Ukraine meldet Ausschaltung von 300 Schiffen im Schwarzen und Asowschen Meer
Der Kommandeur der ukrainischen Drohnenstreitkräfte zieht Bilanz einer im Sommer gestarteten Kampagne gegen die russische Logistik. Die Angriffe beider Seiten beeinträchtigen den Schiffsverkehr und den Getreideexport in der Region erheblich.
Der Kommandeur der ukrainischen Drohnenstreitkräfte, Robert "Magyar" Brovdi, erklärte am 22. September in den sozialen Medien, dass seine Streitkräfte seit dem Start der Aktion am 6. Juli gezielt Schiffe attackieren, die die Krim versorgen oder Exporte aus Russland transportieren. Laut seinen Angaben wurden 134 Schiffe im Asowschen Meer und 166 Schiffe im Schwarzen Meer getroffen und außer Gefecht gesetzt. Bei den meisten Zielen handelte es sich um Tanker für Treibstoff und Energieprodukte sowie um Schüttgutfrachter.
Ziele und Verlaufsdaten der Drohnenkampagne
Brovdi beschrieb die Zielsetzung der Kampagne bereits zu einem früheren Zeitpunkt: "The goal is the irreversible paralysis of oil, fuel, and cargo logistics used to bypass sanctions. We want every self-propelled vessel to become a drifting barge - blind and deaf. The objective is not to pollute the sea with oil spills, so we are not sinking them." In einem Zeitraum von 12 Tagen Anfang Juli hätten seine Streitkräfte nach eigenen Angaben 159 Tanker getroffen.Über die aktuellen Auswirkungen auf den Schiffsverkehr schrieb Brovdi: "The Sea of Azov stands and will stand (still), together with the Kerch Strait. The 'maybe we'll slip through' regime operates in the northern and northeastern part of the Black Sea." Er behauptet, dass die Ukraine die Schifffahrt zum Stillstand gebracht habe.
Reaktionen und Folgen für den regionalen Handel
Russland bezeichnete die Angriffe als schlimmer als Piraterie und reagierte mit einer Intensivierung eigener Schläge gegen Schiffe mit Militärgütern für die Ukraine. Das russische Verteidigungsministerium gibt nahezu täglich an, Frachtschiffe in ukrainischen Häfen oder Hafeninfrastruktur getroffen zu haben, wie The Maritime Executive berichtet.Zudem hat Russland den Schiffsverkehr im Asowschen Meer weitgehend gestoppt. Einem Bericht von Reuters vom 22. September zufolge weicht Russland auf Terminals in der Ostsee und Arktis aus, um Frachten wie Getreide, Düngemittel und Kohle umzuleiten. Historisch wurden 90 Prozent der russischen Getreideexporte über das Schwarze Meer abgewickelt. Auch die Ukraine nutzt verstärkt Ausweichrouten über Donauhäfen, Kanäle, Lkw und die Bahn, verzeichnet jedoch insgesamt gesunkene Getreideexporte. Die Türkei bemühte sich bislang vergeblich um die Vermittlung eines Waffenstillstands zur Sicherung der Handelsschifffahrt.