Meldung ✓

Zunahme von Tintenfischen in der Nordsee bietet neue Chancen für die Fischerei

Die Bestände von Tintenfischen in der Nordsee haben sich stark vergrößert. Während Fischer die Entwicklung als wirtschaftliche Alternative nutzen, fordern Wissenschaftler Fangquoten.

KI-generierter Inhalt · wie wir arbeiten →

Moin. Solange die Kalmare nicht versuchen, mein Krabbenbrötchen zu klauen, ist alles im Lot. — Rocky, Chefkolumnist
Illustration zu: Zunahme von Tintenfischen in der Nordsee bietet neue Chancen für die Fischerei
Illustration: KI-generiert
In der Nordsee hat sich die Zahl der Tintenfische in den vergangenen zwei bis drei Jahrzehnten Schätzungen zufolge mindestens verdoppelt. Diese Entwicklung führt zu einer Verschiebung im Ökosystem und bietet Fischereibetrieben neue Einnahmemöglichkeiten. Angesichts unregulierter Fänge fordern Wissenschaftler die Einführung von Fangquoten.
Wenn die Besatzung des Fischkutters "Butendiek" ihre Netze auswirft, fängt sie bislang vor allem Schollen, Steinbutt und Kaisergranat. Seit Anfang letzten Jahres fangen vier Kutter der Genossenschaft jedoch gezielt Tintenfische, berichtet Fischer Dieter Hullmann von der Fischereigenossenschaft Elsfleth in Brake an der Unterweser. Kraken und Oktopusse gab es in der Nordsee schon immer, wie die Tagesschau meldet. Allerdings haben sich Anzahl und Biomasse stark verändert, wie Thünen-Forscher Daniel Oesterwind vom Thünen-Institut für Ostseefischerei in Rostock ausführt: „Aber nicht in so einem Ausmaß! Dazu haben wir Analysen gemacht und konnten zeigen, dass die Anzahl und die Biomassen sich verändert haben über die Jahre hinweg.“ Neben altbekannten Arten haben sich seit 2016 der Kurzflossenkalmar "Illex coindetii" sowie "Todaropsis eblanae" etabliert, und auch Oktopusse kehren zurück. Im großen Stil gefischt werden vor allem Langflossenkalmare.

Klimawandel und verändertes Ökosystem

Die Tiere profitieren von steigenden Wassertemperaturen und wachsen schneller. Biologe Daniel Oesterwind erklärt: „Weil sie ein bisschen schneller wachsen, größer sind und dementsprechend von den typischen Raubfischen in der Nordsee nicht mehr so stark befressen werden.“ Zudem wandern klassische Räuber wie der Dorsch ab, und Überfischung begünstigt die Ausbreitung. Wissenschaftler sprechen von einem "Shift" im Ökosystem. Tintenfische gehören zu den Kopffüßern und sind Weichtiere. Kalmare besitzen zehn Arme, Oktopusse acht. Zu ihren Maßen äußert sich Biologe Oesterwind: „Einen Meter ungefähr können die schon werden mit Armen und allem Drum und Dran“. Sie bewegen sich durch Rückstoß fort, sondern dunkle Farbe ab und fressen Fische wie Kabeljau, Wittling, Hering und Sprotte oder bei Nahrungsmangel auch Artgenossen.

Wirtschaftliche Bedeutung und Regulierung

Für Fischer Hullmann bieten Tintenfische eine gute Erwerbsalternative: „Das ist für uns ein Ausweichen. Auch weil der Kabeljau und die Scholle an der Küste nicht mehr in den Mengen vorkommen, dass man sie gewinnbringend befischen kann. Und daher ist es für uns natürlich eine gute Alternative, zwei, drei Monate im Jahr auf Tintenfischfang zu gehen.“ Für ein Kilo Kalmar erhält er derzeit ähnlich viel wie für Krabben. Zuletzt wurden in der Nordsee laut Thünen-Institut rund 4.000 Tonnen Tintenfisch gefangen, nach 2.000 Tonnen im Jahr 2021. Deutsche Kutter landeten nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums 2025 knapp 220 Tonnen an, was einen Erlös von knapp 1,7 Millionen Euro einbrachte. Dies machte fast 25 Prozent der Umsätze in der gemischten Grundschleppnetzfischerei aus, verglichen mit einem Prozent im Jahr 2019. Hullmann gibt jedoch zu bedenken: „Und so ist es im Moment der Fall, dass eigentlich zu viele Schiffe schon auf dem Tintenfisch unterwegs sind. Und da müssen wie jetzt schauen, was in diesem Herbst passiert mit den Preisen.“Da Tintenfische in den Bestimmungen der Gemeinsamen Fischereipolitik der EU nicht vorkommen, ist der Fang bislang unreguliert. Wissenschaftler fordern Fangquoten, um die Bestände zu schützen. Da Kalmare nur etwa ein Jahr alt werden und sich einmal fortpflanzen, werden sie oft vor dem Laichen gefischt. Forscher berechnen nun im Rahmen eines Forschungsprojekts über Larvenzahlen die künftigen Bestände. Dass Kalmare bald im Fischbrötchen angeboten werden, gilt wegen des Zubereitungsaufwands als unwahrscheinlich. Fischer Hullmann meint dazu: „Wäre eine Überlegung wert. Aber bis jetzt hat sich das, glaube ich, noch keiner getraut“.

← alle Meldungen aus Norden

Weitere Meldungen aus Norden

Norden ✓

Tödliche Schüsse auf St. Pauli: Ermittler vermuten mehr Beteiligte

Nach den Schüssen mit zwei Toten im Hamburger Stadtteil St. Pauli gerät eine Gruppe vermummter Männer in den Fokus der Ermittler. Neben der Mordkommission befasst sich nun auch das Landeskriminalamt für Organisierte Kriminalität mit dem Fall.

05.09., 04:12 Uhr