklinik eine sektorenübergreifende Versorgungseinrichtung werden, also ein Haus mit einem auf die Grundversorgung in der Inneren Medizin ausgerichteten Auftrag. Chirurgische Leistungen sind dafür im Bundesrecht nicht vorgesehen, weil überall sonst in Deutschland ein Chirurg oder eine chirurgische Abteilung in höchstens dreißig Minuten erreichbar ist. Auf Helgoland gilt das nicht. Wessels verweist auf die Lage weit draußen in der Nordsee. Bei Sturm, so wie vor einigen Tagen, könne weder ein Schiff fahren noch ein Hubschrauber fliegen. Ohne chirurgische Station wären Knochenbrüche, tiefe Schnittwunden oder ein lebensbedrohlicher Kollaps der Lunge auf der Insel nicht zu versorgen. Schließen lässt sich diese Lücke nur über eine Rechtsverordnung des Landes Schleswig-Holstein, die das Krankenhausentgeltgesetz ausdrücklich zulässt. Nach Angaben der Klinik sehen Land und Krankenkassen in den bisherigen Gesprächen alle die Notwendigkeit einer solchen Sonderregelung für Helgoland. Wessels gibt sich sicher, dass die Politik die Voraussetzungen schaffen wird, fordert vom Land aber mehr Tempo.
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