Tarifstreit in Seehäfen eskaliert: ver.di leitet Urabstimmung über unbefristeten Streik ein
Nach dem vierten Scheitern der Tarifverhandlungen stimmen rund 11.000 Hafenarbeiter über einen unbefristeten Arbeitskampf ab. Betroffen sind alle großen deutschen Seehäfen.
Die Verhandlungen zwischen ver.di und dem Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) hatten Ende Juli begonnen. Seit dem 31. Juli arbeiten die Beschäftigten ohne Tarifvertrag. Ver.di fordert eine Erhöhung der Stundenlöhne um 8,2 Prozent bei einer Laufzeit von 12 Monaten. Die Arbeitgeber schugen zu Beginn 5,3 Prozent in zwei Stufen sowie eine Einmalzahlung vor.
Neues Angebot der Arbeitgeber abgelehnt
In der vergangenen Woche legte der ZDS zwei neue Optionen vor: eine Erhöhung um 3,4 Prozent über 12 Monate rückwirkend zum 1. August inklusive Containerzulagen und zusätzlichem Urlaubsgeld oder eine Steigerung um 5,1 Prozent plus Zulagen über eine Laufzeit von 18 Monaten. Bei einer Befragung von mehr als 5.500 Beschäftigten sprachen sich knapp 65 Prozent gegen den Zwölf-Monats-Vorschlag aus.
Die Verhandlungen betreffen die Hafenstandorte Hamburg, Bremen, Bremerhaven, Emden, Brake und Wilhelmshaven. Wie The Maritime Executive berichtet, legten die Beschäftigten die Arbeit bereits im Rahmen von Warnstreiks nieder, darunter bei 24-stündigen Arbeitsniederlegungen am 17. August sowie am 24. und 25. August.
Sicherheitsbedenken und Abstimmung bis Oktober
Neben den finanziellen Forderungen hebt ver.di zunehmende Sicherheitsrisiken am Arbeitsplatz hervor. Als Beispiel nennt die Gewerkschaft Drohnenflüge über Hafenanlagen, die in einem Umfeld mit schweren Lasten, Gefahrgut und komplexer Technik zusätzliche Gefahren böten.
Die Urabstimmung der Mitglieder läuft bis zum 1. Oktober. Lehnen 75 Prozent der Mitglieder das Angebot ab und stimmen für einen unbefristeten Streik, wird ver.di die Arbeitskampfmaßnahmen einleiten. Ein flächendeckender Streik würde die Arbeit in allen wichtigen deutschen Seehäfen in einer bereits angespannten Phase beeinträchtigen und die Folgen der jüngsten Streiks niederländischer Hafenarbeiter in Rotterdam verstärken.