Sicherheitsbedenken auf See: Viele Seeleute befürchten Konsequenzen bei Problemmeldungen
Ein neuer Fünf-Jahres-Bericht offenbart erhebliche Lücken beim Schutz und Wohlergehen von Schiffsbesatzungen. Viele Seeleute berichten zudem von Personalmangel, Übermüdung und fehlender psychologischer Unterstützung.
Der Bericht mit dem Titel „Five Years into the Code of Conduct: What's Changed for Seafarers?“ wurde von der Sustainable Shipping Initiative, dem Institute for Human Rights and Business, der Mission to Seafarers, der Rafto Foundation for Human Rights, RightShip und TURTLE verfasst. Den Befragungsergebnissen zufolge geben lediglich 59 Prozent der Seeleute an, dass sie sich sicher fühlen würden, ein ernsthaftes Bedenken ohne Angst vor Konsequenzen zu äußern. Dies zeigt ein erhebliches Vertrauensdefizit auf, obwohl in der Schifffahrtsbranche wiederholt die Bedeutung einer Sicherheitskultur und das Melden von Problemen an Bord betont werden.
Unterschiede zwischen Unternehmensangaben und Realität an Bord
Die Schilderungen der Seeleute stehen im Kontrast zu den Daten der Selbsteinschätzung zum Wohlergehen der Besatzung von RightShip, an der bisher mehr als 1.000 Unternehmen mit über 13.000 Schiffen und rund 300.000 Seeleuten teilgenommen haben. Unter den teilnehmenden Unternehmen verbessern sich die Wohlfahrtsstandards: Faire Beschäftigungsbedingungen erreichen einen Erfüllungsgrad von 90 Prozent, die Bemannung liegt bei 88 Prozent. Auch die Kosten für den Internetzugang sinken, da der Anteil der teilnehmenden Unternehmen, die von Seeleuten Gebühren für den Zugang verlangen, von 18,4 Prozent im Jahr 2024 auf 8,5 Prozent im laufenden Jahr gefallen ist.Umfragen unter Seeleuten in der gesamten Flotte zeichnen jedoch ein weniger positives Bild. Lediglich 49 Prozent der Befragten gaben an, dass während ihres letzten Vertrags genügend Besatzung an Bord war, um ohne übermäßige Ermüdung oder Verstöße gegen vereinbarte Ruhezeiten sicher zu arbeiten.
Lücken bei mentaler Gesundheit und Forderungen an Finanzakteure
Auch bei der Unterstützung der mentalen Gesundheit zeigen sich große Lücken. Etwa 56 Prozent der Seeleute berichten, dass vertrauliche Hilfe verfügbar sei und sie sich bei deren Nutzung sicher fühlen würden. Weitere 17 Prozent haben zwar Zugang dazu, fühlen sich mit der Nutzung jedoch nicht wohl, während 27 Prozent angeben, überhaupt keinen Zugang zu Unterstützung zu haben. Das Wohlergehen der Besatzung bleibt unter den Unternehmen, die die Bewertung von RightShip nutzen, mit einer Zielerreichung von 76 Prozent der schwächste Bereich, obwohl Schulungen zur mentalen Gesundheit seit 2024 von 64 Prozent auf 76 Prozent zugenommen haben.Ellie Besley-Gould, Geschäftsführerin der Sustainable Shipping Initiative, erklärte: „The evidence from the last five years points in two directions. It shows that good welfare can be delivered but those standards are not yet part of daily life for many seafarers.“
Der Bericht fordert zudem, dass Befrachter, Ladungseigentümer, Versicherer und Finanzierer das Wohlergehen der Besatzung künftig zu einem sichtbareren Bestandteil kommerzieller Entscheidungen machen müssen.